Um 3.500 v.Chr.

Erste Siedlungsspuren (Scherbenfunde) im Gebiet der Gihonquelle, keine Gebäudereste.

Ab 2.100 v.Chr.

Von der mittleren Bronzezeit an ist das Gebiet um die Gihonquelle durchgehend besiedelt, zahlreiche Gräber werden in Silwan gefunden

Ab 2.000 v.Chr.

In Chaldäa, dem heutigen Irak, lebte Abraham, so heißt es im Alten Testament, in der Stadt Ur. In diesem Land baute man zu dieser Zeit schon mehrstöckige Häuser aus Ziegelsteinen. Die Bewohner des Landes wußten, wie man Eisen verarbeitet. Sie kannten auch das Kupfer und stellten aus Silber Schmuckstücke her. Ihren Göttern bauten sie bereits große Tempel. Viele Menschen konnten auch lesen und schreiben.

Im heutigen Europa lebten die Menschen noch in der Steinzeit. Sie kannten keine Metalle. Ihre Werkzeuge waren aus Stein. Sie lebten in einfachen Hütten aus Holz und Lehm oder in Höhlen.

Eines Tages verließ Abraham seine Heimat. Vermutlich aus religiösen Gründen : Abraham glaubte nur an einen einzigen Gott. In Abrahams Land aber verehrten die Menschen viele Götter: einen für die Jagd, einen für den Krieg, einen für die Sonne, einen für den Mond und viele andere.

Auch unsere Vorfahren hatten mehrere Götter. Daran erinnern noch die Namen von drei Wochentagen. Der „Dienstag“ geht zurück auf den germanischen Gott „Ziu“, der „Donnerstag“ auf den Gott „Donar“ und der „Freitag“ auf die Göttin „Freyja“.

Von besonderer Bedeutung war der Mondgott. Die Bewohner der Stadt Ur und des Landes Chaldäa beobachteten schon sehr genau den Umlauf des Mondes um die Erde. So genau, wie wir es heute nur mit Hilfe einer komplizierten Technik tun können. Dem Mondgott gaben sie den Namen Nannar“ oder Sin“.

Abraham behauptete : Es kann nur einen einzigen Gott geben. Dieser Gott ist unsichtbar und ohne Gestalt - also kann es auch kein Bild von ihm geben. Dieser Gott verlangt Gehorsam. An diesen Gott muß der Mensch glauben.

Wichtig waren vor allem die ersten beiden Punkte : Es kann nur einen einzigen und unsichtbaren Gott geben !

In diesem neuen Glaubensbekenntnis liegt wahrscheinlich der Grund für die Auswanderung Abrahams aus seiner Heimatstadt. Mit seiner Frau Sara und dem Sohn seines Bruders Lot zog er in ein fremdes Land. Dabei waren auch seine Knechte und Mägde und seine Viehherden : Schafe, Kamele und Esel.

Sie zogen an den Ufern des Euphrat entlang und gelangten in ein Land in der Nähe des Toten Meeres. Dieses Land, das damals noch sehr fruchtbar war, hieß Kanaan. Abrahams Sippe führte das Leben von Nomaden und zog von Weide zu Weide.

Die Bewohner des Landes Kanaan nannten die zugezogenen Hirten Hebräer“. Diese Hebräer hatten eine eigene Schrift und eine eigene Sprache.

Auch Abrahams Sohn Isaak lebte als Nomade und glaubte wie sein Vater an nur einen einzigen und unsichtbaren Gott.

Isaak hatte zwei Söhne : Esau und Jakob. Jakob glaubte wie sein Vater und Großvater nur an einen einzigen und unsichtbaren Gott. Wo immer er hinkam, redete er gegen die Vielgötterei und warb für den neuen Glauben. Und weil er dies mit großem Einsatz tat, nannte man ihn Gotteskämpfer“. Das Wort Gotteskämpfer“ hieß in der Sprache der Hebräer Israel“. Hier liegt die Wurzel des Namens Israel“. Die Nachkommen Jakobs hießen Israeliten“. Jakob hatte zwölf Söhne : Ruben - Simoneon - Levi - Juda - Issachar - Sebulon - Dan - Naphtali - Gad - Asser - Joseph - Benjamin.

Die zwölf Söhne Jakobs heirateten und gründeten Familien. Einer von ihnen, Joseph, gelangte nach Ägypten. Dort erreichte er eine einflußreiche Stellung. Der Pharao, der König der Ägypter, ernannte ihn zum Verwalter der Wirtschaft. Während der Amtszeit Josephs gab es eine große Dürre. Es kam zu einer Hungersnot. Aber Joseph hatte vorgesorgt und Vorräte anlegen lassen. Die Dürre bedrohte auch die Israeliten im Lande Kanaan. Joseph ließ seinen Vater, seine Brüder mit ihren Knechten und Mägden und mit all ihren Viehherden nach Ägypten kommen und wies ihnen fruchtbares Land an einem Mündungsarm des Nils an. So überstanden die Israeliten Dürre und Hungersnot.

Die zwölf Familien vergrößerten sich im Laufe vieler Jahre. Sie wurden zu zwölf Stämmen. Diese Stämme tragen die Namen, die Jakob einst seinen Söhnen gegeben hatte. Schließlich bildeten die zwölf Stämme ein Volk : das Volk der Israeliten. Sie unterschieden sich von den Ägyptern vor allem in drei Dingen : sie hatten eine eigene Sprache, sie hatten eine eigene Schrift und sie glaubten nur an einen einzigen und unsichtbaren Gott, den Gott Jahwe.

Zu jener Zeit mußten sich die Ägypter vieler Feinde erwehren. Die Nachbarstaaten hatten sich erhoben. Um einem Aufstand der Hebräer zuvorzukommen, besetzten die Ägypter deren Wohngebiete. Alle Einwohner machten sie zu Sklaven. Die Hebräer wurden zu schwerer Arbeit gezwungen. Sie mußten Ziegelsteine aus Ton brennen und Straßen und Paläste bauen.

Ab 1200 v.Chr.

Besonders hart unterdrückte der Pharao Ramses II. die Israeliten.

Die Israeliten wollten nun zurück in das Land, aus dem sie einst gekommen waren : sie wollten in ihre Heimat Kanaan.

Aber König Ramses II. lehnte die Auswanderung ab. 1224 v.Chr. starb Ramses II., und sein Sohn Merneptah kam an die Macht. Bei den Israeliten erwachte von neuem die Hoffnung auf die Rückkehr. Aus dem Stamme der Levi hatte sich zu dieser Zeit ein Mann als Sprecher und Führer aller zwölf Stämme hervorgetan. Sein Name war Moses.

Aber auch Pharao Merneptah lehnte die Rückkehr der Israeliten ab. Zu jener Zeit kam es zu Naturkatastrophen in Ägypten :

Eine Froschplage suchte das Land heim. Heuschreckenschwärme fielen vom Himmel. Wilde Tiere drangen in die Städte ein. Hagel zerschlug die Ernten. Ungeziefer verbreitete Krankheit und Tod.

Vielleicht erkannte der König in diesen Katastrophen eine Mahnung und Strafe der Götter. Jedenfalls ließ er die Israeliten frei. Unter der Führung Moses machten sich die hebräischen Stämme auf in das Land ihrer Väter.

Moses suchte jedoch nicht den kürzesten Weg nach Kanaan. Um Verfolgern und Feinden zu entgehen, zogen die Hebräer quer durch die Wüste. Das bedeutete Hunger, Durst und Gefahr. Oft mußten die Israeliten sich gegen feindliche Wüstenstämme zur Wehr setzen, und je länger dieser beschwerliche Zug dauerte, desto größer wurde die Unruhe unter den Israeliten. Unzufriedenheit machte sich breit.

In dieser schwierigen Lage trat ein Ereignis ein, das für die Israeliten von größter Wichtigkeit wurde :

Sie lagerten am Fuß des Berges Sinai. Er ist über 2.000 m hoch. Moses bestieg ihn. Bei seiner Rückkehr brachte er zwei steinerne Schrifttafeln mit. Moses sagte seinem Volk, daß Gott die Worte, die darauf standen, zu ihm gesprochen habe. Da es sich um zehn Sätze handelte, nennt man diese Sammlung heute noch das Zehnwort“.

Auf der einen Tafel stand geschrieben, wie sich die Menschen Gott gegenüber verhalten sollen : Gott soll für sie der Ewige sein. Sie sollen keine anderen Götter außer ihm haben. Sie sollen bei seinem Namen keinen falschen Eid leisten, und sie sollen den Sabbat heiligen.

Der Text der anderen Tafel betraf das Verhalten der Menschen untereinander : Er fordert den Respekt vor den Eltern und verbietet Mord, Ehebruch und Diebstahl. Er untersagt die Lüge über den Mitmenschen und verlangt die Achtung fremden Eigentums.

Dieses als göttliche Offenbarung anerkannte Zehnwort“ bildete die Grundlage für den späteren Staat der Israeliten. Es gilt zugleich als religiöse und gesellschaftliche Ordnung. Auch die Christen kennen das Zehnwort“. Sie sprechen von den Zehn Geboten“.

Das jüdische Zehnwort“ und die christlichen Zehn Gebote“ unterscheiden sich in drei Punkten :

Nach jüdischem Glauben ist Gott gestaltlos und unsichtbar. Es kann daher kein Bild von ihm geben.

Die Christen haben ihren Ruhetag am Sonntag, die Juden am Samstag, dem Sabbat.

Im ersten Zehnwort“ heißt es, daß Gott das jüdische Volk aus der Sklaverei geführt habe. Dieses Wort über die Geschichte Israels gilt bei den Christen nicht. Es ist kein Gebot. Da die Christen aber das zehnte Gebot der Juden in zwei Gebote aufgeteilt haben, kommen auch sie auf die Zahl Zehn.

Christen und Juden haben also das Hauptstück, den Kern ihres Glaubens, gemeinsam.

In einer Truhe aus Akazienholz, die ein Zeichen für den Bund mit Gott sein sollte, der sogenannten Bundeslade, die außen und innen mit Gold überzogen war und deren Deckplatte zwei Engel aus reinem Gold zierten, wurden die beiden Tafeln auf die Reise durch die Wüste mitgenommen. Sie hatten immer ein eigenes Zelt. Es war dies die Stiftshütte. Bei der Wanderung wurde die Bundeslade dem Zug vorangetragen.

Moses segnete die Männer, Frauen und Kinder der zwölf Stämme : Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Noch heute - nach über 3.000 Jahren - wird dieser Segen in allen christlichen Kirchen und jüdischen Synagogen gesprochen.

Moses setzte seinen Bruder Aaron zum Priester über das hohe Heiligtum ein. Aaron ist der Ahnherr des Priestertums. Er und sein Bruder Moses waren aus dem Stamm der Levi. Daher sollten auch in Zukunft nur Mitglieder dieses Stammes bei den Gottesdiensten helfen.

Moses hat die Israeliten geführt. Aber er war mehr als nur ihr Oberhaupt. Er war auch ihr Religionsstifter. Auf ihn gehen die fünf wichtigsten der heiligen Bücher zurück : die Bücher Mose, in denen nach rechtgläubiger Auffassung die Moses widerfahrende Offenbarung aufgezeichnet ist. Diese fünf Bücher der Bibel nennen die Juden Tora. Dem gläubigen Juden ist die Tora Gesetz und Weisung. Nach ihr richtet er sein Leben aus. So spricht man noch heute von der mosaischen Religion“. Damit ist die Religion der Juden gemeint. Diese neue Religion mit ihrem Glauben an nur einen einzigen Gott war ein bedeutender Einschnitt in die Geschichte der Religionen. Der Glaube an einen Gott - griechisch : Monotheismus - war zu dieser Zeit einzig im gesamten Mittelmeerraum.

Dieser Gott verkörperte weder den Lauf der Natur, noch zeigte er sich in ihren Elementen, wie etwa in bestimmten Tieren oder in außergewöhnlichen Naturereignissen. Dieser eine Gott war gestaltlos und unsichtbar. Deshalb gab es im Gegensatz zu anderen, mehrere Götter ehrenden Religionen - griechisch : Molytheismus -, keine bildlichen Darstellungen, denen die Gläubigen Ehre erweisen mußten.

Vierzig Jahre dauerte es, bis die Israeliten die Heimat ihrer Vorväter in Kanaan erreichten. Moses selbst aber erreichte das gelobte Land nicht mehr. Er starb unterwegs in hohem Alter.

Moses Nachfolger wurde Josua. Er besiegte die Kanaaniter, und die Israeliten besetzten deren Land. Das erworbene Land wurde unter den zwölf israelitischen Stämmen aufgeteilt. Nur der Stamm der Levi, dem im Gottesdienst eine besondere Rolle zustand, bekam kein Land. Joseph, der einst die Hebräer nach Ägypten geholt hatte, war dort gestorben. Das ihm zustehende Land wurde an seine beiden Söhne Manasse und Ephraim verteilt.

Die zwölf Stämme bildeten aber noch keinen Staat. Es gab noch keinen Staat Israel. Es gab nur erst ein israelisches Volk mit einer eigenen Sprache, einer eigenen Schrift und einer eigenen Religion. Das Zehnwort regelte das Leben dieses Volkes.

Nun, da die Israeliten seßhaft geworden waren, errichteten sie für ihre Bundeslade ein kostbares Zelt, die sogenannte Stiftshütte oder auch Bundeshütte.

Im Vorhof zwischen Eingang und Halle befanden sich die Brandopferstätten sowie ein Becken, das religiösen Waschungen diente. In der Halle stand die Bundeslade.

Auch nachdem sich die Israeliten im Land Kanaan niedergelassen hatten, mußten sie sich immer wieder im Kampf behaupten. Ein besonders harter Gegner waren die Philister. Sie waren Nachbarn und wohnten an der Küste. Die Griechen nannten dieses ganze Land später nach den Philistern Palästina“. Noch heute heißt es so.

Im Kampf gegen die Philister zeichneten sich einige der Israeliten besonders aus. Einer von ihnen hieß Simson.

Dieser Simson soll ungeheure Kräfte besessen haben. Seine Taten sind Sagen geworden. Einmal, so heißt es, packte Simson die fünf Tore der Stadt Gaza samt den Pfosten, legte sie auf seine Schultern und schleppte sie davon. Das Geheimnis seiner Stärke lag in seinen langen Haaren. Dies wußte seine geliebte, eine Philisterin. Heimlich schnitt sie ihm im Schlaf die Haare ab, und Simson verlor seine gewaltigen Kräfte. So konnte er von den Philistern überwältigt werden. Sie blendeten ihn und warfen ihn in den Kerker. Als sie aber einmal ein Fest feierten, erlangte der im Kerker sitzende Simson seine alten Kräfte wieder. Er brachte den Palast zum Einsturz und fand dabei selbst den Tod.

Wenn wir heute vom Kampf eines David“ gegen einen Goliath“ sprechen, meinen wir den Kampf eines Schwachen gegen einen Starken. Die Geschichte ist im Alten Testament überliefert. Der kleine Hirtenjunge David tötete den riesigen Goliath, was die anrückenden Philister so sehr erschreckte, daß sie die Flucht ergriffen.

Dieser Hirtenjunge wurde später der zweite König der Israeliten.

Zwischen den einzelnen zwölf Stämmen der Israeliten in Kanaan gab es noch immer Gebiete, in denen die einheimischen Kanaaniter wohnten.

Zwar waren die zwölf israelitischen Stämme auch ohne eine gemeinsame politische Ordnung eng verbunden : Sie sprachen alle die hebräische Sprache und teilten den Glauben an einen einzigen und unsichtbaren Gott.

Doch ohne ein festes Bündnis untereinander konnten die einzelnen Stämme der Israeliten leicht einem starken Gegner unterliegen. in ihrer Not erkannten die zwölf Stämme : Nur wenn wir einig sind, können wir uns wehren.

Eines Tages überschritten die Ammoniter den Jordan und bedrängten die Israeliten. Ein Bauernsohn aus dem Stamme Benjamin rief alle Soldaten der zwölf Stämme zusammen. Einigkeit machte die Israeliten jetzt stark. Sie schlugen die Feinde in die Flucht. Seit diesem Sieg gedenken die Israeliten des Bauernsohnes Saul als eines Vorbilds an Tapferkeit.

Ab 1020 v.Chr.

Die benachbarten Völker hatten Könige. Sollten da nicht auch die Israeliten einen König haben ? So wurde Saul zum ersten israelitischen König ausgerufen.

In Europa wurden später die Könige gekrönt. Als Zeichen ihrer Würde setzte man ihnen eine Krone auf. In der geschichtlichen Wert des Alten Testaments war das anders. Könige wurden gesalbt“ : eine aus Olivenöl und feinen Gewürzen hergestellte Salbe wurde ihnen auf die Stirn gestrichen. Auch Saul wurde gesalbt. Er regierte von etwa 1020 bis 1000 v.Chr..

Immer wieder kämpften die Stämme der Israeliten gegen die Philister. Auch König Saul konnte den Krieg nicht entscheiden. In einer Schlacht gegen die Philister, so wird überliefert, nahm er sich das Leben.

Ab 1000 v.Chr.

Neuer und somit zweiter König wurde sein Schwiegersohn David - der David aus der Geschichte von David und Goliath.

Erst unter Davids Regierung konnten die Philister endgültig geschlagen werden. David nutzte die Schwäche der Großmächte Ägypten und Assyrien und vergrößerte das Reich der Israeliten durch Eroberungen.

Niemals in der Geschichte hatten die Israeliten ein so großes Reich wie zur Zeit Davids. Aber David tat noch mehr. Andere Staaten hatten eine Hauptstadt. Die zwölf Stämme der Israeliten aber nicht. David hatte auch das Volk der Jebusiter besiegt. Deren Hauptstadt machte er nun zu der seinen. Die Jebusiter nannten ihre Hauptstadt Jebus“. Heute heißt diese Stadt Jerusalem.

Da die neue Hauptstadt auf ehemals fremdem Gebiet lag, sah sich von den zwölf Stämmen keiner bevorzugt und keiner benachteiligt.

Für die neue Hauptstadt sprach allein schon ihre geographische Lage. Einmal lag sie in der Mitte des Reiches. Dann liegt Jerusalem in einem Talkessel, aus dessen Mitte sich ein Berg erhebt. Er ist 800 m hoch und heißt Zion. David ließ die Bundeslade und alle Heiligtümer auf den Berg schaffen.

Um die Bundeslade und die Heiligtümer gegen das Wetter zu schützen, ließ David ein großes Zelt aufbauen.

König David regierte von etwa 1000 bis 960 v.Chr.. Unter seiner Herrschaft erreichten die Israeliten drei Ziele : ein großes Reich, eine gemeinsame Hauptstadt für alle zwölf Stämme und einen religiösen Mittelpunkt auf dem Berg Zion.

König David galt als gerecht, klug und tapfer. Seine Untertanen achteten und liebten ihn. In seiner guten Regierung erkannten sie zugleich ein Werk ihres Gottes. immer dann, wenn das jüdische Volk später große Not litt, wenn es untereinander zerstritten war oder von anderen Völkern bedrängt wurde, entstand die Hoffnung und der Wunsch nach einem Mann wie König David. Nur ein solcher Mann, so dachten viele Juden, könne ihnen helfen. Ein solcher Mann wäre der Erlöser. Das Wort Erlöser“ heißt in der hebräischen Sprache Messias“, in der griechischen Christus“.

Unter einem Salomonischen Urteil“ versteht man noch heute ein gerechtes, vor allem aber ein kluges und weises Urteil.

Der Begriff geht auf den Namen Salomo zurück. Salomo war der dritte König der Israeliten.

Zu dieser Zeit waren die Herrscher zugleich die höchsten Richter des Landes. Die nachstehende Geschichte erzählt, wie der Begriff Salomonisches Urteil“ entstanden ist :

Einst lebten in einem Hause zwei Frauen. Jede hatte ein kleines Kind, einen Säugling. Eines Nachts erstickte ein Kind. Seine Mutter tauschte das tote Kind heimlich gegen das lebende um. Als dessen Mutter am Morgen erwachte, stellte sie fest, daß das tote Kind nicht das ihre war.

Die beiden Frauen stritten, wem das lebende Kind gehöre. Kein Richter wußte Rat. Schließlich sollte der König entscheiden. König Salomo überlegte lange, denn es war eine sehr schwierige Frage. Schließlich sagte er : ‘Man gebe mir mein Schwert. Ich schneide das Kind in der Mitte durch. Dann bekommt jede Mutter die Hälfte. Dann habt ihr beide euer Recht.’

Da rief die eine Mutter : ‘Recht so, König Salomo ! Das ist ein gerechtes Urteil !’

Die andere indes rief : ‘Nein, König Salomo ! Töte nicht das Kind ! Gib es der anderen !’

Jetzt wußte der König, wem das Kind gehörte.“

Um 950 v.Chr.

Unter König Salomo blühte das Land auf. Gewerbe, Handel und Künste nahmen einen großen Aufschwung. Ein großes Heer sollte das Riesenreich nach außen schützen. König Salomo befestigte die Städte mit großen Mauern. Er ließ einen großen Hafen bauen, und auf dem Berg Zion errichtete er einen Palast. Dort, wo bisher die Bundeslade unter einem Zelt gestanden hatte, baute er einen Tempel. Es war der erste Tempel der Israeliten. 350 Jahre sollte er stehen, bis ihn Feinde zerstörten.

Das Holz zu dem Tempel, von dem es kein Bild gibt, wurde aus dem knapp 300 km entfernten Gebirge Libanon herangeholt. Zeitweise waren 30.000 Menschen an dem Bau beschäftigt. Der Tempel grenzte an den Palast des Königs. Umgeben war er von einer Umfassungsmauer, an deren Innenseite sich Hallen befanden. Um den eigentlichen Tempel in der Mitte soll sich ein etwas niedrigerer Anbau befunden haben. Er soll mehrere Kammern, darunter auch die Schatzkammer, enthalten haben.

Der Tempel selbst bestand aus drei Räumen : zunächst aus einer Vorhalle, dann dem Heiligen“ und ganz hinten dem Allerheiligsten“. Dieser letzte Raum war vollkommen dunkel. In ihm stand die Lade mit den Gesetzestafeln.

Der Tempel, der Palast, die Bauten, das Heer - das alles kostete viel Geld. Die unterworfenen Völker mußten an die Israeliten hohe Abgaben entrichten. Aber auch diese Tribute reichten nicht aus. So mußte auch das eigene Volk hohe Steuern bezahlen.

Das führte zu Unzufriedenheit im Volk. Verstärkt wurde die Unruhe dadurch, daß einige Völker des Reichs sich selbständig gemacht hatten.

Um 920 v.Chr.

Als Salomo gestorben war, wurde Rehabeam zum König gesalbt. Von ihm erhoffte man sich Erleichterung. Aber auch der neue König hielt an den hohen Steuern fest. Ein hoher Staatsbeamter namens Jerobeam nutze dies zu einem Umsturz. Es bildeten sich zwei Parteien : Ein Teil des Staates Israel blieb Rehabeam treu, der andere folgte Jerobeam.

So wurde der Staat Israel in zwei Teile gespalten : in ein Nordreich“ und in ein Südreich“.

Das Nordreich behielt den Namen Israel“. Hauptstadt wurde Samaria. Das Südreich behielt Jerusalem als Hauptstadt. Es gab sich den Namen Juda“ oder Judäa“ nach einem der zwölf Stämme.

Wenn in der Folgezeit von Juden“ gesprochen wird, dann stammt dieser Name von dem Stamme und dem Südreich Judäa“ ab.

Ein geteiltes und zerstrittenes Reich aber ist schwach. Andere Mächte konnten diese Schwäche jederzeit nutzen und Teile des Reiches erobern. Streit unter den Israeliten mußte das Reich gefährden, lag es doch in einem Teil Palästinas, der ständig zwischen den ägyptischen und mesopotamischen Großreichen umkämpft war. Die Geschichte des israelitischen Reiches ist so auch eine Geschichte der Kriege mit großen und mächtigeren Gegnern - wie Babylon, Syrien, Assyrien, Ägypten, Persien und Mazedonien.

Aber die Israeliten bekämpften sich auch gegenseitig. Es kam zu mehreren Kriegen zwischen dem Nord- und dem Südreich. Das Nordreich war schwächer als der Süden, seine politische Ordnung war wenig stabil :

Mehrere Könige wurden ermordet. So auch König Nadab, der nach nur zwei Regierungsjahren ermordet wurde. Nachfolger wurde sein Mörder Baesa. Nur zwei Jahre regierte auch König Ela. Er wurde von einem Mann namens Simri ermordet, und Simri wurde König. Aber schon nach sieben Tagen beging er Selbstmord. König Sacharja wurde nach einer Regierungszeit von nur sechs Monaten ermordet. Der Mörder war Sallum. Sallum wurde neuer König; aber auch er regierte nicht lange. Nach nur einem Monat wurde er das Opfer eines Anschlags.

Zu jener Zeit traten Propheten auf. Ihre Klagen und Mahnungen sprachen für viele :

So weit ist es mit den Hebräern gekommen ! Mörder werden Könige ! Die einen leben in Armut, die anderen im Reichtum ! Die Menschen glauben nicht mehr an den einzigen und unsichtbaren Gott ! Viele folgen dem falschen Gott Baal ! Eines Tages werden wir von Feinden besiegt werden!

So kam es auch. Das Nordreich wurde erobert, die Nachfahren Abrahams vertrieben.

Das Südreich der Juden war stärker als das Nordreich. Es hatte auch länger Bestand als das Nordreich. Die Juden im Süden waren gegenüber dem Nordreich im Vorteil : Jerusalem lag auf ihrem Gebiet, ebenso wie der Berg Zion mit dem Tempel und der Bundeslade. Vielleicht war dies der Grund für den stärkeren Zusammenhalt des Südreichs.

Aber auch das Südreich wurde in viele Kriege verwickelt.

Im Krieg mit der Großmacht Assyrien mußte es unterliegen. Die Assyrer erstürmten Jerusalem, raubten das Gold und das Silber aus den Schatzkammern des Tempels und zerstörten den Palast des Königs. Sie besetzten das ganze Land. Der Prophet Jesaja beschrieb die Not in den folgenden Versen :

Euer Land eine Wüste, eure Städte verbrannt, euer Acker vor euch von Fremden verzehrt. Übrig nur Zion wie eine Hütte im Weinberg.“

587/586 v.Chr.

Aber die Judäer fanden sich zum Widerstand zusammen. Die Assyrer mußten das eroberte Land wieder verlassen.

Doch es gab keinen dauernden Frieden. Es kamen die Ägypter ins Land, schließlich die Babylonier. Ihr Heerführer hieß Nebukadnezar. Es gelang ihm nicht, Jerusalem im Sturm zu erobern. So belagerte er die Stadt eineinhalb Jahre und hungerte sie aus. Dann drangen die Babylonier in Jerusalem ein. Sie steckten den Palast und Tempel in Brand und zerstörten die Bundeslade. Der König der Juden hieß zu jener Zeit Zedekia. Die Babylonier fingen ihn auf der Flucht. Vor seinen Augen wurden fünf seiner Söhne hingerichtet. Er selbst wurde geblendet. Der blinde König mußte in die Gefangenschaft nach Babylon. Dort starb er im Kerker.

Ab 520 v.Chr.

Die babylonischen Soldaten trieben alle Bewohner des Staates Judäa zusammen : Männer, Frauen und Kinder, etwa 45.000 Personen. Sie mußten ihre Heimat verlassen und kamen nach Babylonien in Gefangenschaft. - Erst vierzig Jahre später durften sie wieder in ihre Heimat zurück. Und sofort begannen sie mit dem Wiederaufbau des Tempels.

Der Zug nach Babylon und das Leben in der Fremde brachten wichtige und bis heute das Bild jüdischen Lebens bestimmende Veränderungen. In Babylon konnten die Juden an ihren religiösen Lehren und Bräuchen festhalten und sie weiterentwickeln. Zum erstenmal bewies die israelitische Tradition, der Glaube an einen einzigen Gott und eine auf diesen Glauben ausgerichtete Lebensführung, daß sie auch außerhalb Palästinas überleben konnte. Eine der Bedingungen für dieses Überleben lag in der Arbeit eines neuen Standes : der Schriftgelehrten. Ihre Arbeit, die Auslegung und Erklärung der heiligen Bücher, ersetzte den als Minderheit unter Andersgläubigen lebenden Juden den Tempel und den Tempeldienst als den verlorengegangenen Mittelpunkt des religiösen Lebens.

Die alte Form der religiösen Feier, der Tempeldienst mit dem Opfer auf dem Altar, wurde ersetzt durch die Versammlung in einem eigenen Haus - der Synagoge - und einer durch den Schriftgelehrten - den Rabbiner - angeleiteten Lesung der heiligen Bücher, der Tora.

Eines der mächtigsten Reiche des Altertums war das Römische Reich. Es umfaßte alle Länder rings um das Mittelmeer. Niemals zuvor hatte es in der Geschichte ein solch großes Reich gegeben. Die Römer besetzten auch den Süden Deutschlands. Die Städte Augsburg, Worms, Mainz, Köln und Trier sind römische Gründungen.

Die Römer dehnten ihr Weltreich nach allen Seiten hin aus. Ihre Macht reichte auch in das heutige Palästina, das Land, in dem damals der Staat Judäa lag.

Der Feldherr Pompejus befehligte die römischen Truppen. Er belagerte die befestigte Stadt Jerusalem. Unter den Bürgern brach ein Streit aus, ob die Verteidigung Sinn hätte oder nicht.

63 v.Chr.

Ein Prinz mit dem Namen Hyrkan II. übergab die Stadt kampflos den Römern. Die Römer richteten unter den Einwohnern, die gegen Hyrkan gewesen waren, ein Blutbad an. Die Stadt selbst wurde nicht zerstört. Pompejus besichtigte den Tempel, ließ ihn aber nicht zerstören. Die Römer machten sich Judäa tributpflichtig. Sie bestimmten auch, wer Herrscher in Judäa sein sollte. Einer dieser von Rom abhängigen Herrscher war König Herodes.

Ab 37 v.Chr.

Die Römer hielten das Land Judäa besetzt. Sie setzten einen Mann als König ein, der ihnen treu ergeben war. Er hieß Herodes. Herodes mußte tun, was die Römer verlangten. Das machte ihn bei den Juden unbeliebt. Auch war Herodes kein Jude. Er glaubte an keinen einzigen und unsichtbaren Gott“ und ließ Bilder anderer Götter aufstellen. Unzufrieden waren die jüdischen Untertanen auch mit den hohen Steuern und Abgaben, die sie zu entrichten hatten.

Aber : das Land hatte während seiner Herrschaft fast dreißig Jahre lang Frieden.

37-4 v.Chr.

Unter Herodes setzte eine rege Bautätigkeit ein. Er ließ einen Hafen bauen und Städte durch Mauern und Türme befestigen. Schließlich erweiterte er den inzwischen zweiten Tempel der Juden auf dem Berg Zion um einen gewaltigen Prachtbau. Aber auch das brachte Herodes nicht die erhoffte Zuneigung seiner jüdischen Untertanen.

Herodes ging der Ruf voraus, grausam zu sein. Wer gegen ihn war, den ließ er verfolgen. Er schonte nicht einmal das Leben seiner Frau und das von dreien seiner Söhne. Vier Jahre vor der Geburt des Jesus von Nazareth starb Herodes.

Das Reich der Israeliten war nun schon tausend Jahre alt. Das ist eine lange Zeit. In tausend Jahren sind viele Reiche gegründet und wieder zerstört worden.

Fremde Völker hatten das Land der Hebräer besetzt und Bilder ihrer Götter aufgestellt.

Jüdische Könige hatten Töchter fremder Herrscher geheiratet. Die neuen Königinnen blieben ihrem alten Glauben treu. Sie ließen in ihrer neuen Heimat, dem Land der Israeliten, der Hebräer oder Judäer, Bilder und Statuen ihrer Götter aufstellen. Die Gefahr der Vermischung mit fremden Religionen und Bräuchen wurde immer größer.

Um jene Zeit machte ein Mann mit Namen Johannes von sich reden. Er war der Sohn des Priesters Zacharias. Er predigte :

Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen !“

Da glaubten viele Menschen, nun käme bald der Messias, auf griechisch Christus, und würde sie erlösen.

Johannes hatte viele Anhänger. Sie mußten in das Wasser des Flusses Jordan steigen. Das nannte man Taufe. Die Taufe, so sagte man, könne von allen Sünden reinigen. Darum hieß Johannes auch Johannes der Täufer“.

Eines Tages stieß ein Mann zu Johannes dem Täufer. Er war etwa dreißig Jahre alt und hieß Jesus. Er war in Bethlehem geboren. Seine Eltern stammten aus Nazareth.

Der Name Jesus“ bedeutet Jahwe hilft“. Jesus ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Jesus war, wie Johannes, Jude. Auch er forderte zur Buße auf und sprach : Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen.“

Die Menschen nannten Jesus einen Rabbi“. Die jüdischen Rabbiner aber predigten nur in der Synagoge. Jesus predigte auch und viel öfter außerhalb der Synagoge. Er sprach, wo immer sich eine Möglichkeit bot : auf einem Berg, an einem See, ja sogar in einem Kahn. Das war neu.

Jesus fand viele Zuhörer. Die Zahl seiner Anhänger, auch außerhalb des jüdischen Volkes, war groß.

Aber nicht nur die Orte seiner Predigten waren neu. Neu war auch, daß er selbst am Sabbat heilte, daß seine Jünger am Sabbat ernteten und sich ihre Hände vor dem Essen nicht wuschen. Damit verstießen er und seine Jünger gegen uralte jüdische Gebote.

Neu waren auch manche Inhalte seiner Predigten : Zwar gab es die Nächstenliebe und die Feindesliebe schon im Alten Testament. Jesus aber gab der Nächstenliebe, ebenso wie der Feindesliebe, einen ungleich höheren Stellenwert. Für ihn war kein anderes Gebot größer, wie es im Neuen Testament heißt, als die Liebe zu Gott und zu dem Nächsten.

Von Jesus wurde berichtet, er habe Lahme wieder gehen lassen, er habe Blinde wieder sehen lassen, er habe Stumme wieder sprechen lassen und er habe Tote wieder zum Leben erweckt.

Nach Jesus’ Tod bildete sich in Jerusalem eine kleine Gemeinde seiner Anhänger. Heute bezeichnet man sie als Urgemeinde“ und ihre Mitglieder als Judenchristen“. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte wuchs diese Gemeinde und bereitete sich über die Völker an den Küsten des östlichen Mittelmeeres aus. Je mehr Nichtjuden sich dieser Gemeinde anschlossen, desto mehr verlor das Alte Testament der Juden an Bedeutung. Schließlich engte sich der Glaube immer mehr ein : auf Jesus, den Christus.

In der Folge gab es Änderungen im religiösen Alltag. So war nicht mehr der Samstag, der jüdische Sabbat, der wöchentliche Ruhetag, sondern der Sonntag. Und schließlich feierte man Jesu Geburtstag, also Weihnachten, als höchstes Fest des Jahres, obwohl bis heute weder das genaue Geburtsjahr noch der genaue Geburtstag feststehen.

Eine neue Religion war entstanden : das Christentum. Für die Christen wurde 300 Jahre nach dem Tode Jesus in der griechischen Stadt Nicäa von Vertretern der gesamten christlichen Kirche folgendes Glaubensbekenntnis festgelegt : Jesus ist der wahre und ewige Gott. Jesus ist zugleich Mensch gewesen.

Das Volk der Juden hielt aber an seinem Glauben an einen einzigen und unsichtbaren Gott fest.

Jahrhunderte später, zur Zeit des Mittelalters, verfolgten Christen Anhänger des jüdischen Glaubens. Sie rechtfertigten diese Verfolgung durch die immer wieder vorgebrachte Behauptung, die Juden“ hätten Jesus Christus - doch selbst ein Jude ! - verraten und gekreuzigt. Diese Schuldzuweisung mußte immer wieder herhalten, um die Verfolgung der Juden zu begründen. Dabei spielten die tatsächlichen Begebenheiten beim Tod Jesu eigentlich keine Rolle, denn wirklich wissen konnte man darüber nicht viel. So läßt sich zum Beispiel nicht zuverlässig sagen, ob Juden am Prozeß gegen Jesus überhaupt beteiligt waren (wohl aber, daß er nach römischem Recht verurteilt wurde).

Heute wissen wir, daß die frage nach der Schuld des jüdischen Volkes an der Leidensgeschichte Jesu selbst sehr fragwürdig ist. Denn wie immer bei genauer Kenntnis der historischen Begebenheiten die Antwort auf die Frage ausfallen würde : Sie könnte niemals die Verfolgung der jüdischen Glaubensgemeinschaft durch Christen rechtfertigen.

Der jüdische Gelehrte Schalom Ben-Chorin sagt heute über das Verhältnis zwischen christlicher und jüdischer Religion : Der Glaube Jesu einigt uns - der Glaube an Jesus trennt uns.“

Das Land Judäa litt unter der römischen Besatzung. Die Römer ließen den Staat der Juden von nichtjüdischen Herrschern regieren. Das Land verarmte. Räuberbanden machten es unsicher. Die hohen Steuern der Römer drückten die Bevölkerung. Das Volk der Judäer war unzufrieden.

Eines Tages ließ der römische Statthalter etwa 20 Pfund Silber aus dem Tempelschatz rauben. Die Judäer erhoben Einspruch. Sie sandten einen Fürsprecher zum Statthalter. Der aber ließ den Abgesandten samt seinen Begleitern einfach einsperren.

Danach gab der römische Befehlshaber die Stadt Jerusalem seinen Soldaten zur Plünderung frei.

66-70

Die Judäer wehrten sich und versuchten einen Aufstand gegen die Römer. Der Aufstand war zunächst erfolgreich. Die römische Herrschaft schien in Gefahr. Erst Titus, Sohn des Kaisers Vespasian, konnte endgültig die römische Herrschaft sichern. Titus stellte ein starkes Aufgebot an Truppen zusammen, zog nach Jerusalem und begann die Belagerung. Die Verteidiger lehnten die Übergabe ab. Erst im Juli des Jahres 70 unserer Zeitrechnung gelang es Titus, in die Stadt einzudringen. Die Judäer leisteten heftigen Widerstand. Sie verschanzten sich auf dem Berg Zion. Titus verlangte die kampflose Übergabe. Wieder lehnten die Verteidiger ab.

70

Die Römer griffen an und besiegten die zahlenmäßig weit unterlegenen Verteidiger. Der Tempel wurde dem Erdboden gleichgemacht - bis auf  wenige Mauerreste der Umfassungsmauer. Diese Mauerreste stehen heute noch : Es ist die Klagemauer“ in Jerusalem, der heilige Betplatz für Juden aus aller Welt. An die Zerstörung erinnert noch heute der Titusbogen in Rom.

Feldherr Titus ließ Jerusalem zerstören. Drei Jahre später besetzte er auch die letzte noch belagerte Stadt : Massada.

Fast tausend jüdische Männer, Frauen und Kinder hatten sich auf der Felsenfestung Massada am Westufer des Toten Meeres verschanzt. Drei Jahre lang hielt sie der römischen Belagerung stand. Als die Römer schließlich die Festung stürmten, fanden sie nur Tote. Die Verteidiger hatten sich selbst getötet, um der Gefangenschaft zu entgehen.

Das war der Anfang vom Ende des Staates Judäa. Das Land wurde an die römischen Soldaten verteilt. Alle Juden mußten ihre Heimat verlassen. Als Flüchtlinge kamen sie in andere Länder. Auch in das Gebiet, wo heute Deutschland liegt.

Noch gab es aber Judäer in Palästina. Einige siedelten bei den Nachbarvölkern, wo bereits andere Hebräer wohnten. Andere suchten Schutz in unzugänglichen Gebieten. Wieder andere kehrten nach Jahren in ihre alte Heimat zurück. Allmählich bildete sich wieder eine jüdische Gemeinde.

132-135

Genau 52 Jahre nach der Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem tauchte ein Mann namens Simon bar Kochba auf, der in der jüdischen Geschichte ein Vorbild an Tapferkeit werden sollte, der sogenannte Held von Bethar.

Simon bar Kochba rief zum Kampf gegen die Römer auf. Tausende von bewaffneten Judäern folgten seinem Aufruf. Aber auch viele Nicht-Judäer waren darunter.

Bar Kochba eroberte eine römische Festung nach der anderen. Von Sieg zu Sieg wuchs die Schar seiner Anhänger und Mitstreiter. Die römischen Soldaten schienen geschlagen. Schon ging das Gerücht um, Feldherr Simon bar Kochba sei der langersehnte Gesalbte“, der Nachfolger des gewaltigen Königs David und der Messias des jüdischen Volkes.

135

Die Römer zogen sich zurück. Kaiser Hadrian beorderte neue Truppen und einen neuen Feldherrn nach Palästina. Die Römer mieden die offene Feldschlacht.

Es gelang ihnen jedoch, Festung um Festung zurückzuerobern. Simon bar Kochba zog sich mit seinen letzten Getreuen in den auf einer Bergkuppe gelegenen Ort Bethar zurück.

Die Römer konnten die Stadt nicht im Sturm nehmen. So blieb nur die Belagerung. Als kein Brot und kein Wasser mehr vorhanden war, entschlossen sich die Verteidiger zum Ausbruch. Doch die Übermacht war zu groß. Niemand überlebte. Es heißt, es seien 80.000 Judäer umgekommen.

Die Sieger waren grausam. Nicht einmal die Kinder wurden geschont. Es heißt, sie hätten Kinder in die heiligen Schriftrollen der Judäer gewickelt und verbrannt.

Mit dem Tod des Simon bar Kochba war der Staat Judäa endgültig zerschlagen.

Nach der Zerstörung des Tempels, nach der Zerstörung Jerusalems und nach dem Tod des Simon bar Kochba wurden die Judäer, die Juden, in alle Welt zerstreut.

Erst 1878 Jahre nach der Zerstörung des Tempels, im Jahre 1948, konnten die Juden wieder einen eigenen Staat gründen, den heutigen Staat Israel. Daß dies nach so langer Zeit gelingen konnte, hat mehrere Gründe :

1. die gemeinsame Sprache, das Hebräische

2. der verbindende Glaube an den einzigen und unsichtbaren Gott

3. die Sehnsucht aller gläubigen Juden nach dem heiligen Berg Zion, auf dem der Tempel stand

4. die feste Hoffnung, daß dereinst ein neuer Staat der Juden entstehen würde und

5. die Heiligen Schriften, die Feste und religiösen Bräuche.

Die 1878 Jahre lebten die Juden ohne eigenen Staat, weltweit zerstreut und überall in der Minderheit.

 

Juden in Deutschland

Dort, wo die ältesten römischen Siedlungen waren, siedelten sich auch zuerst Juden an : in Köln, Worms, Trier, Augsburg, Mainz und Speyer.

Diese Städte hatten damals eine große Bedeutung. In ihnen residierten die römischen Statthalter. Nicht selten waren dort auch römische Kaiser zu Gast.

Die erste schriftliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde stammt aus Köln. Dort gab es schon im Jahr 321 Juden. Aber vermutlich wohnten sie dort, wie in vielen anderen Städten auch, schon wesentlich früher. Es ist sogar wahrscheinlich, daß es jüdische Gemeinden noch vor den ersten Christengemeinden gab, denn die Christen kamen erst mit den Römern.

Deutschland“ gab es damals noch nicht. Deutschland“ waren die Stämme der Franken, der Sachsen, der Bayern, der Alemannen und der Friesen. Diese Stämme sprachen verschiedene Mundarten. Es gab noch kein Gefühl einer größeren Zusammengehörigkeit.

Jeder Stamm betrachtete den anderen als Ausländer. Deswegen fiel die Fremdheit der Juden gar nicht auf. Die Juden lebten mehrere Jahrhunderte hindurch im Gebiet der deutschen Stämme und blieben - geschützt durch besondere Rechte, die Judenprivilegien - unbehelligt von der Mehrheit einer christlichen und deutschsprechenden Bevölkerung. Juden und Deutsche pflegten ihre je eigenen Traditionen und Sitten. Jede Gruppe führte ihr eigenes Leben. Doch diese Abgrenzung war kein Problem. Man lebte friedlich nebeneinander.

Alle Juden, egal wo sie lebten, sprachen neben der jeweiligen Bevölkerungssprache auch Hebräisch. So konnten sich Juden, die sich irgendwo trafen immer untereinander verständigen.

Isaak war der erste namentlich bekannte Jude. Im Jahre 802 kehrte Isaak aus Bagdad zurück nach Deutschland. Er brachte Botschaften des Kalifen sowie reiche Geschenke, darunter einen weißen Elefanten, der damals großes Aufsehen erregte.

Es gibt eine Geschichte, die besagt, daß der Jude Kalonymos dem deutschen Kaiser Otto II. das Leben gerettet haben soll. Der Jude ließ sich vom Pferd fallen, als er mit dem Kaiser auf der Flucht war. Dadurch konnte Otto fliehen. Kalonymos schlug sich durch und kehrte nach Deutschland zurück. Der Kaiser belohnte ihn mit einem Haus in Mainz und verlieh ihm die Bürgerrechte.

Ab 1071 n.Chr.

Jesus Christus ist in Jerusalem begraben. im Jahre 1071 fielen türkische Seldschuken in Jerusalem ein. Es gelang ihnen, Jerusalem zu besetzen und das Heilige Grab in ihren Besitz zu bringen. Türken sind Mohammedaner, nicht Christen.

Der heiligste Ort der Christen war in der Hand von Andersgläubigen.

Zu der Zeit fand in der französischen Stadt Clermont eine große Kirchenversammlung, ein Konzil, statt. Papst Urban II. rief zum Kampf gegen die Heiden auf. Die abendländische Christenheit sollte den von den Türken bedrängten Christen beistehen : das Grab Christi sollte nicht Andersgläubigen gehören.

Prediger brachten den ersten Aufruf des Papstes in eine äußerst wirksame Parole : Wer an dem Zug gegen die heidnischen Türken teilnehme, der sei aller Sünden ledig.

Der Erfolg war enorm. Überall taten sich Freiwillige zusammen, um nach Jerusalem zu ziehen. Als ein Zeichen für ihr Unternehmen gebot ihnen der Papst, ein Kreuz aus Stoff auf ihre Kleider oder ihre Rüstung zu heften. Deshalb nannte man diese Züge nach dem Morgenland auch Kreuzzüge. Der erste Kreuzzug dauerte von 1096 bis 1099. Es folgten noch sechs weitere. Der letzte fand im Jahr 1270 statt, 170 Jahre nach dem ersten.

Selbst Kaiser und Könige nahmen an diesen Kreuzzügen teil.

Die ersten Opfer der Kreuzzugsheere waren die Juden, die ja auch Andersdenkende und somit Feinde der Christen waren.

Papst Innocenz, der zunächst die angestammten Rechte der jüdischen Gemeinden verteidigt hatte, schrieb 1208 in einem überall verbreiteten Papstbrief : Die Juden sind gleich dem Brudermörder Kain dazu verdammt, als Flüchtlinge und Landstreicher auf der Erde umherzuirren und voll Scham ihr Antlitz zu verbergen.“

Tausende von Juden wurden ermordet. In Worms wurde die jüdische Bevölkerung ausgemerzt. Ebenso in Speyer.

1099

Im Jahre 1099 eroberten die Ritter des ersten Kreuzzuges die heilige Stadt Jerusalem. Die Mauern der Stadt hatten Mohammedaner und Juden gemeinsam verteidigt. Das Strafgericht der christlichen Eroberer war von ungeheurer Härte. Sie trieben alle Juden in der großen Synagoge zusammen und zündeten sie an. Bei lebendigem Leibe verbrannten Frauen, Kinder und Männer.

Ab 1200 n.Chr.

Eine Kirchenversammlung in Rom im Jahre 1215 bestimmte :

1. Alle Juden müssen sich in ihrer Kleidung von Christen unterscheiden.

2. Christen dürfen keine Juden heiraten.

Ein Konzil in Mainz forderte im Jahr 1229 :

Juden müssen einen spitzen Hut tragen, damit man sie erkennt.

Eine Kirchenversammlung in Köln bestimmte im Jahr 1404 :

1. Juden müssen auf ihrem Obergewand ein Zeichen tragen, damit man sie erkennt : einen Ring aus gelbem Stoff.

2. Juden dürfen sich ihren Bart nicht stutzen, damit man sie an dem langen Bart erkennt.

Papst Benedikt XIII. ordnete im Jahr 1415 an :

Juden müssen öffentliche Kirchenpredigten besuchen, sonst werden sie getötet.

Papst Benedikt XIV. schrieb im Jahr 1747 :

Jüdische Kinder im Alter von sieben Jahren können getauft werden gegen den Willen ihrer Eltern.

Auch für die Pest wurden die Juden zur Verantwortung gezogen, so z.B. am 09.01.1349 in Basel, wo alle Juden in ein Haus gepfercht wurden und bei lebendigem Leib verbrannt wurden.

In Deggendorf an der Donau wurden im Spätsommer 1337 die gesamte jüdische Gemeinde getötet.

Die Lebensbedingungen der jüdischen Bevölkerung verschlechterten sich zwischen den Jahren 1200 bis 1400 immer mehr. Jüdische Handwerker durften den sich bildenden Zünften nicht beitreten. Sie durften auch keinen Grundbesitz erwerben; konnten weder Bauer noch Winzer werden. Erlaubt waren für sie nur noch Tätigkeiten, die bei Christen unbeliebt waren oder die die Kirche den Christen untersagte, so z.B. das gewerbsmäßige Verleihen von Geld. Auch der Beruf des Kesselflickers war selten, so daß keine Zünfte gebildet wurden, so daß Juden diesen Beruf ergreifen konnten.

Juden mußten höhere Steuern zahlen als Christen. Sie mußten eine Judensteuer“ entrichten. Kaiser Rudolf machte sie zu sogenannten Kammerknechten“ (Kammer = heutiges Finanzamt). Und weil die Juden Knechte waren, durften sie ihren Wohnsitz nicht frei wählen, da sie unmittelbar dem Kaiser untergeben waren. Der König des Reiches, zur damaligen zeit der Erzbischof von Mainz, verlangte einen sogenannten Judenzehnten“, das war der zehnte Teil dessen, was der Kaiser bekam.

Kaiser Ludwig erfand den Güldenen (goldenen) Opferpfennig“, den jeder erwachsene Jude zahlen mußte, der mehr als 20 Gulden besaß.

Kaiser Albrecht verordnete der jüdischen Gemeinde die Kronsteuer“.

Kaiser Friedrich III. forderte im Jahr 1451 den 3. Pfennig“ von der Habe der Juden. Als der selbe Kaiser zum Kampf gegen die Ungarn aufrief, verlangte er von den Juden eine Beisteuer“ von 400 Zentnern Pulver.

Kaiser Maximilian, der sich ebenfalls gegen Ungarn rüstete, zog von seinen Juden eine Beisteuer“ von 2800 Gulden ein.

1460 ordnete der Rat der Stadt Frankfurt am Main an, daß alle jüdischen Menschen geschlossen in einer besonderen Gasse wohnen müsse, in der sogenannten Judengasse. Sie bestand aus elf Fachwerkhäusern, die ihre Front nach der Straße hatten. In den Kellern gab es große Gewölbe, die als Lagerraum dienten. Rund um die Gasse und um die Häuser zog man eine hohe Mauer. Es gab nur drei Tore, bewacht von städtischen Wächtern. Bezahlen mußte diese Wächter die jüdische Gemeinde. Nachts waren die Tore verschlossen. Niemand konnte hinein, niemand heraus. Ein vertrauenswürdiger Bewohner hatte einen Schlüssel, damit man in dringenden Fällen Hilfe holen konnte, sei es die Feuerwehr, einen Arzt oder die Hebamme.

Solche Judengassen gab es auch in anderen deutschen Städten, z.B. in Köln, Worms, Regensburg und Prag (damals war Prag noch deutsch). Eine solche Judengasse nannte man Getto. Ein Getto gab es als erstes im Jahre 1516 in Venedig.

Die Frankfurter Bürger nannten das Getto ihrer Stadt Neu-Ägypten“, später Neu-Jerusalem“.

Das Getto hatte eine Synagoge und ein Gemeindehaus, in dem die Gemeindebeamten wohnten. Dies waren der Rabbiner, der Vorsänger in der Synagoge und der Schächter. Außerdem gab es eine Metzgerei, ein Tanzhaus für Geselligkeiten und Hochzeiten, zwei Wirtshäuser und eine Herberge, damit Juden, die als Händler in die Stadt kamen, übernachten konnten.

Es gab auch ein Spital, ein Krankenhaus. Es war sehr einfach eingerichtet. Außerdem mußte es noch als Fremdenherberge, Armenhaus und zeitweise sogar als Gefängnis dienen.

Das Gemeindeleben innerhalb des Gettos war der jüdischen Selbstverwaltung überlassen. Es gab eine eigene Gerichtsbarkeit und eine Art Kulturhoheit“ : das Schulwesen lag ebenso wie das religiöse Leben allein in den Händen der jüdischen Gemeinde.

Von 1460 bis 1560 wuchs die Zahl der Häuser im Getto von elf auf einhundertfünfundneunzig an; aus 100 Personen wurden 3.000. Das alles, obwohl die Mauern unverändert blieben. Zu den ersten drei Brunnen war kein einziger hinzugekommen.

Am 22.08.1614 drangen einige Frankfurter, die bei Juden zum Teil hoch verschuldet waren, in die Judengasse ein. die meisten Bewohner befanden sich an jenem Nachmittag in der Synagoge. Die Juden wurden überlistet, weil Fettmilch, ein Lebkuchenbäcker, ihnen sagte, man sei zum Schutz der Juden gekommen. Die Häuser wurden daraufhin geplündert. Die Plünderung soll 13 Stunden gedauert haben.

Schließlich wurden alle Juden aus Frankfurt vertrieben.

Fettmilch wurde auf Befehl von Kaiser Matthias verhaftet und hingerichtet. Sein Haus wurde dem Erdboden gleichgemacht; seine Familie mußte das Land verlassen.

Am gleichen Tag, am 28.02.1616, hielt die jüdische Gemeinde mit Trommeln und Pfeifen feierlich Einzug in Frankfurt am Main. Die Stadt mußte ihnen den angerichteten Schaden ersetzen, der Kaiser gab ihnen Wohnrecht auf ewige Zeiten. Aber diese ewigen Zeiten“ währten nur 300 Jahre, bis zum Jahr 1933.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749 in Frankfurt/Main geboren, hat die Judengasse in seiner Kinderzeit noch besucht.

Ab 1500 n.Chr.

Martin Luther, zunächst wortgewaltig für die Juden eingetreten, sah seine Reform gefährdet und änderte seine Meinung gegenüber der jüdischen Religion. Er sah in ihr mehr und mehr einen dem Christentum gefährlichen Gegner. Im Jahr 1543 erschien seine Schrift Von den Juden und ihren Lügen“. In dieser Feindschaft zum Judentum folgten Luther die meisten deutschen und schweizerischen Reformatoren.

Nicht nur in Deutschland wurden die Juden verfolgt. Aus dem katholischen Spanien wurden sie 1492 ausgewiesen. Die spanischen Juden waren die älteste und größte jüdische Minderheit im mittelalterlichen Europa gewesen. Hier lag zeitweise das religiöse und kulturelle Zentrum des Judentums.

Viele Juden suchten eine neue Heimat in den Ländern rund um das Mittelmeer oder in Afrika. Die meisten strömten aber in das benachbarte Portugal. Doch auch Portugal mußten sie bald danach verlassen. Viele zog es nach Nordamerika und in die Niederlande.

In der Zeit der Entdeckungen und Erfindungen gab es Menschen, von denen anzunehmen ist, daß sie Juden waren. So z.B. Christoph Kolumbus. In seiner Jugend hat er Briefe in hebräischer Sprache geschrieben, in der Sprache der Juden. Unter seinen neunzig Begleitern auf der Fahrt in die unbekannte Welt waren mehrere Juden, darunter ein jüdischer Offizier und zwei jüdische Schiffsärzte. Zu jener Zeit vertrieb man allerdings die Juden aus dem katholischen Spanien. Der letzte Tag, an dem sie sich noch in Spanien aufhalten durften, war der 02.08.1492. Am 03.08.1492 stach Kolumbus in See, nur einen Tag später.

Jüdische Geldverleiher kamen zur damaligen Zeit in den Ruf der Wucherei.

1670 wurden die Juden aus Wien vertrieben. Wien war damals eine der größten Städte der Welt. Im Jahre 1745 vertrieb die österreichische Kaiserin Maria Theresia die Juden aus Prag, weil sie der Meinung war, die Juden hätten die Preußen im Krieg gegen Österreich unterstützt.

Aber die Ausweisungen aus Wien und Prag sollten nicht lange währen. Die Herrscher fanden keinen Ersatz für die hohen Steuern und Abgaben, die die jüdische Bevölkerung zuvor entrichtet hatte.

Ab 1700 n.Chr.

Die Geschichte der deutschen Juden kennt eine schillernde Figur : Joseph Süß Oppenheimer. Bekannt wurde er als Jud Süß“. Er lebte vor etwa 200 Jahren.

Oppenheimer war klug, geschickt und vor allem auf seinen Vorteil bedacht. Er war in Heidelberg geboren und hatte in Prag und Wien gelebt. Dann zog es ihn nach Frankfurt. In Frankfurt kamen die reichsten Leute Deutschlands zusammen. In einer solchen Stadt konnte man Geschäfte machen, große Geschäfte sogar.

Oppenheimer handelte mit teuren Seidenstoffen aus China, wertvollem Porzellan und kunstvollen Silberwaren. In Frankfurt tat er sich um. Er machte die Bekanntschaft der Mächtigen und Reichen. Er lernte auch Prinz Karl Alexander von Württemberg kennen. In Stuttgart regierte zu der Zeit Herzog Ernst Ludwig über das Land Württemberg. Als er starb, wurde sein Vetter Karl Alexander Herrscher über das Land, denn Ernst Ludwig hatte keine Nachkommen.

Damit begann der sagenhafte Aufstieg des Jud Süß. Der neue Herzog, sein Freund, verlieh ihm den Titel Geheimer Finanzrat“. Seine erste und wichtigste Aufgabe bestand darin, Geld für den Herzog aufzutreiben. Geld war bei den deutschen Fürsten damals stets knapp. Der finanzielle Aufwand für ein Leben ganz in verschwenderischem Luxus war enorm. Dazu kamen die außerordentlich hohen Kosten für die neue Armee :

Früher wurden Soldaten erst angeworben, wenn ein Krieg bevorstand oder ausgebrochen war. Ein stehendes Herr in Friedenszeiten gab es nicht. Das sollte jetzt geändert werden.

Oppenheimer besorgte das dafür benötigte Geld.

Beamte zum Beispiel mußten eine besondere Abgabe an den Fürsten aufbringen, den sogenannten Besoldungsgroschen“. Bald aber sprach man nur noch vom Judengroschen“. Wollte jemand Richter oder Pfarrer werden, so bekam er erst dann eine Stelle, wenn er sich ein solches Amt kaufen konnte.

Oppenheimer verkaufte alles : Stoffe, Porzellan, Pferde, Kanonen, Gewehre, Pulver, Gewürze, Gold und Silber. Er beschaffte seinem Herzog viel Geld - und sich auch. Oppenheimer wurde reich. Wenn jemand ein Lotterielos kaufte, verdiente der Herzog daran - und Oppenheimer auch.

Oppenheimer wurde reicher und reicher - und mit seinem Reichtum stieg auch die Zahl der Neider und Gegner.

Der Geldbedarf des Herzogs stieg immer weiter - verantwortlich gemachte wurde vom Volk aber der Geldbeschaffer, nämlich Oppenheimer.

Herzog Karl Alexander starb nach einer Regierungszeit von nur viereinhalb Jahren. Sein Tod war auch das Ende von Oppenheimer. Er wurde verhaftet und eingesperrt. Der Prozeß gegen ihn dauerte ein ganzes Jahr.

Obwohl Oppenheimer keine Verbrechen nachzuweisen waren wurde er zum Tode verurteilt. Die jüdische Gemeinde in Württemberg boten dem neuen Herzog 50.000 Gulden für die Freilassung Oppenheimers, vergeblich.

Am frühen Morgen des 04.02.1738 wurde Jud Süß Oppenheimer gehängt.

Ab 1740 n.Chr.

Unter der Regierung Friedrichs II., 1740 - 1786, schien die beginnende Gleichstellung der Juden wieder gefährdet. Die Steuerbelastung der Juden wurde erhöht. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzten sich neue Reformbestrebungen durch. Das Judenedikt von 1812 brachte den entscheidenden Durchbruch. Aus den früher nur geduldeten Juden wurden jetzt preußische Bürger jüdischen Glaubens. Alle Sonderabgaben wurden abgeschafft. Die Gleichstellung der Juden - zumindest dem Gesetz nach - war weitgehend erreicht. Die volle Gleichberechtigung war auch im 19. Jahrhundert an die Taufe, also an den Übertritt zum Christentum, gebunden. Zum Christentum übergetreten sind beispielsweise Heinrich Heine, Karl Marx und Ferdinand Lassalle.

In den Vereinigten Staaten von Amerika war man schon viel weiter. Dort waren die Juden schon freie Menschen.

1789 brach die Französische Revolution aus, die mit der Enthauptung Ludwigs XVI. im Jahre 1793 in Paris endete. Die Aufständischen kämpften mit dem Ruf : Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit !“. Auch die Juden waren in dieser Losung beinhaltet.

1791 erhielten die Juden in Frankreich die gleichen Rechte und Pflichten wie die anderen Bürger. Die Gettos wurden geöffnet.

1792 erhielten die Juden in Deutschland in den Gebieten westlich des Rheines die gleichen Rechte wie die übrigen Deutschen. In Köln durften sich nach 368 (!) Jahren erstmals wieder Juden ansiedeln.

1796 eroberten die Franzosen Frankfurt am Main. Das Getto wurde ein Opfer der Flammen. Es wurde jedoch nicht wieder aufgebaut.

1798 durften Juden in Frankfurt am Main an Sonn- und Feiertagen die Straßen betreten.

1804 durften jüdische Kinder in Bayern öffentliche Schulen besuchen.

1811 erhielten die Juden in Frankfurt am Main volles Bürgerrecht, mußten aber eine einmalige Abstandssumme von 440.000 Gulden bezahlen.

1812 kam das Preußische Judenedikt. In den deutschen Ländern Preußen und Westfalen wurden die Juden gleichberechtigte Staatsbürger. In Hessen durften Juden bürgerliche Namen tragen.

1848 wurden in der Paulskirche in Frankfurt am Main für alle Juden in Deutschland gleiche Rechte gefordert.

Damit war der Prozeß der rechtlichen Gleichstellung der Juden abgeschlossen.

Ab 1871 n.Chr.

Im Deutschen Kaiserreich (1871 - 1918) lebten etwa 600.000 Juden. Das war nur ungefähr 1% der Bevölkerung Deutschlands. Bei den Studenten betrug der Anteil der Juden jedoch 8%. in Fächern wie Medizin oder den Naturwissenschaften lag ihr Anteil noch deutlich höher. Vier Fünftel der deutschen Juden zählten um das Jahr 1900 zum oberen und mittleren Bürgertum. In der Tat ein erstaunlicher Aufstieg.

Am 03.11.1897 wurde auf dem Tempelhofer Feld in Berlin ein lenkbares Luftschiff aus genieteten Aluminiumplatten, fast gasdicht, erprobt. Leider ging der Versuch wegen des aufkommenden Windes schief. Aber der Beweis der Möglichkeit war erbracht. Der Konstrukteur war ein deutschsprechender Holzhändler aus dem damaligen Österreich-Ungarn namens David Schwarz - ein Jude. Nach vielen Jahren forderte ihn das preußische Kriegsministerium auf, das von ihm entworfene Luftschiff zu bauen. Als David Schwarz das Telegramm in den Händen hielt, erlag er vor Freude einem Herzschlag. Unter dem Namen Zeppelin wurde das Luftschiff später weltberühmt. Doch der Entwickler war nicht Graf Zeppelin sondern der Jude Schwarz.

1904 erreichte der Jude Arthur Berson mit dem Ballon Phönix“ eine Höhe von 9.115 Metern - Weltrekord.

Im Segelflug stellte Robert Kronfeld in den Jahren 1929/1930 allein vier Weltrekorde auf. Als erster Mensch flog er 143, 150, 151 und 164 Kilometer im Einsitzer. Am 22.06.1931 überflog Kronfeld als erster Mensch im Segelflugzeug den Ärmelkanal zwischen Frankreich und England. Kronfeld lebte in Wien. Als die Deutschen 1938 in Österreich einmarschierten, ging der Jude Kronfeld ins Exil. 1948 stürzte er tödlich ab.

1910 baute der 1872 in Wien geborene Jude Edmund Rumpler die nach ihm benannte Rumpler-Taube, das erste Flugzeug mit einem 8-Zylinder-Motor. 1908 hatte Rumpler die erste deutsche Flugzeugfabrik gegründet. Auf Rumpler gehen auch zurück : das erste Auto in Stromlinienform, das erste Auto mit Schwingachse und das erste Auto mit Vorderradantrieb.

Der 1831 in Malchin in Mecklenburg geborene Jude Siegfried Marcus baute 1846 den ersten Kraftwagen mit Benzinmotor. Die Fahrten damit wurden aber polizeilich wegen der zu hohen Lärmbelästigung verboten. 1875 baute Marcus ein Auto mit dem von Nikolaus Otto erfundenen Benzinmotor. Neu daran war, daß das Gasgemisch magnetisch-elektrisch gezündet wurde. Siegfried Marcus war ein großer Erfinder. Insgesamt erhielt er 76 Patente für seine Erfindungen. Eine davon war der Wiener Zünder“, eine Vorrichtung, die beim Aufschlag eine Granate zur Explosion bringt. Als junger Mann hatte Marcus mit Werner von Siemens die erste unterirdische Telegraphenleitung von Berlin nach Magdeburg verlegt. Dabei hatte er ein Relais erfunden, mit dem man einen starken Strom mittels eines schwachen Fernstromes aus- oder einschalten konnte.

Der 1875 in Nienburg geborene und 1925 in Berlin verstorbene Jude Rudolf Abraham erzeugte als erster Kraft durch die Ausnutzung von Ebbe und Flut.

Der Jude Hermann Aron erfand den elektrischen Zähler und der Jude Leo Arons die Neonröhre und die Quecksilberlampe. Der in Hannover geborene Jude E. Berliner erfand das Grammophon und die Schallplatte. Der ebenfalls in Hannover geborene Jude Reinhold Rüdenberg erfand das Elektronenmikroskop.

Der aus Breslau stammende Jude Leo Graetz erfand die nach ihm benannte Graetz’sche Zelle“ mit der man Wechsel- in Gleichstrom umwandeln kann. Der Physiker Heinrich Hertz, Enkel eines Hamburger Juden, entdeckte die nach ihm benannten elektrischen Wellen. Sie bilden die Grundlage der heutigen Funktechnik.

Der in Darmstadt geborene jüdische Chemiker Justus von Liebig hat das Betäubungsmittel Chloroform entdeckt. Auf seinen Forschungen beruhen die künstlichen Düngungen und die Gewinnung des nach ihm benannten Fleischextrakts.

Der Jude Philipp Rosenthal schuf ein bedeutendes Porzellanunternehmen in Selb. Es zählt noch heute zu den namhaftesten Betrieben dieser Art.

Der Jude Silverberg gründete im Rheinland das größte Braunkohleunternehmen der Welt.

Einer der bedeutendsten deutschen Komponisten war der 1809 in Hamburg geborene Jude Felix Mendelssohn-Bartholdy, der schon mit neun Jahren als Pianist auftrat.

Ein berühmter deutscher Dirigent und Komponist war Giacomo Meyerberg, eigentlicher Name Jakob Meyer Beer. Als siebenjähriger erregte er als Pianist Aufsehen, als Zwölfjähriger hatte er bereits eine Reihe von Musikstücken komponiert. Seine Opern hatten vor allem in Paris Erfolg.

Jaques Offenbach wurde 1819 in Köln geboren. Er ging mit 14 Jahren nach Paris. Dort wirkte er als Komponist und Kapellmeister. Welterfolg hatte er mit der Oper Hoffmanns Erzählungen“.

Der Österreicher Gustav Mahler (1860 - 1911) war ein bedeutender Komponist und einer der großen Dirigenten seiner Zeit.

Zu den bekanntesten deutschen Malern gehört Max Liebermann (geboren 1847 in Berlin, verstorben 1935 ebenda). Die Nazis hatten Liebermann Malverbot erteilt. 1943 wollte die Gestapo seine Witwe abholen - ins KZ. Die 78jährige nahm Gift.

Einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller war der 1797 in Düsseldorf geborene Heinrich Heine. er arbeitete als Journalist. Als Berichterstatter einer deutschen Zeitung lebte er lange in Paris. Dort starb er 1856.

Weitere bedeutende Schriftsteller waren Maximilian Harden (1861 Berlin - 1927 Schweiz), Jakob Wassermann (Ich bin Deutscher, und ich bin Jude, eines so sehr und so völlig wie das andere, keines ist vom anderen zu lösen.“ Zitat aus Mein Weg als Deutscher und Jude“, letzte Seite).

Karl Marx (1818 - 1883), Verfasser von Das Kapital“ und Das Kommunistische Manifest“, war ebenfalls Jude, genau wie der Politiker Ferdinand Lassalle (1825 Breslau - 1864 Genf). Lassalle hatte 1863 den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ gegründet, die Keimzelle der heutigen SPD.

Von 1901 bis 1933 (dem Jahr der Machtergreifung Hitlers) hatten vierzig Deutsche einen Nobelpreis erhalten. Von diesen vierzig waren elf Juden :

Albert Einstein, geboren in Ulm, aufgewachsen in München, gewirkt als Professor in Zürich, Prag und Berlin, erhielt 1921 den Nobelpreis. 1933 wurde Einstein ausgebürgert. Er starb 1955 in den USA.

Der 1854 in Strehlen geborene Paul Ehrlich bekam den Medizinnobelpreis im Jahre 1908 für die Entwicklung neuer Medikamente.

Paul Heyse, geboren 1830 in Berlin, verstorben 1914 in München, erhielt 1910 den Nobelpreis für Literatur.

Adolf Baeyer erhielt 1905 für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Farbstoffe den Nobelpreis.

Otto Wallach bekam für seine Forschungen auf dem Gebiet der Riech- und Duftstoffe 1910 den Nobelpreis.

Fritz Haber bekam 1918 den Nobelpreis für das mit Carl Bosch entwickelte Verfahren zur Luftstickstoffgewinnung. 1933 mußte er emigrieren.

Otto Meyerhof arbeitete über die menschlichen Muskeln, insbesondere ihr Reaktionsvermögen, wofür er 1922 den Chemienobelpreis erhielt.

James Franck erhielt 1926 zusammen mit Gustav Hertz dem Atomphysiknobelpreis.

Otto Warburg, Begründer der Krebsforschung, erhielt den Nobelpreis im Jahre 1931.

1860 wurde der Jude Theodor Herzl in Budapest geboren. Als junger Mann studierte er Rechtswissenschaften in Wien. Er schrieb Geschichten, Romane und Theaterstücke. Im Alter von 33 Jahren, also 1893, ging Herzl nach Paris, wo er als Berichterstatter einer deutschsprachigen Zeitung in Wien arbeitete. Sein Buch Der Judenstaat“ erschien 1896 und wurde weithin bekannt. Herzl war einer der ersten, der das Judentum, das sich bis dahin nur als eine religiöse und kulturelle Gemeinschaft verstanden hatte, auch als nationale Einheit sah.

Herzl wollte die nationale Selbstbestimmung der Juden. Er sah sich als Politiker - weniger als religiöser Führer. Kein Ort war für den jüdischen Staat geeigneter als Palästina. Aber dort lebten jetzt die Araber. Wie sollten die Juden dort einen eigenen Staat gründen ? Gewalt war ausgeschlossen. Herzl und die von ihm gegründeten Institutionen wollten den ansässigen Arabern das Land abkaufen. Stück um Stück.

1904 starb Theodor Herzl in Wien - erst 44 Jahre alt. Fünf Jahre später gründeten sechzig jüdische Familien in einer Dünenlandschaft am Mittelmeer die erste rein jüdische Stadt. Sie gaben ihr den Namen nach einem Roman Herzls : Altneuland“. In der hebräischen Sprache heißt das Tel Aviv.

Immer mehr Juden wanderten in Palästina ein. 1917 gab es bereits 80.000 jüdische Siedler. Der Erste Weltkrieg, der 1914 begonnen hatten, war noch nicht zu Ende. Die Türkei kämpfte auf deutscher Seite gegen England. So waren die Türken bei den Verlierern des Krieges und mußten große Teile ihres Landes abgeben. Auch Palästina, das an England fiel.

1917 schrieb der englische Außenminister Lord Balfour einen Brief an den bekannten Zionisten Rothschild in New York. Darin stand, daß die Engländer für die Errichtung einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina“ eintreten würden.

Das war ein großer Erfolg für die Zionisten. Zum erstenmal hatte eine Weltmacht sich für die Verwirklichung ihrer Ideen ausgesprochen.

Inmitten der Araber bildeten die Juden eigene Siedlungsgemeinschaften. Sie hatten ihr eigenes Geld, ihre eigenen Steuern, eigene Polizisten und eigene Richter. Sie waren ein Staat im Staate“.

Man sprach über vierzig Sprachen, weil Juden aus der ganzen Welt nach Palästina gekommen waren. Schließlich einigte man sich auf Hebräisch als gemeinsame Sprache.

Ab 1918

Für den verlorenen Ersten Weltkrieg mußten wieder einmal die Juden als Sündenböcke herhalten. Dennoch gelang es einem Mann jüdischen Glaubens, an der Geschichtsschreibung teilzuhaben. Ein Mann, der zur Weimarer Verfassung einen entscheidenen Beitrag geleistet hat, war der Jude Hugo Preuß.

In den Jahren nach dem Krieg hatte der Antisemitismus starken Zulauf. Er spielte eine immer größere Rolle in der Politik. Antisemitismus und ein extremer Nationalismus verbanden sich zu einer gefährlichen Hetze. Auch Neid spielte in der Zeit der wirtschaftlichen Not eine große Rolle dabei.

Am 22.07.1922 wurde in Berlin der Reichsaußenminister Walther Rathenau vom früheren Seeoffizier Erwin Kern (25) mit einer Maschinenpistole erschossen. Wenige Wochen später wurde der Täter gefaßt. Kern wird bei der Festnahme erschossen.

1933

Am 30.01.1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler des Deutschen Reiches. Hitler war fest entschlossen, die Demokratie in Deutschland abzuschaffen. Schon vor der Machtergreifung hatte er kein Hehl aus seiner Absicht gemacht.

Wenige Wochen später zündete ein Holländer den Reichstag an. Hitler und Göring behaupteten rundweg : Das waren die Kommunisten ! Das waren die Sozialdemokraten !“ Noch in der gleichen Nacht setzte eine Verfolgung der KPD und der SPD ein. Namhafte Führer beider Parteien wurden verhaftet und eingesperrt - ohne Gerichtsverfahren, ohne Urteil.

Schließlich wurde die KPD verboten, die SPD und auch alle anderen Parteien, dann sogar die Gewerkschaften. In Deutschland gab es nur noch eine Partei : Hitlers NSDAP. Deutschland war eine Diktatur geworden. Diktator war der Führer“ Adolf Hitler.

Am 10.05.1933 werden in Frankfurt am Main die ersten Bücher verbrannt. Die Nazis behaupteten, die Bücher seien undeutsch“. Die Namen der Verfasser wurden genannt. Nicht wenige von ihnen zählen zu den berühmtesten Schriftstellern deutscher Sprache :

Bertold Brecht, Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin, Sigmund Freud, Erich Kästner, Hermann Kesten, Heinrich Mann, Karl Marx, Erich Maria Remarque, Arthur Schnitzler, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig und Stefan Zweig.

Unter diesen Schriftstellern und Dichtern waren Juden; aber nicht alle waren Juden. Bücher von Juden durften in Deutschland nicht mehr gelesen werden. So wie in Frankfurt, wurden am gleichen Abend und fast auf gleiche Weise in vielen Städten Bücher verbrannt.

Der jüdische Dichter Heinrich Heine hatte schon hundert Jahre zuvor geschrieben : Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

Die Bilder entarteter Künstler“ wurden aus den Museen entfernt.

Viele Juden verließen Deutschland, unter ihnen Albert Einstein, Thomas Mann, Nelly Sachs und viele andere. Viele wurden mit der Emigration nicht fertig und brachten sich um, so z.B. Kurt Tucholsky, Stefan Zweig, Ernst Toller und andere.

Nur die wenigsten fanden sich im Exil zurecht, so Carl Zuckmayer, der in Amerika Farmer wurde.

Viele jüdische Künstler verpaßten die Emigration und kamen in Konzentrationslagern ums Leben, so Erich Mühsam, Paul Kornfeld und Gertrud Kolmar.

Wieder andere brachten sich lieber um als zu emigrieren, so Walter Benjamin, Alfred Wolfenstein und Joseph Roth.

Deutsche Künstler ließen sich von jüdischen Ehepartnern scheiden, um weiter arbeiten zu können, so z.B. Heinz Rühmann von seiner ersten Frau Hertha, die er aber bis zu ihrem Tod stets als Freund begleitete und ihr finanziell half.

Seit dem 01.04.1933 pflanzten sich in ganz Deutschland SA-Männer vor jüdischen Geschäften auf. ihre Aufgabe war es, kaufwillige Bürger einzuschüchtern oder, falls dies nötig sein sollte, direkt am Einkauf zu hindern. Nichtarische Justizbeamte erhielten in Preußen Zwangsurlaub. Doch das war nur der Anfang.

Seit dem 07.04.1933 durften Juden kein Rechtsanwaltbüro eröffnen.

Am 11.04.1933 wurden alle Beamten mit mindestens einem jüdischen Großelternteil aus dem Staatsdienst entlassen.

Am 22.04.1933 wurde es jüdischen Ärzten verboten, für Krankenkassen tätig zu sein. Juden durften ab dem gleichen tage keine Patentanwälte mehr sein.

Am 25.04.1933 wurde die Zahl der jüdischen Studenten an Hochschulen und Universitäten beschränkt.

Am 04.05.1933 wurden alle jüdischen Arbeiter und Angestellten bei Behörden entlassen.

Im ersten Jahr der nationalsozialistischen Herrschaft wanderten rund 37.000 Personen aus. England verlangte für die Einwanderung nach Israel zwischen 1933 und 1939 eintausend englische Pfund für ein Einreisevisum. Dennoch emigrierten rund 40.000 deutsche Juden in dieser zeit nach Israel.

1934

Seit dem 11.01.1934 durften Juden nur in Ausnahmefällen den Doktorgrad erwerben.

Seit dem 05.02.1934 wurden jüdische Medizinstudenten nicht mehr zur Staatsprüfung zugelassen, seit dem 08.12.1934 galt dieses auch für jüdische Apotheker.

1935

Seit dem 06.09.1935 durften jüdische Zeitungen nicht mehr in Geschäften oder an Kiosken verkauft werden.

Am 14.11.1935 verloren die Juden das Wahlrecht.

Seit dem 21.12.1935 durften jüdische Notare, Ärzte, Professoren und Lehrer nicht mehr im Staatsdienst tätig sein.

Im Spätsommer wurden drei Gesetze veröffentlicht, die als Nürnberger Gesetze bekannt wurden. Sie sollten vor allem die Beziehungen zwischen Juden und Ariern regeln.

Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes wurden verboten. Trotzdem geschlossene Ehen waren nichtig, auch wenn sie zur Umgehung des Gesetzes im Ausland geschlossen wurden.

1936

Jüdische Lehrer durften seit dem 15.10.1936 keinen Privatunterricht mehr erteilen.

1937

Juden durften seit dem 26.01.1937 kein Viehhändler, seit dem 05.02.1937 kein Jäger mehr sein. Seit dem 13.02.1937 durften Juden auch keine Notare mehr werden. Seit dem 15.04.1937 durften Juden keinen Doktorgrad mehr erwerben.

Am 02.07.1937 wurde die Zahl der jüdischen Schüler an Schulen beschränkt.

1938

Ab dem 26.04.1938 mußten Juden es anmelden, wenn sie mehr als 5.000 Mark besaßen.

Ab dem 14.06.1938 wurden alle jüdischen Geschäfte erfaßt und gekennzeichnet.

Ab dem 20.06.1938 durften Juden keine Behörden mehr betreten., ab dem 11.07.1938 sich nicht mehr an Kurorten aufhalten.

Am 25.07.1938 erhielten jüdische Ärzte Berufsverbot.

Zwei Tage später mußten alle nach Juden benannten Straßen umbenannt werden.

Am 27.09.1938 erhielten jüdische Rechtsanwälte ein Berufsverbot.

Am 05.10.1938 mußten alle Juden ihre Reisepässe abgeben. Neue Reisepässe wurden nur beschränkt ausgestellt und erhielten den Aufdruck J (Jude).

Am 09.11.1938 war die Reichskristallnacht. 91 jüdische Menschen wurden ermordet, 267 Synagogen wurden vernichtet, Tausende von Wohnungen zerstört, Tausende von Juden mißhandelt, 30.000 jüdische Mitbürger verhaftet. Den entstandenen Schaden von Hunderten von Millionen Mark mußten die Juden selbst bezahlen. Obendrein zwang man sie, noch einmal eine Buße“ in Höhe von einer Milliarde Mark an die Regierung zu zahlen.

Seit dem 11.11.1938 durften Juden keine Waffen mehr besitzen, seit dem 12.11. keine Kinos, keine Konzerte und keine Theater mehr besuchen.

Seit dem 15.11.1938 durften jüdische Kinder keine öffentlichen Schulen mehr besuchen.

Am 29.11.1938 wurde den Juden die Haltung von Brieftauben verboten.

Am 03.12.1938 mußten Juden ihre Führerscheine abgeben.

Am 06.12.1938 wurden jüdische Studenten von Hochschulen und Universitäten ausgeschlossen.

1939

Am 01.01.1939 erhielten Juden Kennkarten. Außerdem mußten Juden einen zweiten Vornamen annehmen, der sie unverkennbar als Jude auswies. Weibliche Juden mußten den Vornamen Sara“, männliche den Vornamen Israel“ annehmen.

Am 17.01.1939 erhielten jüdische Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Zahntechniker, Heilpraktiker und Krankenpfleger ein Berufsverbot.

Am 30.04.1939 wurden Juden aus arischen“ Häusern ausgewiesen und in Judenhäusern“ eingewiesen.

Seit dem 01.09.1939 gab es für Juden Ausgehbeschränkungen.

Seit dem 12.09.1939 durften Juden nur noch in bestimmten Geschäften einkaufen.

Am 23.09.1939 mußten Juden ihre Rundfunkgeräte abgeben.

England hat in diesem Jahr beschlossen, daß in den nächsten fünf Jahren nur noch 75.000 Juden nach Palästina einreisen dürfen. Araber hatten mit bewaffneten Aufständen einen Einwanderungsstopp verlangt. Diese Einschränkung hoben die Engländer auch 1945 noch nicht auf.

1941

Seit dem 13.09.1941 durften Juden keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen.

Ab dem 19.09.1941 mußten alle Juden ab Vollendung des sechsten Lebensjahres den sogenannten Judenstern tragen.

Ab dem 10.10.1941 mußten Juden eine besondere Erlaubnis haben, wenn sie ihren Wohnsitz verlassen wollten.

Am 21.12.1941 wurde Juden die Benutzung öffentlicher Fernsprecher verboten.

1942

Seit dem 17.02.1942 durften Juden keine Zeitungen und Zeitschriften mehr abonnieren.

1943

Seit dem 15.05.1943 durften Juden keine Haustiere mehr halten.

Am 19.06.1943 mußten Juden alle elektrischen und optischen Geräte abliefern. Ferner mußten alle Fahrräder, Schreibmaschinen und Schallplatten abgeliefert werden.

Am 20.06.1943 wurden alle jüdischen Schulen geschlossen.

Ab dem 09.10.1943 durften Juden keine Bücher mehr kaufen.

1945

1945 wurde Theodor Herzl in Jerusalem auf dem heutigen Herzl-Friedhof beigesetzt.

1947

England beantragte, daß die Vereinten Nationen versuchen sollten, eine für alle Seiten annehmbare Lösung für die Einwanderungsfrage in Palästina zu finden. Es gab riesige Probleme, nachdem die Engländer ein Schiff mit KZ-Überlebenden nach Europa zurückgeschickt hatten.

In Israel war es zwischen Juden und Arabern zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen gekommen.

Die Vereinten Nationen schlugen vor, daß Palästina in zwei voneinander unabhängige Staaten, einen jüdischen und einen palästinensischen, aufgeteilt werden sollte. Jerusalem sollte einen internationalen Status erhalten.

1948

In der Nacht vom 14. auf den 15. Mai sollte das englische Mandat in Palästina enden. Am 14.05.1948 verlas David Ben Gurion in Tel Aviv die Unabhängigkeitsurkunde. Der Staat Israel war geboren. Erster Präsident wurde Chaim Weizmann. In Palästina lebten zu diesem Zeitpunkt rund 700.000 Juden und 1.200.000 Araber. hinzu kamen etwa 125.000 andere“, wie z.B. Christen. unmittelbar nach der Staatsgründung hob Israel alle Einwanderungsbeschränkungen auf.

Die Araber waren weder mit dem Teilungsplan der vereinten Nationen noch mit der Gründung des Staates Israel einverstanden. Nur einen Tag nach der Unabhängigkeitserklärung griffen die Armeen der arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Transjordanien, des Iraks, Syriens und des Libanon Israel an.

Die Israelis konnten sich in diesem sogenannten Unabhängigkeitskrieg behaupten. Es gelang ihnen sogar, zusätzliches Land zu erobern, d.h. Israel besaß nach diesem Krieg ein größeres Territorium, als die UNO in ihrem Teilungsplan vorgesehen hatte.

Die alteingesessenen Palästinenser flohen aus dem von Israel besetzten Land. Hunderttausende ( man spricht von 600.000 - 800.000) mußten in Flüchtlingslagern der Nachbarstaaten untergebracht werden. Diese Lager gibt es noch heute.

1949

Nach dieser ersten großen Auseinandersetzung zwischen Arabern und Juden gab es in der ersten Hälfte des Jahres einen Waffenstillstand, aber keinen Friedensvertrag. Nach wie vor weigerten sich die arabischen Staaten, die staatliche Existenz Israels anzuerkennen.

David Ben-Gurion wurde Regierungschef.

1952

Am 10.09.1952 schlossen Israel und die Bundesrepublik Deutschland einen Vertrag, das sogenannte Wiedergutmachungsabkommen, das die Bundesrepublik zu Entschädigungsleistungen verpflichtete. Die Bundesrepublik lieferte Waren und zahlte Gelder, die beim Aufbau des neuen Staates Israel dringend gebraucht wurden. Dieses Abkommen lief bis 1965. Aber auch danach leistete die Bundesrepublik individuelle Hilfe. Zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und Israel ist ein vergleichbares Abkommen nie geschlossen worden. Materielle Entschädigung haben nur jüdische Staatsbürger der DDR erhalten.

Neuer Staatspräsident wurde Izhak Ben-Zwi.

1953

Moshe Scharett löste David Ben-Gurion als Regierungschef ab.

1955

David Ben-Gurion löste Moshe Scharett als Regierungschef ab.

1956

Auf die Terrorakte, die Sperrung des Suezkanals und des Golfs von Aqana sowie direkte Angriffsvorbereitungen reagierte Israel am 29.10.1956 im Einverständnis mit Großbritannien und Frankreich mit dem Einmarsch nach Sinai und Gaza. Es kam zum sogenannten Suezkrieg.

1957

Auf Druck der USA und der UdSSR räumte Israel die im Suezkrieg besetzten Gebiete wieder. In Gaza, an der Sinaigrenze sowie am Ausgang des Golfs von Aqaba wurden UN-Truppen stationiert. Die UdSSR rüstete Ägypten und Syrien auf.

1962

Am 31.05.1962 wurde in Jerusalem der SS-Führer Adolf Eichmann nach einem Prozeß hingerichtet.

1963

Levi Eschkol löste David Ben-Gurion als Regierungschef ab. Neuer Staatspräsident wurde Salman Schasar.

1967

Der ägyptische Präsident Nasser erwirkte den Abzug der UN-Truppen, sperrte erneut die für Israels Wirtschaft lebenswichtige Zufahrt nach Elat und zog in einer mit Syrien und Jordanien koordinierten Aktion, Truppen an Israels Grenzen zusammen. Israel führte am 05.06.1967 einen Präventivschlag gegen die drei Nachbarländer und besetzte in den folgenden sechs Tagen die ganze Sinaihalbinsel, den Gazastreifen, das Westjordanland einschließlich Ostjerusalems und die syrischen Golanhöhen. Das gesamte Jerusalem stand jetzt unter israelischer Oberhoheit. Erstmals war es für alle Juden wieder möglich an der Klagemauer zu beten.

Aber auch nach dem Sechs-Tage-Krieg gab es keinen Friedensvertrag; es gab einen von der UN vermittelten Waffenstillstand. Im Gegenteil : Die Gegensätze verschärften sich. Nur Jordanien, und mit schwankender Haltung auch Ägypten, waren bereit, das Existenzrecht Israels anzuerkennen.

Radikale palästinensische Araber dagegen, die den israelischen Staat beseitigen wollten, organisierten sich in der von Yassir Arafat geführten Palästinensischen Befreiungsorganisation, abgekürzt PLO. Sie kämpfte verstärkt seit 1967 mit politischen und terroristischen Mitteln für einen eigenen Palästinenserstaat. Sie oder ihre Parteivorgänger übernahmen die Verantwortung für Überfälle auf israelische Siedlungen, Anschläge auf Flugzeuge und Passagiere der Fluglinie Israels.

Israels Regierung vereinigte das geteilte Jerusalem. Die übrigen Gebiete wurden unter Militärverwaltung gestellt.

Am Suezkanal kam es 1969/70 zu neuen Kämpfen (Abnutzungskrieg). 

1969

Golda Meir löste Levi Eschkol als Regierungschef ab.

1972

Die PLO übernahm die Verantwortung für das Attentat auf die Olympiamannschaft Israels in München.

1973

Am 06.10.1973 kam es zu einem erneuten Krieg. Ägypten und Syrien griffen Israel am Jom-Kippur-Fest an, dem Versöhnungsfest der Juden. Daher nannte man diesen Krieg auch Jom-Kippur-Krieg“. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte sich Israel wieder behaupten. Den Frieden für die Region aber brachte auch dieser Krieg nicht. Von jetzt an wurde der sogenannte Nahostkonflikt endgültig eine Auseinandersetzung mit weltpolitischen Ausmaßen. So verfügten die arabischen Ölförderländer, die das Schicksal der Palästinenser zu ihrer Sache erklärt hatten, gegenüber allen mit Israel befreundeten Staaten eine Liefersperre, so auch gegen die Bundesrepublik Deutschland. Ohne das Öl aus den arabischen Staaten aber fehlte es den Industriestaaten an Energie. Unter dem Druck einer Energiekrise“, so dachte man, würden die mit Israel befreundeten Staaten ihre Unterstützung für Israel wenn nicht aufgeben, so doch lockern.

Neuer Staatspräsident wurde Ephraim Katzir.

1974

Durch Vermittlung von US-Außenminister Henry Kissinger schlossen Israel und Ägypten ein erstes Abkommen über den Abzug der israelischen Truppen von der Sinaihalbinsel.

Yitzhak Rabin löste Golda Meir als Regierungschef ab.

1975

Durch erneute Vermittlung von US-Außenminister Kissinger schlossen Israel und Ägypten ein zweites Abkommen, das zu einem Teilrückzug Israels auf der Sinaihalbinsel führte.

Kissinger vermittelte auch ein syrisch-israelisches Abkommen über eine Truppenentflechtung an der Golanfront.

Trotz der Anschläge und Attentate der PLO sahen die meisten arabischen Staaten in der PLO die einzige rechtmäßige Vertretung der Palästinenser. Die PLO wurde in den Kreis der blockfreien, d.h. weder an die USA noch an die Sowjetunion gebundenen Staaten, aufgenommen. Von Israel wurde aber die PLO nicht als Verhandlungspartner anerkannt.

1977

Im November besuchte der ägyptische Präsident Sadat Jerusalem. Dieser Besuch ebnete den Weg zu Friedensverhandlungen.

Menachem Begin löste Yitzhak Rabin als Regierungschef ab.

1978

Neuer Staatspräsident wurde Izhak Navon.

1979

In diesem Jahr gelang ein deutlicher Schritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden in Nahost. Israel und Ägypten schlossen durch die Vermittlung der USA am 26.03.1979 das Friedensabkommen von Camp David. Dieser nach dem Verhandlungsort in den USA benannte Vertrag sah die Räumung und Übergabe der Sinaihalbinsel an Ägypten bis 1982 vor. Umgekehrt garantierte Ägypten den Frieden mit Israel.

In Israel gab es zwei verschiedene Meinungen über das künftige Verhältnis zu den Palästinensern. Mindestens zwei starke Gruppen ließen sich unterscheiden : Die einen drängten auf einen Ausgleich mit den Palästinensern. Sie waren bereit, über das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser zu verhandeln. Ohne eine Rückgabe der besetzten Gebiete war für sie kein sicherer und dauerhafter Friede möglich. Andere, unnachgiebigere, nicht selten radikale Parteien und Gruppierungen beanspruchten die eroberten Gebiete als uralte jüdische Heimat. Sie verlangten und praktizierten eine in Israel selbst wie bei den befreundeten Staaten Israels umstrittene Siedlungspolitik in den eroberten Gebieten. Mehr und mehr jüdische Siedler sollten sich, so ihre Politik, in dem bis dahin nur von Arabern bewohnten Land niederlassen. Das aber forderte den Widerstand der alteingesessenen arabischen Bevölkerung heraus. Immer wieder gab es daher Unruhen, die auch die israelische Polizei oder das Militär nicht befrieden konnten. 

1981

Das israelische Parlament, die Knesset, erließ ein Gesetz, wonach Jerusalem endgültig ein Teil Israels sein sollte. Alle anderen eroberten Gebiete dagegen sah - und sieht Israel auch heute noch - als Verhandlungsgegenstand für einen sicheren Frieden mit seinen arabischen Nachbarn.

1982

Israel hat vertragsgemäß die Rückgabe der Sinaihalbinsel an Ägypten vollzogen.

Die Anschläge der PLO nahm Israel am 06.06.1982 zum Anlaß für einen militärischen Vorstoß nach Libanon. Mit US-amerikanischer Vermittlung erreichte Israel den Abzug der PLO-Führung und eines Großteils ihrer Kampfverbände aus Libanon.

1983

Im Mai schlossen Israel und Libanon ein Normalisierungsabkommen.

Izhak Schamir wurde neben Menachem Begin Regierungschef. Neuer Staatspräsident wurde Chaim Herzog.

1984

Im März muß Libanon das mit Israel im Mai 1983 geschlossene Normalisierungsabkommen unter syrischem Druck annullieren.

Shimon Peres löste Izhak Schamir als Regierungschef ab und stand der Regierung bis 1990 im Wechsel mit Shimon Peres vor.

1985

Israel zog seine Truppen aus dem Libanon schrittweise zurück.

1988

Heute leben weltweit rund 13-14 Millionen Juden. Die Schwerpunkte des jüdischen Lebens liegen nicht mehr in Europa, sondern in den USA und in Israel. Fast die Hälfte aller Juden lebt heute in den USA. ungefähr 2,5% aller Amerikaner sind Juden. Heute erhält Israel von den USA Jahr für Jahr eine Militär- und Wirtschaftshilfe von 4 Milliarden US-$. ohne diese große wirtschaftliche und militärische Hilfe wäre das Überleben des Staates Israel sehr viel schwieriger.

In den vierzig Jahren seines Bestehens wurde ein Land mit modernen Industrien und einer leistungsfähigen Landwirtschaft aufgebaut. Die Landwirtschaft Israels deckt heute ungefähr 75% des Eigenbedarfs, und das, obwohl ein großer Teil des Landes Wüste ist.

Israel hat heute rund 3.300.000 Einwohnern. In den besetzten Gebieten leben rund 700.000 Araber, in Israel selber sind es etwa 1.500.000. Die Geburtenrate der arabischen Bevölkerung ist viel größer als die der jüdischen Bevölkerung. Aber Israel, das sich verfolgte Juden aus aller Welt als einen Staat des Friedens und der Sicherheit ersehnt hatten, ist kein Land des Friedens.

1990

In Israel lebten zu dieser Zeit rund 4.600.000 Menschen, davon 3.700.000 Juden. Neben 82% Juden verschiedener Herkunft (64% in Israel geboren, 20% in Europa und Amerika geboren, 16% in Asien und Afrika geboren) gab es 14% islamischer Araber, 2,3% Christen und 1,7% Drusen sowie einige Tscherkessen und Angehörige der jüdischen Sekten der Karäer und Samariter.

Izhak Schamir wurde alleiniger Regierungschef.

1991

30.10.1991

In Madrid beginnt die Nahostfriedenskonferenz, in deren Verlauf Syrien in Verhandlungen mit Israel einwilligt. Seither verliefen mehrere Treffen von Unterhändlern in Washington ergebnislos. Hauptstreitpunkt sind die von Israel besetzten Golanhöhen.

1992

Yitzhak Rabin bildete nach dem Wahlsieg seiner Arbeiterpartei eine Linksregierung, dessen Regierungschef er wurde.

1993

24.03.1993

Neuer Staatspräsident wird Ezer Weizmann.

20. oder 31.08.1993

In Geheimverhandlungen einigen sich Israel und die PLO in Oslo auf ein Grundsatzabkommen über die Autonomie für Palästinenser im Gazastreifen und in Jericho.

09./10.09.1993

Arafat und Rabin unterzeichnen Dokumente, in denen sich Israel und die PLO gegenseitig anerkennen.

13.09.1993

Unterzeichnung des israelisch-palästinensischen Grundsatzabkommens in Washington durch den israelischen Außenminister Schimon Peres und den PLO-Vertreter Abu Masen. Historischer Händedruck zwischen Rabin und Arafat auf dem Rasen des Weißen Hauses.

14.09.1993

Israel und Jordanien unterzeichnen in Washington ein Abkommen über die Tagesordnung ihrer Friedensgespräche.

01.10.1993

Jordaniens König Hussein und Israels Außenminister Peres treffen sich im Weißen Haus.

11.10.1993

Knapp drei Wochen nach dem israelischen Parlament billigen die Instanzen der PLO das Abkommen.

13.10.1993

Das Grundsatzabkommen tritt in Kraft. Im ägyptischen Badeort Taba beginnen Verhandlungen über einen Rückzug der israelischen Armee im Westjordanland.

1994

03.01.1994

Israel und PLO haben noch keinen Ausweg aus der Sackgasse bei den Autonomieverhandlungen gefunden. Im Gaza-Streifen haben israelische Soldaten drei Anhänger der radikalen Hamas-Bewegung erschossen. In Jerusalem beteten etwa 10.000 orthodoxe Juden für ein Scheitern des Abkommens.

05.01.1994

Die Gespräche zwischen Israel und der PLO sollen am Sonntag im ägyptischen Seebad Taba fortgesetzt werden.

06.01.1994

PLO und Israel machen Fortschritte bei ihren Gesprächen über das Gaza-Jericho-Abkommen.

Die israelische Armee kündigt an, weitere gefangene Palästinenser freizulassen.

Israels Ministerpräsident Rabin ist bereit, in den nächsten zwei Wochen einen Friedensvertrag mit Jordanien zu unterzeichnen.

Israelische Soldaten erschossen im Osten Jerusalems einen Palästinenser. Er war auf der Flucht, hatte einen Israeli mit einem Messer schwer verletzt.

07.01.1994

Israel hat mit der Freilassung von 101 palästinensischen Häftlingen begonnen.

08.01.1994

Israels Ministerpräsident Rabin schließt bei einem umfassenden Frieden mit Syrien einen völligen Abzug von den Golanhöhen nicht aus.

 

 

12.01.1994

Ein Militärhubschrauber ist in Jerusalem abgestürzt. Alle vier Insassen, darunter General Tamari, Militärchef im besetzten Westjordanland, sterben. Ein Militärsprecher schließt einen Anschlag aus und berichtet, der Absturz sei ein Unfall.

16.01.1994

Im Gazastreifen schossen Soldaten auf steinewerfende Palästinenser. Acht Verletzte, darunter ein UN-Mitarbeiter.

17.01.1994

Die USA wollen Friedenstruppen auf den Golan-Höhen stationieren, falls es zu einem Abkommen zwischen Israel und Syrien über den Abzug der israelischen Truppen aus diesem Gebiet kommt.

19.01.1994

Israelische Luftwaffe fliegt Angriffe gegen die radikale Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas“ südlich von Beirut.

24.01.1994

Im Südlibanon gibt es 2 Tote und 8 Verletzte bei schweren Gefechten zwischen Hisbollah-Milizen und SLA-Miliz.

25.01.1994

In Washington und Kairo werden die bilateralen Nahostverhandlungen nach 4 Monaten wieder aufgenommen.

29.01.1994

Israelische Siedler wollten im Westjordanland erneut Siedlung errichten. Die Armee griff ein.

30.01.1994

Im Gaza-Streifen wird ein jüdischer Siedler durch Schüsse verletzt.

01.02.1994

Im Gaza-Streifen wurden fünf Palästinenser, die der Kollaboration mit Israel verdächtigt wurden ermordet.

03.02.1994

Israelische Soldaten erschossen im Gaza-Streifen einen führenden Fatah-Kämpfer (25), verletzten 4 weitere Palästinenser, darunter zwei Kinder.

05.02.1994

Im Gaza-Streifen erschießen israelische Soldaten ohne ersichtlichen Grund einen 12jährigen Palästinenser.

06.02.1994

Gesundheitsminister Ramon erklärt Rücktritt. Als Grund nannte er die Zurückweisung seines Entwurfs für eine umfassende Gesundheitsreform durch das Kabinett.

13.02.1994

Im Gazastreifen werden vier Menschen hingerichtet, wegen angeblicher Zusammenarbeit mit Israel.

In Tel Aviv wird Zoabi 116. ...jeden Tag ein Glas geschmolzene Butter oder ein Glas Olivenöl und rauche nie.“ Er war dreimal verheiratet, hat 139 Nachkommen und war erst einmal im Krankenhaus.

Hisbollah im Libanon haben zur Ermordung des PLO-Chefs Arafats aufgerufen.

14.02.1994

Der Vatikan hat ab heute einen Bischof im Land. Monsignore Montezemulo übernimmt die Gesandtschaft.

19.02.1994

Im Westjordanland wird eine israelische Frau erschossen. 20 jüdische Siedler blockieren danach Hauptverkehrsstraße. Sie werden festgenommen.

 

22.02.1994

Israel will seine Armee so schnell als möglich aus dem Gaza-Streifen abziehen. Bis Mai soll der Rückzug beendet sein.

24.02.1994

Israel will Hamas-Häftlinge keinesfalls freilassen.

Im Südlibanon kommt es zu einem Feuergefecht zwischen Freischärlern und israelischer Armee. Zwei Verletzte.

25.02.1994

In Hebron richtet ein jüdischer Siedler, ein Arzt aus Kirjat Arba (Dr. Baruch Goldstein, 42), ein Blutbad unter betenden Arabern an. Anschließend kommt es zu Unruhen. 59 Palästinenser tot, mindestens 170 verletzt. Ein Ausgehverbot wird verhängt. Arafat beschuldigt die israelische Armee, in den Anschlag verwickelt zu sein.

In Jerusalem kommt es zu schweren Ausschreitungen. Es gibt Tote.

26.02.1994

Die PLO ruft nach dem Massaker in Hebron sämtliche Unterhändler nach Tunis zurück. Die Verhandlungsrunde für Montag wurde abgesagt. Israel hat die Forderung der PLO, die israelischen Siedler zu entwaffnen, abgelehnt. Das Fernsehen in Jerusalem berichtet unterdessen, nicht alle Opfer seien von dem Arzt Goldstein getötet worden. Auch Soldaten hätten in die Menge geschossen. In den besetzten Gebieten, in Jerusalem und in Jordanien kam es zu Protesten von Palästinensern. Mindestens 3 Palästinenser wurden in den besetzten Gebieten erschossen.

27.02.1994

Das israelische Kabinett will nun doch radikale Siedler entwaffnen. Die Bewegungsfreiheit der Siedler im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen soll eingeschränkt werden. 1.000 palästinensische Gefangene sollen freigelassen werden. Bei den andauernden Unruhen in den besetzten Gebieten kamen erneut vier Palästinenser ums Leben. Die PLO nennt die beschlossenen Maßnahmen unzureichend. Israel hat den Gazastreifen und das Westjordanland abgeriegelt. Erstmals gilt dies auch für die jüdische Bevölkerung.

28.02.1994

Rabin akzeptiert internationale Beobachter in den besetzten Gebieten. Militärische Einheiten lehnt er strikt ab. Bei antiisraelischen Demonstrationen in den besetzten Gebieten wurden 2 Palästinenser von der Armee erschossen. Saudi-König Aziz will jeder Familie der 52 Hebron-Opfer DM 90.000,-- schenken. In Amman, Jordanien, hat eine Palästinenserin (22) einen deutschen Touristen (28) und dessen Freundin mit einem Messer angegriffen. Der Mann wurde leicht verletzt, die Attentäterin festgenommen : Ich wollte das Massaker von Hebron rächen.“

01.03.1994

500 Palästinenser wurden aus Gefängnissen entlassen. Bis Montag Abend hat sich die Zahl der Todesopfer bei den Ausschreitungen nach Hebron auf 64 erhöht. 35 davon sind die offiziellen Todesopfer des Attentats in der Moschee.

02.03.1994

Bei Unruhen in Jericho und Hebron wurden 2 Palästinenser von der israelischen Armee getötet. 14 weitere wurden verletzt.

03.03.1994

Israel hat erneut 400 Palästinenser freigelassen.

04.03.1994

In den israelisch besetzten Gebieten sind vier Araber getötet worden.

05.03.1994

In Tel Aviv demonstrieren Zehntausende gegen das Massaker von Hebron.

06.03.1994

Arafat fordert internationale Friedensschutz zum Schutz der Palästinenser. Arafat selber wird von  Mitgliedern der Politischen Abteilung der PLO gedrängt, den bewaffneten Kampf gegen Israel wieder aufzunehmen.

08.03.1994

Die PLO will Dänemark  um Vermittlung bei Verhandlungen mit Israel bitten.

Kommandant räumt Säumnisse bei Bewachung der Moschee ein. Heute gab es in den besetzten Gebieten erneut drei Todesopfer zu beklagen.

Israelische Luftwaffe fliegt Angriffe auf Hisbollah-Stellungen in den südlibanesischen Bergen - Vergeltung für Anschläge gegen die mit Israel verbündeten südlibanesischen Armee (9 Tote).

11.03.1994

Im Gazastreifen wird ein israelischer Soldat von Palästinenser angeschossen.

13.03.1994

Zwei militante jüdische Siedlergruppen (Kach und Kahane Chai) von der Regierung in Jerusalem verboten.

17.03.1994

Der Attentäter von Hebron, Baruch Goldstein, hatte einen Komplizen, so Augenzeugen.

Israelische Soldaten erschießen 3 Hisbollah-Terroristen im Südlibanon. Israelische Luftwaffe fliegt Einsätze gegen Hisbollah-Stellungen.

20.03.1994

In Tunis, Tunesien, nehmen PLO und Israel ihre Gespräche wieder auf.

22.03.1994

Israelische Truppen und Hisbollah liefern sich Gefechte im Südlibanon. In der Sicherheitszone traten rund 800.000 Menschen in einen Streik. 3 Schüler wurden dabei getötet, mindestens 26 Menschen verletzt. Israelische Soldaten erschossen nach palästinensischen Angaben eine schwangere Palästinenserin im Westjordanland. In Jerusalem wurde ein israelischer Wachmann durch Schüsse in den Kopf schwer verletzt.

23.03.1994

In Tunis, Tunesien, gehen die israelisch-palästinensische Gespräche weiter.

 25.03.1994

In Malaysia darf Spielbergs Film Schindlers Liste“ nicht gezeigt werden. Jüdische Propaganda“.

26.03.1994

In den israelisch besetzten Gebieten kommt es erneut zu Ausschreitungen. In Hebron schossen israelische Sicherheitskräfte und jüdische Siedler auf steinewerfende Palästinenser. Etwa 25 Verletzte.

27.03.1994

In Bet Guvrin erschießt ein Israeli (42) einen palästinensischen LKW-Fahrer. Der Täter wurde gefaßt. Sein Motiv : Rache für getöteten Bruder.

Bei Angriff auf einen Stützpunkt der pro-israelischen Miliz SLA in Merdschajun, Südlibanon, sind drei Angreifer der schiitischen Hisbollah-Miliz ums Leben gekommen. Israelische Armee reagiert mit Luftangriffen auf Hisbollah-Stellungen.

29.03.1994

Israelische Armee erschießt in Gaza 6 Mitglieder der PLO-Fraktion Fatah in einem Flüchtlingslager.

30.03.1994

In Bonn, NRW, Bundesrepublik Deutschland, wurde die israelische Botschaft im Radius von 1 km abgeriegelt. Westliche Geheimdienste rechnen mit einem Bombenanschlag - als Vergeltung für das Massaker von Hebron. Attentäter der radikalen Hisbollah sollen über Dänemark nach Deutschland eingereist sein.

31.03.1994

In Hebron haben sich Vertreter Israels und der PLO auf  ein Sicherheitsabkommen für die Palästinenser in Hebron geeinigt.

In den von Israel besetzten Gebieten ist ein 18jähriger Palästinenser von einem jüdischen Siedler erschossen  worden.

01.04.1994

Tausende Pilger aus aller Welt gedenken in Jerusalem der Kreuzigung Christi.

Palästinenser bewerfen im Westjordanland das Auto einer deutschen Touristin und deren 20jähriger Tochter mit Steinen. Die Frau fährt gegen eine Mauer und wird nun im Krankenhaus künstlich beatmet. Ihre Tochter erlitt leichte Verletzungen.

03.04.1994

Israel will mehreren ausgewiesenen Palästinensern die Rückkehr ermöglichen.

06.04.1994

Mindestens 8 Tote und 50 Verletzte, davon 4 sehr schwer verletzt, bei Attentat in Afula. Ein mit Sprengstoff beladenes Auto ist an einer Haltestelle zur Explosion gebracht worden, als ein Linienbus angehalten hatte.

07.04.1994

Ein Palästinenser erschießt in Aschdod mit einer MP an einer Bushaltestelle einen Israeli und verletzt 4 weitere. Der 18jährige Attentäter wurden von Soldaten erschossen.

Im Gazastreifen stechen Palästinenser auf zwei Israelis ein - schwer verletzt.

09.04.1994

Der Zentralrat der Juden  in Deutschland will Strafantrag gegen Schönhuber stellen.

10.04.1994

Die Autonomiegespräche zwischen Israel und PLO werden in Kairo, Ägypten, fortgesetzt.

11.04.1994

In Hebron sind 17 neutrale Beobachter eingetroffen.

12.04.1994

Ein israelischer Siedler erschießt einen 18jährige schwangere Palästinenserin im Westjordanland.

13.04.1994

6 Tote und 30 Verletzte bei Anschlag auf Linienbus in Jerusalem. Ein moslemischer Extremist hatte in einem vollbesetzten Bus eine Bombe gezündet. Er kam ebenfalls ums Leben.

14.04.1994

10 Tote und 11 Verwundete bei Artilleriebeschuß der Hafenstadt Sidon im Südlibanon.

17.04.1994

Die Autonomiegespräche zwischen Israel und PLO werden am  Montag in Kairo, Ägypten,  fortgesetzt.

18.04.1994

Zwei israelische Jagdbomber griffen Stellungen im Südlibanon an.

19.04.1994

Armeesprecher bestätigt, daß es in den besetzten Gebieten (auch in den letzten Tagen schon) zu Massenverhaftungen gekommen ist.

04.05.1994

Das Gaza-Jericho-Abkommen

Heute, am 04.05.1994 ist es soweit. In Kairo, Ägypten, unterzeichnen der Ministerpräsident von Israel Rabin und PLO-Chef Arafat das rund 450 Seiten umfassende Gaza-Jericho-Abkommen“.

820.000 Palästinenser bekommen ihr eigenes Land.

Israel zieht seine Armee aus dem Gaza-Streifen und Jericho zurück. Es sichert nur noch die Grenzen zu Ägypten und Jordanien (und jüdische Siedlungen in den besetzten Gebieten).

Israelische Soldaten und palästinensische Polizisten gehen gemeinsam auf Patrouille.

Die Palästinenser bekommen eigene Polizeitruppen mit eigener Uniform (9.000 Mann), eigene Gerichte und eine eigene Verwaltung (Autonomierat“), die für den Herbst auch Wahlen vorbereiten soll.

Israel entläßt alle 10.000 palästinensischen Gefangenen.

In 3 Jahren will die PLO dann über die Gründung eines eigenen Staates verhandeln : mit eigenen Briefmarken, eigener Telefonvorwahl, eigenen Botschaften - Jassir Arafat als Präsident.

Die Weltbank unterstützt den Aufbau in den neuen PLO-Gebieten mit umgerechnet rund DM 1.800.000.000,00 - die Hälfte zahlt die Europäische Union.

Die Unterzeichnung

2.000 Ehrengäste hielten den Atem an ...

Arafat (64) schäumte vor Wut, vibrierte und weigerte sich, das Abkommen zu unterzeichnen. Rabin stockte, schloß seinen Füllfederhalter und stand langsam auf ...

Arafat stürmte vom Podium - Ägyptens Präsident Mubarak, US-Außenminister Christopher, Rußlands Außenminister Kosyrew stürmten ihm nach. Zwei Minuten lang redeten sie auf Arafat ein. Der Grund: Arafat störte, daß der Bezirk Jericho vorläufig nur 62 qkm umfassen soll. Er setzt sich vor den Vertrag und schrieb 5 lange Minuten in Arabisch seinen Kommentar dazu. Dann unterschrieb er.

08.05.1994

Ein Palästinenser griff in der jüdischen Siedlung Betar einen US-Touristen mit einem Messer an - leicht verletzt. 10 Verdächtige festgenommen.

09.05.1994

Jüdischer Siedler erschießt im Gazastreifen palästinensischen Jungen (14).

10.05.1994

Erste PLO-Polizisten treffen in Jericho ein.

13.05.1994

Nach dem Rückzug der israelischen Armee aus Jericho steht die Stadt im Westjordanland offiziell unter Kontrolle der palästinensischen Polizei. Nach nunmehr 27 Jahren israelischer Besetzung wird Jericho die erste autonome palästinensische Gemeinde.

In Mardschajan, Libanon, wird ein Mitglied der pro-israelischen Miliz bei Bombenanschlag getötet.

14.05.1994

Palästinensische Selbstverwaltung nimmt immer mehr an Gestalt an.

15.05.1994

US-Außenminister Christopher beginnt Nahostreise, um die Aussöhnung zwischen Syrien und Israel voranzubringen.

17.05.1994

Israel übergibt die Zivilverwaltung im Gazastreifen an die palästinensische Autonomiebehörde.

Zwei Israelis in Hebron von palästinensischen Extremisten erschossen. Ein weiterer Israeli wurde schwer verletzt.

20.05.1994

Im Gazastreifen werden zwei israelische Soldaten  erschossen.

21.05.1994

Israelisches Kommando entführt schiitischen Milizenführer in der Bekaa-Ebene, Ostlibanon..

Der Gazastreifen soll abgesperrt bleiben, bis die Palästinenser Polizeisperren vor den Übergangsstellen eingerichtet haben.

02.06.1994

Israelische Kampfflugzeuge fliegen Angriffe auf ein Ausbildungslager der pro-iranischen Hisbollah in Bekaa-Tal, Ostlibanon. 45 Freischärler wurden dabei getötet, 90 weitere verletzt.

Stunden nach dem Angriff auf den Südlibanon schlagen 4 Katjuscha-Raketen in Nordisrael aus dem Südlibanon ein, trafen aber nichts.

PLO-Chef Arafat ist in Tunis, Tunesien, nach Mitteilung von Funktionären und Diplomaten ernstlich erkrankt. Die Ärzte wollen ihn in eine Klinik im jordanischen Amman einweisen. Dem 64jährigen wurde dort vor 2 Jahren nach einem Flugzeugabsturz ein Blutpfropfen im Gehirn entfernt. Ehefrau Suha Arafat bestätigt gesundheitliche Probleme. Amerikanische Senatoren, die vorige Woche mit Arafat zusammentrafen, sagten : Der PLO-Chef wirkte müde und konnte kaum sprechen.“ Arafat soll Beruhigungspillen schlucken.

03.06.1994

Im Libanon wurde ein UNO-Soldat erschossen, ein zweiter wurde schwer verwundet. 100.000 Hisbollah-Anhänger schwören Rache für die israelischen Luftangriffe.

Brandanschlag auf das Haus des Bürgermeisters von Bethlehem im Westjordanland. Zweiter Anschlag in zwei Wochen.

08.06.1994

Unterzeichnung dreier Dokumente in Washington, die Detailfragen zu der am 14.09.1993 unterzeichneten Friedenstagesordnung regeln.

12.06.1994

In Hebron wurden die Zwangsmaßnahmen aufgehoben.

20.06.1994

Bei einem Raketenangriff der pro-iranischen Hisbollah-Miliz in Beirut, Libanon, sind drei israelische Soldaten getötet worden.

24.06.1994

Israel und Jordanien sollen nach bisher geheimgehaltenen Informationen ein Friedensabkommen geschlossen haben.

01.07.1994

Historischer Besuch Arafats in den autonomen Gebieten nach 27 Jahren im Exil. Vier Tage später werden in Jericho die Mitglieder der palästinensischen Autonomiebehörde vereidigt.

03.07.1994

In Gaza gibt es heftige Proteste konservativer Israelis gegen den Arafat-Besuch.

08.07.1994

Im Westjordanland randalieren erneut jüdische Siedler wegen der gestrigen tödlichen Anschläge der Palästinenser.

09.07.1994

König Hussein gibt in Amman, Jordanien, bekannt, zu einem Treffen mit Israels Ministerpräsidenten Rabin bereit zu sein. Grund soll Druck der USA“ sein.

11.07.1994

Arafat mit offizieller Zeremonie aus dem Exil in Tunis, Tunesien, verabschiedet.

12.07.1994

Arafat nach 27jährigem Exil im Gazastreifen eingetroffen.

17.07.1994

2 Palästinenser am Übergang Erez (Gazastreifen-Israel) von israelischen Soldaten  erschossen.

18.07.1994

Erste offizielle Friedensgespräche zwischen Israel und Jordanien im Nahen Osten.

19.07.1994

An der Grenze Ägypten-Gazastreifen (Rafah) haben islamische Extremisten einen israelischen Offizier in eine Falle gelockt und erschossen.

25.07.1994

Fünf Tage nach einem historischen Besuch von Peres in Jordanien unterzeichnen König Hussein und Regierungschef Rabin in Washington eine Erklärung, mit der der Kriegszustand beendet wird, die sogenannte Washingtoner Erklärung“.

 

03.08.1994

Zum erstenmal seit 46 Jahren durfte Jordaniens König Hussein (58) mit seinem königlichen Jet über Israel fliegen. Hussein wurde von 3 israelischen Jagdflugzeugen begleitet. Über Funk grüßte Ministerpräsident Rabin. Die Grenze zwischen Israel und Jordanien wurde offiziell geöffnet.

04.08.1994

Zwei israelische Soldaten wurden im Westjordanland von Unbekannten beschossen.

06.08.1994

Hisbollah-Milizen töten zwei israelische Soldaten in der Sicherheitszone“.

08.08.1994

In Arawa wird der erster Grenzübergang zwischen Israel und Jordanien eingeweiht. Zunächst dürfen nur Personen aus Drittländern den Übergang nutzen.

In Jericho, Palästinensisches Autonomiegebiet, wird die Deutsche Vertretung eröffnet.

13.08.1994

Drei Israelis verletzt, als ihr Fahrzeug im Gazastreifen von unbekannten Tätern beschossen wurde.

14.08.1994

Im Gazastreifen wird ein Israeli erschossen.

15.08.1994

Bei einem Bombenanschlag auf israelische Militärpatrouille im Westjordanland werden drei Soldaten verletzt.

18.08.1994

Hisbollah-Terroristen beschießen israelische Stellungen im Südlibanon. Mindestens 2 Israelis verletzt.

23.08.1994

Israelische Soldaten erschießen 2 Terrorpalästinenser, die in ein Dorf in der südlibanesischen Sicherheitszone eingedrungen waren.

29.08.1994

Unterzeichnung eines Abkommens zur Übergabe der Zivilverwaltung in den Bereichen Soziales, Tourismus, Finanzen und Gesundheit im Westjordanland an die Palästinenser.

01.09.1994

Israel und Marokko nehmen diplomatische Beziehungen auf.

07.09.1994

Israelische Polizisten erschießen zwei Palästinenser in Tel Aviv. Sie hatten versucht, mit gestohlenen Autos eine Straßensperre zu durchbrechen.

25.09.1994

Bei einem Anschlag auf jüdische Siedler in Jerusalem wurde ein Mann schwer verletzt.

02.10.1994

In Jerusalem schließen Israel und Tunesien ein  Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen.

10.10. 1994

Massaker im Vergnügungsviertel Jerusalems. 13 Schwerverletzte, eine junge Soldatin und ein Araber tot.

12.10.1994

Der israelische Soldat (19), der im Gazastreifen entführt wurde, ist noch immer in der Gewalt seiner Entführer. Bis Freitag Abend sollen Palästinenser freigelassen werden, sonst wird er ermordet.

14.10.1994

In Stockholm, Schweden, erhalten Israels Ministerpräsident Yitzhak Rabin (72), Israels Außenminister Schimon Peres (71) und PLO-Führer Jassir Arafat (65) den FRIEDENSNOBELPREIS.

Der israelische Soldat Nachschon Waxmann (19) ist bei einem Befreiungsversuch getötet worden. Außerdem starben ein israelischer Soldat und drei Terroristen

15.10.1994

Die Hamas-Bewegung droht mit weiteren Gewalttaten. PLO will weiterverhandeln.

19.10.1994

Sprengstoffanschlag auf einen vollbesetzten Bus in Tel Aviv. 22 Menschen kamen ums Leben, 42 weitere wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Die Polizei vermutet einen Selbstmordattentäter. Kurz nach dem Anschlag bekannte sich ein anonymer Anrufer beim israelischen Rundfunk im Namen des militärischen Flügels der Untergrundorganisation Hamas zu dem Anschlag. Israels Außenminister Rabin bricht seinen Besuch in GB ab. Am Nachmittag dann eine Krisensitzung in Jerusalem. Oppositionschef Netanjahu macht Rabin wegen dessen Politik gegenüber den Palästinensern persönlich für die Entwicklung verantwortlich. PLO-Chef Arafat kritisierte das Attentat auf das Schärfste. Israel schließt die Grenzen zum Westjordanland und zum autonomen Gaza-Streifen. Ungeachtet dessen setzen die Delegationen Israels und der Palästinenser ihre Gespräche in Kairo zunächst fort. Am Nachmittag werden die Gespräche dann unterbrochen.

24.10.1994

Israel und PLO einigen sich auf gemeinsamen Kampf gegen palästinensische Extremisten und die Fortsetzung des Friedensprozesses.

26.10.1994

Im Beisein von US-Präsident Clinton unterzeichnen die Regierungschefs Israels und Jordaniens, Rabin und Abdel Salam Madschali, am neugeschaffenen Grenzübergang Araba den Friedensvertrag. Damit ist Jordanien das zweite arabische Land nach Ägypten (1979), das mit Israel Frieden schließt.

01.11.1994

Die Grenzen zum Westjordanland werden geöffnet, Arbeitsverbote aufgehoben.

Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu Marokko auf.

03.11.1994

Arafat flüchtet unter dem Schutz seiner Leibwächter aus einer Moschee im Gazastreifen. Islamische Extremisten hatten lautstark demonstriert, immer wieder Arafat raus“ gerufen.

07.11.1994

Grabmal des Patriarchen in Hebron wurde wieder zugänglich gemacht. Juden und Moslems dürfen nur noch getrennt hinein.

08.11.1994

In Israel ist die Cholera ausgebrochen. 5 Kranke in Klinik.

09.11.1994

Jordaniens König Hussein erstmals auf Staatsbesuch in Israel.

10.11.1994

Israel und Jordanien eröffnen einen zweiten Grenzübergang.

11.11.1994

Explosion einer Autobombe im Gazastreifen. Attentäter und 3 israelische Soldaten tot, 7 israelische Soldaten und 4 Palästinenser zum Teil schwer verletzt.

12.11.1994

Im Gazastreifen werden mindestens 65 Mitglieder der Fundamentalistenorganisation Islamischer Heiliger Krieg (Dschihad) festgenommen.

18.11.1994

Palästinenserpolizei erschießt 10 islamistische Demonstranten in Gaza. Mehr als 150 Personen wurden verletzt. Ausgangssperre nach schweren Zusammenstößen vor der Falistin-Moschee.

19.11.1994

Zwei Araber starben bei einer Demonstration gegen PLO-Chef Arafat in Tuljarm, Westjordanland.

In Netzarim, Gazastreifen, wurde ein 17jähriger wurde bei einer Demonstration getötet.

Israelischer Soldat an einem Kontrollpunkt im Gazastreifen von unbekannten Männern beschossen und schwer verletzt. Am Abend verstirbt der Soldat.

22.11.1994

Auf das Haus eines deutschen Diplomaten in Tel Aviv ist ein Molotow-Cocktail geworfen worden. Schaden wurde nicht angerichtet. Hintergründe unklar.

25.11.1994

Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Palästinensergruppen im Libanon sind nach Angaben der PLO 10 Menschen getötet und 12 weitere verletzt worden.

27.11.1994

Nahe der Stadt Hebron ist ein Rabbi von palästinensischen Extremisten aus einem Auto erschossen worden.

30.11.1994

Eine Soldatin ist von Palästinensern in Afula mit einem Beil schwer verletzt worden. Sie verstarb im Krankenhaus.

06.12.1994

Präsident Weizmann empfängt Bundespräsident Herzog in Tel Aviv zum Staatsbesuch. Gespräche mit Peres und Rabin stehen bevor.

11.12.1994

In Amman, Jordanien, wird eine israelische Botschaft eröffnet.

In Tel Aviv, Israel, wird eine jordanische Botschaft eröffnet.

23.12.1994

Moslemische Guerillas haben Angriffe gegen israelische Stellungen im Südlibanon verstärkt. Zwei Polizisten starben, als ein israelischer Hubschrauber ihr Auto mit einer Rakete beschoß. Zuvor war ein israelischer Soldat getötet worden.

25.12.1994

Palästinensische Extremisten verüben Anschlag in einem Busbahnhof in Jerusalem. 12 Menschen werden verletzt. Der Attentäter, der den Sprengstoff vermutlich am Körper trug, kam ums Leben. Einer der Verletzten schwebt in Lebensgefahr. Zum Anschlag bekannte sich die Kampfgruppe Kassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas. Die Hamas haben nach Angaben des israelischen Rundfunks weitere Anschläge angekündigt. PLO-Chef Arafat verurteilt den Anschlag als kriminellen Akt“.

1995

02.01.1995

Regierung will den Bau der jüdischen Siedlung Ephrat im besetzten Westjordanland stoppen. Arafat hatte gedroht, der Weiterbau könne den gesamten Frieden gefährden. In den letzten Wochen war es immer wieder zu Auseinandersetzungen und Protesten gekommen.

Israelische Soldaten erschießen vier Angehörige der Palästinenserpolizei in Hanun, Gazastreifen.

04.01.1995

Schießerei zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Polizisten im Gazastreifen. Vier Palästinenser tot.

 

06.01.1995

Aus Sicherheitsgründen dürfen Israelis nicht mehr in die Stadt Jericho, Autonomes Palästinensergebiet. Dies entschied die israelische Armeeführung.

Schießerei im Gazastreifen. Eine Israelin getötet, ein weiterer verletzt.

15.01.1995

Israelische Kampfflugzeuge greifen Guerillastellungen im Libanon an.

22.01.1995

Brandanschlag an einer Bushaltestelle in Netanja. 18 Menschen getötet, 62 weitere verletzt; 13 von ihnen lebensgefährlich. Unter den Toten sind auch die beiden Attentäter. Die radikale Splittergruppe Islamischer Heiliger Krieg“ und die Hamas-Organisation bekannten sich in anonymen Anrufen. PLO-Chef Arafat verurteilte den Anschlag. Israel riegelte den Gazastreifen und das Westjordanland vollkommen ab.

24.01.1995

Regierung beschließt, trotz des letzten Terroranschlages, an den Friedensgesprächen mit den Palästinensern festzuhalten. Aus Sicherheitsgründen werde aber eine dauerhafte Trennung der beiden Völker erwogen. Die PLO kritisiert diese Trennungsvorschläge. Trennung bedeute gegenwärtig Belagerung und Gefangenschaft“. Sie könne nur auf der Grundlage eines Palästinenserstaates erfolgen. Im Westjordanland und in Ostjerusalem wurden 56 Fundamentalisten festgenommen. Die USA haben Guthaben von 12 radikalen Organisationen eingefroren.

27.01.1995

Razzia in Berufsschule im Westjordanland. Über 20 mutmaßliche islamische Fundamentalisten verhaftet.

30.01.1995

Die moslemische Terrororganisation Heiliger Krieg“ droht Israel mit weiteren Selbstmordanschlägen.

Gemüsebauer in Tel Aviv haben eine salzige Tomate gezüchtet.

04.02.1995

Israelische Soldaten riegeln die Stadt Jericho vom Westjordanland ab. Gründe wurden nicht genannt.

06.02.1995

Israeli bei palästinensischem Überfall im Gazastreifen getötet, weiterer schwer verletzt.

08.02.1995

Jerusalem, Israel : Schneechaos fordert mindestens 10 Todesopfer.

14.02.1995

Ein Toter bei Gedenkfeiern in Hebron für das Attentat vor einem Jahr. 7 weitere Palästinenser verletzt.

15.02.1995

Israel ist zum Teilabzug seiner Truppen aus dem besetzten Westjordanland bereit.

19.02.1995

Die Grenzen zum Westjordanland wurden teilweise geöffnet. Die drei jüdischen Siedlungen sind vom Parlament gebilligt worden.

Mindestens 5 Tote und 6 Verletzte bei Kämpfen im Südlibanon zwischen pro-iranischen Hisbollah-Milizen und der israelischen Armee.

10.03.1995

Israel hat die Seeblockade der Südküste Libanons aufgehoben.

17.03.1995

Israelische Schnellboote haben 20 libanesische Fischerboote bei Tyrus, Libanon, beschossen. Verletzt wurde niemand.

19.03.1995

Bei Hebron, Westjordanland, gab es 2 Tote und 4 Verletzte bei einem Feuerüberfall auf einen Bus mit Israelis.

21.03.1995

Ausgangssperre für das Westjordanland nach dem gestrigen Anschlag auf den Bus verhängt.

Hunderte israelischer Siedler demonstrierten vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten Rabin in Jerusalem. Berittene Polizei trieb die Demonstranten auseinander und verfolgte sie.

21.03.1995

Grenze zum Gazastreifen geschlossen nachdem ein Lkw mit Sprengstoff beschlagnahmt wurde.

23.03.1995

Die Armee lockert das Ausgehverbot für Hebron.

28.03.1995

Schießerei vor dem Amtssitz des palästinensischen Regierungschefs in Hebron. Rivalisierende Leibwächter waren die Beteiligten. Verletzt wurde niemand.

31.03.1995

Israelische Kampfhubschrauber haben ein Auto mit Raketen in Tyrus, Libanon, zerstört und beide Insassen, ranghohe Vertreter der Hisbollah, getötet.

02.04.1995

Abriegelung der palästinensischen Gebiete gelockert. 2.000 Palästinensern wurde eine Arbeitserlaubnis erteilt.

Bombenexplosion in Gaza. Mindestens 8 Menschen, darunter ein Kind, starben bei einer schweren Explosion in einem Wohnhaus. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt, als Anhänger der Hamas-Bewegung aus flüssigem Sprengstoff eine Bombe bauten, die dabei explodierte.

09.04.1995

Mindestens 7 Tote und 30 Verletzte bei Bombenanschlag auf einen israelischen Bus in Kfar Darom, Gazastreifen. Mehrere Verletzte schweben in Lebensgefahr. Ein palästinensischer Pkw soll mit einer Bombe in den Bus gerast sein.

Palästinenser beschießen Krankenwagen in Netzarim, die Verletzte des Anschlags von Kfar Darom transportieren. Bei einem Schußwechsel zwischen Siedlern und Palästinenser werden mehrere Menschen verletzt.

Bei einem weiteren Selbstmordattentat im Gazastreifen kamen 2 Menschen ums Leben; rund 15 weitere wurden verletzt.

13.04.1995

Palästinensergebiete für Palästinenser vollständig wegen des Osterfestes aus Angst vor Anschlägen abgeriegelt.

16.04.1995

Israelische Soldaten erschießen 3 Mitglieder der Hamas-Bewegung in Hebron.

25.04.1995

Mindestens 9 israelische Soldaten bei Selbstmordattentat im Südlibanon ermordet.

26.04.1995

Israelischer Journalist wegen Justizbeleidigung in Tel Aviv zu Geldstrafe verurteilt.

27.04.1995

Um 10:00 Uhr ertönten landesweit alle Sirenen. Für zwei Minuten erstarrten die Menschen. Autofahrer stiegen aus ihren Fahrzeugen, stellten sich daneben. Menschen blieben wo sie gerade waren stehen und verharrten. Israel gedachte am Tag der Vernichtung und des Heldengedenkens“.

04.05.1995

Feiern zum 47. Jahrestag der Staatsgründung.

05.05.1995

Israel ist mit mehreren Katjuscha-Raketen aus dem Libanon angegriffen worden. Mindestens 6 Menschen wurden in Galiläa verletzt.

08.05.1995

Israel hat 258 Palästinenser freigelassen.

15.05.1995

Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth mit dem David-Ben-Gurion-Preis geehrt.

31.05.1995

Im Norden Israels sind mehrere von Libanon aus abgeschossene Raketen eingeschlagen.

07.06.1995

Der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl besucht in Jericho Yassir Arafat, der nennt Kohl einen Freund.

13.06.1995

Hunderte von jüdischen Siedlern besetzten leerstehende Wohnungen im Westjordanland. Sie protestieren gegen den geplanten Abzug der israelischen Armee aus dem besetzten Westjordanland.

14.06.1995

An der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen sind drei Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen worden. Unter den erschossenen Palästinenser sind zwei Angehörige der Leibwache Arafats.

23.06.1995

Terroranschlag auf die Ferienanlage Club Med“ in Galiläa. 4 Katjuscha-Raketen explodierten - 1 Toter und 8 Verletzte. Verantwortlich für das Blutbad sind fanatische Araber der Hisbollah-Miliz.

03.07.1995

Zwei israelische Soldaten starben durch die Explosion einer am Straßenrand deponierten Bombe im Südlibanon.

09.07.1995

Katjuscha-Werferraketen in Nordisrael eingeschlagen. Sie waren von Freischärlern im Libanon abgefeuert worden. Der Angriff soll die Antwort auf einen israelischen Raketenangriff auf den Ort Nabatijeh, bei dem gestern Abend zwei Mädchen starben, sein. Israel hatte offenbar mit einem Angriff gerechnet - die Bevölkerung brachte sich rechtzeitig in den Luftschutzkellern in Sicherheit.

24.07.1995

Selbstmordattentäter zündet Bombe in Linienbus in Tel Aviv - 8 Tote und 31 Verletzte.

09.08.1995

Israel will den Gazastreifen um 00:00 Uhr MESZ aus Sicherheitsgründen bis Freitag Abend schließen.

11.08.1995

Teilabkommen zwischen Israel und der PLO über die Ausweitung der palästinensischen Autonomie im Westjordanland.

12.08.1995

Israelischer Soldat bei Granatangriff der Hisbollah im Südlibanon verletzt.

19.08.1995

Israelisches Militär beschießt Stellungen der Hisbollah im Südlibanon.

21.08.1995

Sechs Tote und über 100 Verletzte bei Selbstmordanschlag in einem israelischem Bus in Jerusalem. Die Bombe, die die Attentäterin offenbar am Körper trug, wurde gezündet, als ein zweiter Bus überholte. Beide Busse fingen Feuer.

23.08.1995

Offenbar Hintermänner der Busattentate verhaftet.

 

24.08.1995

Etwa 3.000 rechtsgerichtete Israelis protestieren in Jerusalem gegen die Versöhnungspolitik mit den Palästinensern. Bei Zusammenstößen mit der Polizei vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Rabin wurden drei Polizisten verletzt.

25.08.1995

Israelische Soldaten töten bei Feuergefecht drei arabische Freischärler im Südlibanon. Ein Israeli wurde verwundet.

04.09.1995

Auftakt der 3000-Jahr-Feiern in Jerusalem..

24.09.1995

Israel und PLO einigen sich in Taba, Ägypten, über das Autonomieabkommen.

                1.   Abzug und Umgruppierung der israelischen Truppen :  Aus den Städten Bethlehem, Dschenin, Kalkilja, Nablus, Ramallah, Tukarem sowie 450 Kleinstädten und Dörfern wird das israelische Militär abgezogen. In Hebron bleiben zum Schutze der 400 jüdischen Siedler Truppen stationiert.

                2.   Wahlen : Die Palästinenser werden einen 82 Mitglieder zählenden Selbstverwaltungsrat wählen, der gesetzgebende und ausführende Kompetenzen haben wird. Die Amtszeit wird fünf Jahre betragen. Ferner wird der Leiter der Regierungsbehörde, der Präsident, direkt gewählt. Die Wahlen werden 22 Tage nach Abschluß des israelischen Rückzuges stattfinden. Die PLO hat den 20. Januar als Wahltermin genannt.

                3.   Verwaltung :  Die Palästinenser werden das Gebiet "A" vollständig kontrollieren. Das sind die großen Städte des Westjordanlandes, die 30 Prozent der Gesamtfläche von rund 6.000 Quadratkilometern ausmachen. 68 Prozent oder das Gebiet "B" werden weiterhin unter israelischer Zuständigkeit bei der Sicherung der öffentlichen Ordnung und der Terrorbekämpfung stehen. Darüber hinaus gibt es ein Gebiet "C", das für Israel und die jüdischen Siedler von herausragender strategischer Bedeutung ist. Über diesen Sektor wird Israel die volle Kontrolle haben.

                4.   PLO-Charta : Die PLO sagt zu, die Artikel aus ihrer Charta zu streichen, in denen zur Vernichtung Israels aufgerufen wird.

                5.   Zusammenarbeit : Israel und die Palästinenser werden gemeinsame Patrouillen bilden, die Israelis durch palästinensische Gebiete gewährleisten sollen. Palästinensische Polizisten werden nicht berechtigt sein, Israelis festzunehmen.

     6.   Heilige Stätten : Bis auf das Grab des Patriarchen in Hebron werden alle heiligen Stätten den Palästinensern übergeben. Sondervereinbarungen gibt es für das Grab Rachels in Bethlehem und das Grab Josephs in Nablus.

     7.   Hebron : Israel behält das Recht, seine in Hebron lebenden Bürger und die, die heilige Stätten besuchen, zu schützen. Ein halbes Jahr nach Unterzeichnung des Abkommens in Washington werden die israelischen Truppen in der Stadt umgruppiert.

8.     Wasser : Israel wird die Wasserversorgung palästinensisch bewohnter Gebiete um 28 Millionen Kubikmeter erhöhen. Eine darüber hinausgehende Steigerung wird von der verfügbaren Gesamtmenge abhängig gemacht. Zu deren Verwaltung wird ein gemeinsames Wasserkomitee geschaffen.

 

Gefangene : Die rund 5.000 in Israel inhaftierten Palästinenser sollen in drei Stufen freikommen. Die erste wird nach Unterzeichnung des Abkommens beginnen, die zweite am Vorabend der Wahlen und die dritte nach separat festgelegten Kriterien.

28.09.1995

PLO-Führer Arafat und Israels Premier Rabin unterzeichnen das erste Autonomieabkommen in Washington, USA, im Beisein von US-Präsident Bill Clinton.

10.10.1995

Israel hat in Tel Aviv die ersten 50 von rund 1.200 inhaftierten Palästinenser freigelassen.

 

11.10.1995

Knapp 900 palästinensische Häftlinge wurden bislang freigelassen.

12.10.1995

Drei israelische Soldaten bei Angriff der pro-iranischen Schiitenmiliz Hisbollah im Südlibanon getötet.

17.10.1995

Abriegelung des Gazastreifens und des Westjordanlandes aufgehoben.

24.10.1995

US-Senat beschließt Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem.

01.11.1995

Südlibanon : Gefechte zwischen radikalen Freischärlern und der Artillerie Israels und dessen südlibanesischen Verbündeten.

04.11.1995

Ministerpräsident Rabin bei einer Kundgebung in Tel Aviv vor rund 100.000 Menschen um 20:45 Uhr von einem 27jährigen jüdischen Israeli, der Jurastudent Jigal Amir, angeschossen. Rabin wurde von drei Schüssen in Milz, in der Brust und an der Wirbelsäule getroffen, als er im Begriff war, in sein Auto zu steigen. Auch ein Sicherheitsbeamter wurde von zwei Schüssen verletzt. Außenminister Peres, der auch anwesend war, blieb unverletzt. Rabin wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Auf dem Weg zum Krankenhaus sagte Rabin: Es tut weh, aber es ist  nicht so schlimm.“ Diese Worte wurden von seinem Fahrer Menachem Damati gehört. Eine Notoperation wurde sofort eingeleitet. Der Attentäter wurde festgenommen. Eine bislang unbekannt jüdische Organisation namens Die Jüdische Rache“, Gegner des israelisch-palästinensischen Friedensprozeßes, hat die Verantwortung für das Attentat übernommen. Etwa eine Stunde (22:11 Uhr) nach dem Attentat stirbt Rabin. Rabins Ehefrau Lea und Außenminister Peres saß an seinem Bett. Kurz danach hat Peres eine Sondersitzung des Kabinetts einberufen; die Armee wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Peres übernimmt noch in der Nacht gemäß Verfassung die Regierungsgeschäfte und spricht sich für eine Fortsetzung des Friedensprozeßes aus.

Oppositionsführer Benjamin Netanjahu, dessen Likud-Partei die Politik der Aussöhnung heftig kritisiert hatte, kündigt an, sich einer Regierungsneubildung unter Peres nicht in den Weg stellen zu wollen.

Rabin hatte auf der Friedensdemonstration eine flammende Rede zum israelisch-palästinensischen Frieden gehalten. Es war das erstemal, daß er [Rabin] mit uns sang. Er sagte immer, er könne nicht singen“, berichtet Schimon Peres später. Vielleicht war dies der glücklichste Augenblick seines Lebens.“ Die letzten Worte von Rabins Rede waren : Ich war 27 Jahre lang ein Mann des Krieges. Ich habe Krieg geführt, solange es keine Chance auf Frieden gab. Ich glaube, jetzt gibt es diese Chance, eine große Chance.“

05.11.1995

Der Mörder von Ministerpräsident Rabin wollte nach Informationen von Polizeiminister Schahal auch Außenminister Peres töten. Der Täter gab an, er habe sich von Gott zu dem Mord beauftragt gefühlt. Er habe allein und mit kaltem Blut gehandelt. Unterdessen haben sich mehrere jüdische Organisationen zu dem Mord bekannt. In mehreren Städten im Libanon und dortigen Palästinenserlagern wurde auf die Nachricht von der Ermordung Rabins mit Freudenschüssen reagiert. Die radikale Palästinenserorganisation Dschihad sprach ebenfalls von einem Freudentag“.

Die israelische Armee hat unterdessen den Rückzug aus dem besetzten Westjordanland ausgesetzt. Der Gazastreifen und das Westjordanland wurden bis auf weiteres abgeriegelt.

Peres will den Friedensprozeß als Rabins Testament“ fortsetzen.

Die Leiche Rabins wurde in einem Trauerzug von Tel Aviv nach Jerusalem überführt. Dort soll sie im Parlament aufgebahrt werden. Tausende Zivilisten begleiteten das Geleit und nahmen am aufgebahrten Sarg vor dem Parlament Abschied von Rabin.

Reaktionen auf den Mord :

PLO-Chef Arafat sagte, er sei über das Verbrechen schockiert : Eine Tragödie. Mein Beileid, im Namen aller Palästinenser.“

Ägyptens Präsident Mubarak bezeichnet Rabin als Mann des Friedens und sprach von einem heimtückischen Anschlag : Ein Märtyrer des Friedens.“

Bundespräsident Herzog sprach seinem israelischem Amtskollegen Ezer Weizmann in einem Telegramm im Namen der Bundesrepublik das Mitgefühl aus : Die Ermordung von Ministerpräsident Yitzhak Rabin hat mich entsetzt und erschüttert. Im Namen aller meiner Landsleute spreche ich Ihnen und dem israelischen Volk mein tiefstes Mitgefühl aus und bitte Sie, dies den Angehörigen Yitzhak Rabins zu übermitteln.“ So wie er werden auch Bundestagspräsidentin Süssmuth, Bundeskanzler Kohl und Außenminister Kinkel zu den Trauerfeierlichkeiten nach Jerusalem reisen. In Bonn und Berlin gedachten hunderte Menschen vor den israelischen Botschaften.

Bundeskanzler Helmut Kohl : Der feige Mord traf einen Mann, der durch großen Mut und den vollen Einsatz seiner Persönlichkeit den Frieden im Nahen Osten erreichen wollte.  ... Aus zahlreichen Gesprächen, die ich in den vergangenen Monaten mit Yitzhak Rabin geführt habe, weiß ich, daß er die Gefahr für sein Leben kannte. Für ihn aber war wichtig, daß jede Chance genutzt wird, endlich Frieden für die Menschen in der von soviel Leid getroffenen Region zu schaffen. ... Er hat im Kampf für den Frieden sein Leben verloren. Die Deutschen trauern mit seiner Frau, mit seiner Familie, mit dem israelischen Volk und allen friedliebenden Menschen in der Welt.“

SPD-Chef Scharping berichtet über nachdenkliche Worte Rabins bei seinem Besuch vor wenigen Tagen, am letzten Mittwoch sprach er mit Rabin, in Israel : Der Friede ist es wert, ein hohes Risiko einzugehen. Auch Sadat ist ein Risiko eingegangen, wurde dann 1981 ermordet.“ Zum Abschied habe ihm Rabin fest die Hand gedrückt und gesagt : Shalom. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder...“ Über den Mord sagt Scharping : Der Mord ist Ausdruck eines gefährlichen Fundamentalismus und eines zum Frieden unfähigen Hasses.“

Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth : Ich verneige mich in tiefer Trauer vor diesem großen Staatsmann Israels.“

CSU-Chef Theo Waigel sagte, es sei eine Tragödie, daß ausgerechnet politische Persönlichkeiten, die sich in besonderem Maße für Frieden und Versöhnung eingesetzt haben, Attentaten zum Opfer fallen müssen.“

Die Sprecher der Grünen, Krista Sager und Jürgen Trittin, erklärten : Rabins Lebensweg ist ein Beispiel dafür, daß Dialog und Menschlichkeit letztendlich eher zum Ziel führen als Konfrontation.“

Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky und der Chef der PDS-Bundestagsgruppe, Gregor Gysi, drückten dem israelischen Volk und der israelischen Regierung ihre Anteilnahme aus.

Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt nannte Rabin einen herausragenden Friedensgestalter“ im Nahen Osten. Man werde in als großen Politiker in Erinnerung behalten, der alles daran gesetzt habe, alte Feindbilder und engstirniges Denken zu überwinden und dem eigenen Volk über Tabuschwellen hinwegzuhelfen.

Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland : Daß es auch auf israelischer Seite solche Mörder gibt, ist unbegreiflich. Die Nachricht war für mich der gleiche Schock, wie das Attentat auf John F. Kennedy.“

US-Präsident Clinton reagierte erschüttert. Rabin sei ein Mann des Friedens gewesen : Die Welt hat einen ihrer größten Männer verloren - einen Kämpfer für die Freiheit seines Landes und jetzt einen Märtyrer für den Frieden seines Landes. Ich habe Rabin bewundert, und ich habe ihn sehr geliebt. Auf Wiedersehen, Freund.“

Papst Johannes Paul II. : Die Kugeln des Attentäters haben das Herz aller Menschen guten Willens getroffen.“

Jordaniens König Hussein : Ich trauere wirklich um einen Freund.“

Frankreichs Staatschef Chirac : Ich bin tief bestürzt.“.

Südafrikas Präsident Mandela : Ich bin sehr schockiert und beunruhigt.“

Rußlands Präsident Jelzin erklärte, offenbar wollten extremistische Kräfte den Friedensprozeß zum Scheitern bringen : Ich bin erschüttert. Sein Name wird in die Geschichte eingehen.“

Irans Präsident Rafsandschani: Das ist die Strafe Gottes.“ Die iranische Nachrichtenagentur Irna titelt : Rabin tot. Mit gleicher Münze heimgezahlt.“ Weiterhin bezeichnet sie Rabin als glühenden Anwalt für den Staatsterrorismus“.

Der Führer der in Damaskus ansässigen Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando (PFLP-GC), Ahmed Dschibril, sagte : Wir bedauern Rabins Tod nicht, weil er selbst ein terroristischer Mörder war.“

Palästinensische Extremisten : Wir bedauern den Tod dieses Terroristen nicht.“

Die libysche Nachrichtenagentur Jana schreibt : Seine Hände sind beschmiert mit dem Blut der Opfer, die ihr Leben für die Befreiung Palästinas gegeben haben.“

Der Bruder des Attentäters Jigal Amir, Hagaj Amir, wurde festgenommen.

06.11.1995

Der am Samstag ermordete Ministerpräsident Yitzhak Rabin ist auf dem Heldenfriedhof auf dem Herzl-Berg beigesetzt worden. In einem ganz einfachen Sarg wurde Rabin wie ein gefallener israelischer Soldat beigesetzt. So war es sein Wunsch.

Tausende von Israelis und rund 40 Staats- und Regierungschefs sowie über 2.500 hochrangige Politiker aus aller Welt begleiteten Rabin auf seinem letzten Weg. Unter den Trauergästen war auch Ägyptens Präsident Mubarak, der erstmals seit seinem Amtsantritt Israel besuchte. Ein Abgesandter Syriens, die heute neue Friedensverhandlungen mit Israel fordern, war nicht anwesend. Jordaniens König Hussein, erstmals seit der Besetzung Ostjerusalems durch Israel im Jahre 1967 wieder in Jerusalem, würdigte Rabin als Soldaten des Friedens“. Ägyptens Präsident Mubarak forderte eine Verdopplung der Friedensbemühungen im Nahen Osten. Bedeutend war die Anwesenheit von Hussein und Mubarak wegen der Tatsache, daß beide bislang einen Besuch in Jerusalem verweigert hatten.

Besonders ergreifend war die Situation, als Rabins Enkelin Noa Ben Artzi unter Tränen zu ihren Großvater sprach : Verzeiht mir, daß ich nicht über den Frieden sprechen möchte. Ich möchte von meinem Großvater sprechen. Gestern wachte ich in einem Alptraum auf. Das Leben ohne dich, das kann man nicht verkraften. Deine Bilder werden im Fernsehen ständig ausgestrahlt. Du bist so plastisch, daß ich dich fast berühren kann, fast, weil ich es nicht mehr kann. Opa, Du warst mein Feuer vor dem Lager, jetzt sind wir das Lager ohne Feuer, ohne Fackel in der Finsternis. Ich weiß, daß Menschen in Begriffen von einem nationalen Unglück sprechen, aber versuch mal ein ganzes Volk zu trösten oder es am privatem Schmerz teilnehmen zu lassen, wenn Großmutter nicht aufhört zu weinen und wir ganz stumm die Leere bemerken, die sich hier aufgetan hat. Nur dein Lager, ohne die Fackel vor dem Lager. Größere als ich haben dich schon beweint, aber keiner hat diese Zärtlichkeit von dir bekommen. Diese weichen Hände, deine Umarmungen, die nur für uns waren. Und dein Lächeln, das mir immer soviel gesagt hat. Dieses Lächeln, das mit dir erfroren ist. Ich habe kein Gefühl der Rache, weil der Schmerz und der Verlust in mir so groß sind. Ich verabschiede mich von dir, und ich hoffe, daß du in Frieden ruhst und daß du Sehnsucht nach uns hast. Weil wir, hier unten, dich so gerne haben. Die Engel, die dich jetzt begleiten, bitte ich, daß sie dich bewahren und dich gut beschützen, weil du so einen Schutz brauchst. Wir haben dich lieb, Opa.“

Peres sagte, Rabin habe von Morddrohungen gewußt, bevor er zu der Kundgebung in Jerusalem ging, die für ihn tödlich endete.

Der Palästinenserpolitiker Schaath kam für Arafat aus Sicherheitsgründen zum Begräbnis.

Im ganzen Land heulten zu Beginn der Beisetzung die Sirenen. An dem vor dem Parlament aufgebahrten Sarg hatten während der Nacht über eine Million Israelis, ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, Abschied von Rabin genommen.

In New York legte die UN-Vollversammlung eine Gedenkminute ein.

Der Bruder des Attentäters Jigal Amir, Hagaj Amir, der gestern festgenommen wurde, hat gestanden, unwissentlich“ den Mord mit vorbereitet zu haben. Er habe die Geschosse, mit denen Rabin erschossen wurde, präpariert. Der Attentäter begründet seine Tat damit, Rabin würde für Frieden Land geben. Der Mord war nach dem religiösen jüdischen Gesetz meine Pflicht“.

Aus Regierungskreisen wurde bekannt, daß ein Untersuchungsausschuß klären soll, wie der Attentäter trotz der 20 Leibwächter in Rabins Nähe gelangen konnte.

07.11.1995

Absperrung des Gazastreifens und des Westjordanlandes teilweise wieder aufgehoben. Peres bestätigte außerdem den Termin der Palästinenserwahlen am 20.01.1996.

Rabin-Mörder war bereits vor zwei Monaten bei einer illegalen Siedlungserrichtung festgenommen worden.

Die Polizei nahm heute mehrere rechte Extremisten fest.

Tausende nehmen am Grab Rabins Abschied.

Mubarak und Arafat beraten in Kairo, Ägypten, über die Fortsetzung der Friedensbemühungen im Nahen Osten.

08.11.1995

Geheimdienstchef wegen des Mordes an Ministerpräsident Rabin zurückgetreten; Chef der Leibwache Rabins suspendiert. In einem Brief an die Witwe des ermordeten Ministerpräsidenten Rabin bittet die Familie des Attentäters um Vergebung für den scheußlichen Mord“. Der abscheuliche Mord bedeutet für die Menschen Israels und uns eine schreckliche Tragödie, die unsere Fundamente der Erziehung und Werte erschüttert, die wir unsere Kinder gelehrt haben : Liebe zum israelischen Volk, Respekt für die Mitmenschen, Liebe zum Land und für die jüdischen Werte. Zutiefst beschämt, in Trauer und mit gebeugtem Haupt bitten wir um Verzeihung von Frau Rabin, ihrer Familie und allen Menschen Israels.“ Drei weitere Verdächtige wurden festgenommen.

Ministerpräsident Peres hat unterdessen das Kabinett umgebildet : Jossi Beilin ist neuer Außenminister, der bisherige Innenminister Ehud Barak ist neuer Verteidigungsminister. Beide gelten als Vertraute Peres und als Vertreter der Friedenspolitik. Kurz vor der Kabinettsitzung erhielten einige Minister anonyme Morddrohungen. Peres erklärte, er wolle die Friedensverhandlungen mit Syrien baldmöglichst wiederaufnehmen.

Auf Beschluß des Obersten Gerichts muß die israelische Luftwaffe auch Frauen zu Piloten ausbilden. Die 23jährige Klägerin Alice Miller sagte nach dem Urteil mit Blick auf die Vorurteile ihrer künftigen männlichen Kameraden : Jetzt beginnt ein harter Kampf.“

Hamas will mit der PLO verhandeln.

PLO-Chef Arafat wird trotz der Ermordung Rabins Ende des Monats nach Deutschland kommen - geplant war ein gemeinsamer Besuch Rabin-Arafat.

09.11.1995

In der Wohnung des Rabin-Mörders Jigal Amir in Herslija hat die israelische Polizei ein umfangreiches Waffenlager entdeckt : Granaten, Sprengstoff, Zünder. Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, daß Amir doch kein Einzeltäter war. Für Polizeiminister Schahal steht fest, daß eine Gruppe von Rechtsextremisten Rabins Ermordung geplant hat. Zwei weitere Verdächtige wurden heute festgenommen. Der Oppositionspolitiker Benjamin Netanjahu hat nach Angaben seines Sprechers mehrere Morddrohungen erhalten. 3 Büros seiner Likud-Partei seien zudem mit Parolen beschmiert worden, er und andere Likud-Politiker seien schuld an der Ermordung Rabins.

Rabbiner Joel Bin-Nun aus dem Westjordanland hat angekündigt, am Ende der Trauerperiode für Rabin Namen von Rabbinerkollegen zu veröffentlichen, die vor dem Anschlag erklärt hatten, Rabin verdiene den Tod.

10.11.1995

Sechster Verdächtiger im Zusammenhang mit der Ermordung Rabins festgenommen. Eine staatliche Untersuchungskommission hat heute ihre Arbeit aufgenommen. Am Abend wird eine siebente Person festgenommen.

PLO-Chef Arafat hat die Witwe Rabins aufgesucht und sein Beileid ausgesprochen. Es war Arafats erster Besuch in Israel seit über 30 Jahren. Arafat sagte später, der Besuch sei seine Pflicht gewesen, da er aus Sicherheitsgründen nicht an der Beisetzung habe teilnehmen können.

11.11.1995

Zwei weitere Festnahmen im Zusammenhang mit der Ermordung Rabins vor einer Woche.

12.11.1995

Hunderttausende gedenken zum Ende der siebentägigen Trauerperiode dem ermordeten Regierungschef Rabin. Der Tatort, der Platz der Könige“, wurde in Yitzhak-Rabin-Platz“ umbenannt. Rabins Witwe Lea rief dazu auf, den von ihrem Mann eingeschlagenen Weg des Friedens weiter zu verfolgen.

Der Geheimdienst soll seit Wochen detailliert über den Mordplan an Rabin informiert gewesen sein. Der Informant hatte jedoch den Namen des Täters nicht verraten, so daß die Polizei nichts unternehmen konnte. Die Behörden verhängten heute im Fall Rabin eine Nachrichtensperre. Ein wehrpflichtiger Soldat wurde gestern Abend verhaftet; die achte Festnahme. Peres sprach dem Geheimdienst sein Vertrauen aus.

Die Israelische Arbeiterpartei hat Peres als neuen Vorsitzenden und Nachfolger Rabins nominiert.

15.11.1995

Die jüdische Siedlerin Margalit Har-Shefi (20) wegen Beteiligung an der Durchführung der Ermordung Rabins festgenommen.

Staatspräsident Weizmann beauftragt Peres mit der Bildung einer neuen Regierung.

Palästinenserpolizei verhindert Attentat auf Arafat.

16.11.1995

Bei Bauarbeiten für eine Autobahn sind mehr als 2.000 Jahre alte Gräber, Ruhestätten der Makkabäer, entdeckt worden.

Rabin-Mörder muß der Polizei sein Vorgehen beim Mord am Tatort vorführen.

17.11.1995

Die 20jährige Margalit Har-Shefi bestreitet eine Beteiligung an der Ermordung Rabins. Dennoch entschied das Gericht, daß sie noch 10 Tage in Untersuchungshaft bleiben muß.

19.11.1995

Schwere Vorwürfe gegen den israelischen Geheimdienst - steckte er hinter der Ermordung Rabins ? Attentäter Jigal Amir (27) hatte einen Geheimdienstausweis, Nur deswegen konnte er bis zu Rabin vordringen. Die Tatwaffe ist eine 9mm-Beretta mit Dumdum-Geschossen - eine typische Geheimdienstwaffe. Der Attentäter schrie : Es sind nur Platzpatronen“ - eine professionelle Verwirrtaktik. Und : 1992 war der Mörder Amir für den Geheimdienst nach Riga gefahren, in geheimer Mission.

21.11.1995

Peres unterzeichnet in Jerusalem ein Koalitionsabkommen seiner Arbeitspartei mit der linksgerichteten Meretz-Partei und der Mitte-Rechts-Fraktion Jeud.

22.11.1995

Erdbeben der Stärke 6,2 fordert mindestens sieben Tote und über 100 Verletzte. Betroffen sind Teile Ägyptens, Jordaniens und Israels.

Peres stellt sein neues Kabinett vor.

23.11.1995

In Stuttgart, Baden-Württemberg (BRD), ist PLO-Chef Arafat zu einem dreitägigem Besuch eingetroffen.

Die Ermittlungsbehörden gehen bei der Ermordung Rabins nicht von einem Komplott aus.

28.11.1995

Der Norden Israels ist vom Südlibanon aus mit Raketen angegriffen worden, sieben Israelis wurden verletzt - Israel flog daraufhin Luftangriffe.

Bei einem Sprengstoffanschlag im Südlibanon  ist ein Führer der Hisbollah ums Leben gekommen Die Hisbollah beschuldigen Israel, hinter dem Anschlag zu stecken..

Israel hat Vergeltung für die Raketenangriffe auf den Norden des Landes angedroht.

29.11.1995

Der russische Verteidigungsminister Gratschow auf erstem Besuch in Jerusalem. Hauptthema ist der Friedensprozeß. Es geht aber auch um die israelische Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen, die Gratschow besuchen will.

Militante Palästinenser haben in Dschenin, Westjordanland, zwei israelische Soldaten in ihre Gewalt gebracht und erst nach mehrstündigen Verhandlungen der Palästinenserpolizei übergeben.

12.12.1995

Nablus, Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Vorzeitig zieht die israelische Armee ab.

21.12.1995

Bethlehem, Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Die letzten Israelis verlassen die Stadt.

24.12.1995 - 26.12.1995

Bethlehem, Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Arafat feiert das Weihnachtsfest und das Ende der israelischen Besatzungszeit in der Geburtsstadt Jesus.

1996

05.01.1996

Gaza-Streifen : Hamas-Bombenbauer Ajasch bei Bombenexplosion getötet. Die Bombe soll vom israelischen Geheimdienst in sein Telefon eingebaut worden sein.

01.02.1996

Tel Aviv, Israel : Rabin-Mörder Jigal Amir (25) soll psychiatrisch untersucht werden. Er hat nach dem Anschlag immer wieder behauptet, beim Anschlag geistig gesund gewesen zu sein.

04.02.1996

Gaza-Stadt, Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Palästinensische Polizei erschießt zwei mutmaßliche Mitglieder der radikalislamischen Terrorgruppe "Heiliger Dschihad". Sie hatten bei ihrer Festnahme Widerstand geleistet und das Feuer eröffnet.

05.02.1996

Jerusalem, Israel : US-Außenminister Christopher zu Gesprächen mit Ministerpräsident Peres über den Friedensvertrag zwischen Israel und Syrien eingetroffen.

Jerusalem, Israel : Für umgerechnet DM 7.000,00 kaufte der israelische Geschäftsmann Motti Tahori im Irak eine antike Thora (heilige jüdische Schriftrolle). Die Ausfuhr ist streng verboten. Er hatte bei der Reise irakische Grenzpolizisten bestochen, sich als Araber verkleidet.

07.02.1996

Tel Aviv, Israel : Syrien und Israel wollen ihre Friedensgespräche am 26.02. auf der Wye-Plantage im US-Bundesstaat Maryland fortsetzen.

08.02.1996

Jerusalem, Israel : Die beiden größten rechtsgerichteten Parteien, Likud und Zomet, haben ein Abkommen über eine gemeinsame Liste bei den Parlamentswahlen geschlossen.

09.02.1996

Jerusalem, Israel : Palästinenser unter 30 Jahre dürfen wegen Warnungen vor Anschlägen nicht mehr nach Jerusalem einreisen.

Jerusalem, Israel : Israel und die USA haben erfolgreich einen Anti-Raketen-Laser getestet. Er kann Raketen beim Anflug abschießen.

11.02.1996

Al Manama, Bahrain : Drei Verletzte bei Bombenanschlag auf ein Hotel.

Jerusalem, Israel : Ministerpräsident Peres kündigt vorgezogene Neuwahlen an.

Palästinensisches Verwaltungsgebiet : PLO-Chef Arafat soll morgen als Präsident des Autonomierates vereidigt werden. Laut offiziellem Ergebnis der Wahlen vor drei Wochen erhielt er 87,1% der Stimmen.

13.02.1996

Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Palästinensische Polizei soll zwei Männer festgenommen haben, die einen Anschlag planten.

Tel Aviv, Israel : Der Gazastreifen und das Westjordanland wurden aus Angst vor Anschlägen in der letzten Woche des islamischen Fastenmonats Ramadan abgeriegelt.

16.02.1996

Südlibanon : Mindestens zwei Tote bei anhaltenden Kämpfen zwischen  der israelischen Armee und der Hisbollah-Miliz. Auslöser war ein Angriff auf israelische Stellungen.

23.02.1996

Jerusalem, Israel : Absperrung der palästinensischen Autonomiegebiete aufgehoben.

25.02.1996

Jerusalem, Israel : Selbstmordattentat mit einer 10-kg-Bombe auf einen vollbesetzten Autobus - 23 Menschen starben, 49 wurden verletzt. Die radikale Palästinenserorganisation Hamas bekennt sich.

Aschkelon, Israel : 5-kg-Bombe tötet zwei Menschen - 28 weitere verletzt. Die radikale Palästinenserorganisation Hamas bekennt sich.

26.02.1996

Tel Aviv, Israel : Parlament löst sich auf und macht damit den Weg für Neuwahlen frei.

Israel : Zahl der Todesopfer nach den gestrigen Anschlägen auf 27 gestiegen - alle heute beigesetzt. Israel und die PLO nahmen rund 60 Hamas-Aktivisten fest.

Jerusalem, Israel : US-Bürger palästinensischer Herkunft von israelischen Passanten erschossen, nachdem er mit seinem Auto in eine Menge gerast war. Die Passanten hielten den wahrscheinlichen Unfall für einen Anschlag. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, daß es wirklich ein Anschlag war.

27.02.1996

Israel und Palästinensische Verwaltungsgebiete : Nach den Anschlägen von Sonntag sind mehr als 130 Hamas-Mitglieder verhaftet worden.

29.02.1996

Jerusalem, Israel : Hamas erpreßt Israel : Wenn Israel alle Hamas-Häftlinge freiläßt und die Anti-Terror-Maßnahmen gegen die Hamas einstelle, werde man bis zum 08.03. alle "militärischen Aktivitäten gegen jüdische Zivilisten einstellen".

01.03.1996

Tel Aviv, Israel : Israel weist den Erpressungsversuch der Hamas zurück. Verhandlungspartner sei und bleibe Arafat.

02.03.1996

Jerusalem, Israel : Armee verhindert Anschlag auf jüdische Siedler im Gaza-Streifen. Fünf mit Brandsätzen, Messern und einer selbstgebauten Pistole bewaffnete Untergrundkämpfer wurden festgenommen.

Ramallah, Gaza-Streifen : Palästinensische Polizei verhaftet einen Führer der Hamas, Scheich Hassan Jussef.

03.03.1996

Jerusalem, Israel : Selbstmordattentäter ließ in einem vollbesetztem Bus der Linie 18 sechzehn kg TNT explodieren. 19 Menschen sterben, sieben weitere werden verletzt. Es ist bereits der dritte Anschlag innerhalb von acht Tagen. Wieder bekennt sich die Hamas zum Anschlag. Israels Ministerpräsident Peres erklärt der Hamas den Krieg. Auch letzten Sonntag verübte die Hamas einen Anschlag auf die Linie 18 - die 18 ist im Judentum eine mystische Zahl; sie steht für Leben. In den letzten acht Tagen stand sie zweimal für Verderben und Tod.

04.03.1996

Tel Aviv, Israel : Erneuter Selbstmord-Bombenanschlag der Hamas - Mindestens 13 Tote und rund 100 Verletzte. Der Selbstmörder sprengte sich vor einem Einkaufszentrum in die Luft. Die Hamas begründet den Anschlag mit der gestrigen Kriegserklärung durch Peres.

Israel : Bei einem Feuergefecht im Norden wurden vier israelische Soldaten und zwei palästinensische Milizen eines aus Libanon kommenden Kommandos getötet.

Palästinensische Selbstverwaltungsgebiete : Sicherheitskräfte haben einen 28jährigen aus dem Westjordanland festgenommen. Er soll der Drahtzieher von drei der vier letzten Bombenanschläge in Israel sein. Die Hintermänner sollen in Damaskus, Syrien, sitzen.

Jerusalem, Israel : Als Reaktion auf die jüngsten Attentate hat Israel eine Anti-Terror-Einheit gebildet. Peres kündigt Vergeltungsmaßnahmen an : "Wir werden überall zuschlagen. Auge um Auge, Zahn um Zahn."

Jerusalem, Israel : Israel hat die UNO dringend um Hilfe im Kampf gegen den Terror gebeten. Ale UNO-Mitgliedsstaaten wurden aufgefordert, die Verbrechen "einstimmig zu verdammen". Die in den USA laufenden Friedensverhandlungen mit Syrien wurden von Israel unterbrochen - die Delegation heimbeordert.

05.03.1996

Israel : Hamas kündigt an, vorerst die Attentate gegen das Land einzustellen.

07.03.1996

Jerusalem, Israel : Bundesaußenminister Klaus Kinkel und Peres treffen sich zu einem Gespräch wegen der Anschläge in Israel.  Peres kritisiert, daß viele inhaftierte Mitglieder radikaler Palästinenser-Organisationen von den Behörden freigelassen worden seien. Er befürchte neue Anschläge.

Gaza, Gaza-Streifen : Bundesaußenminister Klaus Kinkel und Arafat treffen sich zu einem Gespräch wegen der Anschläge in Israel. Arafat versichert, energischer gegen den Terrorismus vorzugehen.

08.03.1996

Jerusalem, Israel : Armee sprengt Haus eines Selbstmord-Attentäters.

11.03.1996

Israel : Armee nimmt 20 Hamas-Aktivisten fest.

13.03.1996

Israel : Lockerung der Absperrung der palästinensischen Gebiete in naher Zukunft nicht in Sicht.

14.03.1996

Jerusalem, Israel : Die israelische Polizei hat zwei Palästinenser festgenommen, die Selbstmordanschläge verüben wollten. Sie hatten Sprengstoff dabei und hätten nur noch auf einen Befehl ihres Vorgesetzten gewartet.

16.03.1996

Palästinensisches Verwaltungsgebiet : PLO-Chef Arafat gibt Erkenntnisse der Sicherheitsdienste der palästinensischen Autonomiegebiete bekannt, nach denen die Hamas und israelische Extremisten zusammenarbeiten.

18.03.1996

Israel : Israel will in den nächsten zwei Jahren seine rund 360 km lange Grenze zum Westjordanland komplett abriegeln.

19.03.1996

Jerusalem, Israel : Israel plant den Bau von 6.500 Wohnungen für jüdische Familien im arabischen Ostjerusalem.

20.03.1996

Südlibanon : Selbstmordattentat auf eine israelische Patrouille - ein israelischer Offizier starb, sechs Menschen wurden verletzt.

Libanon : Israelische Hubschrauber greifen mutmaßliche Hisbollah-Stellungen an.

23.03.1996

Jerusalem, Israel : Absperrung der palästinensischen Gebiete gelockert.

24.03.1996

Israel : HAMAS droht mit weiteren Anschlägen.

Jerusalem, Israel : General Danny Jatom zum neuen Chef des Geheimdienstes Mossad ernannt.

25.03.1996

Jerusalem, Israel : Palästinensische Gebiete sollen bis nach den Wahlen in Israel am 29.05. abgeriegelt bleiben.

28.03.1996

Tel Aviv, Israel : Rabin-Mörder Jigal Amir zu lebenslanger Haft wegen des Mordes und zu 5 Jahren Haft wegen der Verletzung eines Rabin-Leibwächters, verurteilt.

28.03.1996

Tel Aviv, Israel : Untersuchungskommission zum Attentat auf Rabin wirft dem israelischen Geheimdienst Schin Beth "doppeltes Versagen" vor. Der Sicherheitsdienst habe Warnungen, wonach es eine Verschwörung zur Ermordung Rabins gab, ignoriert. Der Bericht empfiehlt die Entlassung von Geheimdienstchef Gilon und eines weiteren hohen Geheimdienstbeamten. Beide haben bereits ihre Posten aufgegeben.

Hebron, West-Jordanland : Abzug der israelischen Armee bis auf weiteres verschoben.

30.03.1996

Israel : Hisbollah greifen Israel mit Raketen an. Personen kamen nicht zu Schaden. Zuvor waren zwei Zivilisten im Südlibanon bei Granatexplosionen getötet worden.

31.03.1996

Israel : Bis zum Morgen schlugen 30 Hisbollah-Raketen ein. Ein Zivilist wurde verletzt.

01.04.1996

Tel Aviv, Israel : Ministerpräsident Peres kündigt eine Volksabstimmung über einen endgültigen Friedensvertrag mit den Palästinensern an.

02.04.1996

Doha, Katar : Israel und Katar haben die Aufnahme von Handelsbeziehungen vereinbart.

05.04.1996

Jerusalem, Israel : HAMAS lehnt Verhandlungen mit den Palästinensern ab.

06.04.1996

Israel : Seit Monaten sollen in GB und in Jerusalem Geheimgespräche zwischen hochrangigen Vertretern jüdischer Siedler und Palästinensischen Autonomiebehörden über die Zukunft der Siedlungen im Westjordanland und im Gazastreifen stattfinden.

08.04.1996

Israel : in den letzten Tagen wurden zehn Selbstmordattentäter der HAMAS gefaßt.

09.04.1996

Galiläa, Israel : 26 Verletzte beim Beschuß durch HAMAS-Raketen.

11.04.1996

Beirut, Libanon : Israelische Kampfhubschrauber beschießen das Operationszentrum der HISBOLLAH in der Stadt mit Raketen - ein Toter, zwei Verletzte. Es war der erste israelische Angriff auf Ziele in Beirut seit 14 Jahren.

12.04.1996

Südlibanon : Israel bombardiert als Vergeltung für HISBOLLAH-Raketenangriffe Dörfer im Südlibanon. Auch Vororte Beiruts wurden wieder angegriffen. Acht Menschen sollen bei den Angriffen getötet und 31 verletzt worden sein. HISBOLLAH reagiert mit weiteren Raketenangriffen auf Nordisrael.

Jerusalem, Israel : Explosion in einem Hotel. Ein Mann verletzt.

 

13.04.1996

Libanon : Mindestens vier Kinder und zwei Erwachsene kamen bei israelischen Angriffen ums Leben. Bei Tyrus wurde ein Krankenwagen beschossen, in dem die Kinder ins Krankenhaus gebracht werden sollten. Seit Beginn der Angriffe am Donnerstag starben 25 Menschen. Mindestens 80 weitere wurden verwundet.

Beirut, Libanon : Israelische Marine blockiert den Hafen.

Tyrus, Libanon : Israelische Marine blockiert den Hafen.

Nordisrael : HISBOLLAH-Raketenangriffe. Die Hisbollah und Dschihad kündigten weitere Selbstmordanschläge an.

14.04.1996

Libanon : Israel weitet seine Luftangriffe aus. Dabei wurden vier Zivilisten getötet und 17 verletzt. Zum zweitenmal wurde ein Krankenwagen getroffen. Rund 400.000 Menschen sind seit Beginn der Angriffe in den Norden des Libanons geflohen.

Nordisrael : HISBOLLAH-Angriffe mit Katjuscha-Raketen. Tausende Bewohner sind auf der Flucht.

15.04.1996

Beirut, Libanon : Israelis bombardieren erneut Ziele in südlichen Vororten. Auch ein E-Werk wurde getroffen.

Tyrus, Libanon : Erneut israelische Angriffe auf die Stadt und benachbarte Orte. Bis zum Nachmittag starben 30 Menschen.

Nordisrael : Erneuter Beschuß der HISBOLLAH mit Katjuscha-Raketen. Gestern sollen dabei 8 Menschen ums Leben gekommen sein.

Jerusalem, Israel : Ministerpräsident Peres lehnt Verhandlungen solange ab, bis die HISBOLLAH ihre Angriffe einstellt.

16.04.1996

Beirut, Libanon : Israelische Angriffe gehen weiter. Ein zweijähriges Kind starb im Stadtteil Haj el Silom.

Sidon, Libanon : Palästinensisches Flüchtlingslager von Israelis angegriffen.

Tyrus, Libanon : Drei Tote und zehn Verletzte bei israelischem Angriff.

Nordisrael : Erneuter Beschuß der HISBOLLAH mit Katjuscha-Raketen.

Jerusalem, Israel : Mit zwei Schweigeminuten im ganzen Land hat Israel des Massenmordes der Notionalsozialisten an den Juden gedacht. Um 10:00 Uhr Ortszeit heulten Sirenen, Millionen Menschen verharten in Andacht.

17.04.1996

Beirut, Libanon : Israelische Angriffe gehen weiter.

Nordisrael : Erneuter Beschuß der HISBOLLAH mit Katjuscha-Raketen.

18.04.1996

Kana, Libanon : HISBOLLAH feuern Raketen auf Israel.

Nabatijeh, Libanon : Mindestens elf Tote bei israelischem Luftangriff auf ein Wohnhaus.

Kana, Libanon : Bei einem israelischen Angriff auf einen UN-Stützpunkt der Fidschi Inseln nahe der Stadt mit mehreren Granaten kamen 94 Menschen ums Leben. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Opfer gab es vor allen Dingen unter der Zivilbevölkerung.

Tel Aviv, Israel : Außenminister Barak bedauert die zivilen Opfer im Libanon.

Tel Aviv, Israel : HAMAS droht mit Blutbad in der Stadt. Fünf neue „mächtige Angriffe“ wurden angekündigt.

Jerusalem, Israel : Ministerpräsident Peres und PLO-Chef Arafat wollen Autonomieprozeß fortführen.

19.04.1996

Tel Aviv, Jerusalem : Ministerpräsident Peres kündigt einen baldigen Waffenstillstand an.

Südlibanon : 40 Ortschaften von Israel angegriffen. Mindestens drei Milizionäre kamen ums Leben.

Nordisrael : Erneute HISBOLLAH-Raketenangriffe.

20.04.1996

Gazastreifen : Palästinenser-Polizei entdeckt Waffenlager der Hamas.

Libanon : Vier Tote bei israelischen Angriffen.

21.04.1996

Damaskus, Syrien : US-Außenminister Christopher zu Vermittlungsgespräch eingetroffen.

Jerusalem, Israel : US-Außenminister Christopher zu Vermittlungsgespräch eingetroffen.

24.04.1996

Gaza, Gazastreifen : Mit 504 zu 54 Stimmen beschließt in seiner ersten Sitzung seit 1964 auf palästinensischem gebiet der Palästinensische Nationalrat die Streichung der Forderung nach der Beseitigung Israels aus seiner Charta.

25.04.1996

Jerusalem, Israel : Palästinensische Polizei nimmt den zweiten Mann an der Spitze des militärischen HAMAS-Flügel, Ghoul, fest.

Gaza, Gazastreifen : Arafat zum Chef des Exekutiv-Komitees der PLO wiedergewählt.

26.04.1996

Israel und die pro-iranische Schiitenmiliz Hamas haben unter US-Vermittlung einen Waffenstillstand vereinbart. Ab 03:00 Uhr MESZ sollen die Waffen schweigen. Das Abkommen verbietet beiden Seiten das Beschießen ziviler Ziele, erlaubt ihnen aber die Selbstverteidigung. Israel und Syrien verpflichten sich im gleichen Abkommen zur Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen. Über die Einhaltung der Waffenruhe sollen die USA, Libanon, Frankreich, Syrien und Israel wachen.

28.04.1996

Israel : Regierungschef Peres und US-Verteidigungsminister Perry vereinbaren umfangreiches Programm für Israel zur Abwehr von Raketenangriffen und Terroranschlägen.

02.05.

Jerusalem, Israel . Rabin-Attentäter Jigal Amir hat beim Obersten Gericht Berufung eingelegt. Seine Anwälte : Es hat einen zweiten Schützen gegeben. Amir habe nur mit Platzpatronen geschossen.

04.05.

Tel Aviv, Israel : Mehrere zehntausend Menschen nehmen an einer Gedenkveranstaltung für Rabin teil.

Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Palästinenserpolizei gibt die Festnahme nahezu aller Mitglieder des bewaffneten Arms der Fundamentalistenorganisation Hamas bekannt.

12.05.

Südlibanon : Fünf israelische Soldaten bei Gefechten verletzt. Bei Sidon beschoß die israelische Luftwaffe daraufhin Hisbollah-Stellungen.

13.05.

Westjordanland : Zwei Israelis bei Zwischenfällen getötet.

18.05.

Hebron : Hassan Salameh (24), mutmaßlicher Hamas-Drahtzieher von Bombenanschlägen, festgenommen. Bei einer Kontrolle wurde er angeschossen.

25.05.

Jerusalem, Israel : Verschärfung der Abriegelung der Palästinensergebiete.

26.05.

Jerusalem, Israel : Palästinensergebiete völlig abgeriegelt wegen der Wahlen in drei Tagen. Auch Wareneinfuhr verboten.

29.05.

Jerusalem, Israel : Erste Direktwahlen.

30.05.

Israel : Nach Auszählung von 99% der Stimmen liegt der Herausforderer von Ministerpräsident Peres, der konservative Natanjahu, mit 50,3% der Stimmen vor Peres, der bei 49,6% der Stimmen liegt. 140.000 Stimmen von „Sonderwählern“, unter ihnen Militärs und im Ausland lebende Diplomaten, müssen noch ausgezählt werden. Der Vorsprung von Natanjahu, der die Friedenspolitik fortsetzen will, beträgt lediglich rund 40.000 Stimmen. Die Partei Peres erlitt zwar erhebliche Verluste, hält aber mit 33 (zuvor 44) Mandaten die Mehrheit vor dem rechtsgerichteten Likud-Block mit 31 (bislang 40) Mandaten.

Südlibanon : Vier israelische Soldaten bei Bombenanschlägen getötet.

31.05.

Israel : Herausforderer von Ministerpräsident Peres, der konservative Natanjahu, hat mit 50,4% der Stimmen vor Peres (49,5%) die Präsidentenwahlen gewonnen. Die Arabische Welt wertet den Wahlausgang als Rückschlag für den Friedensprozeß.

Libanon : Im Osten griff die israelische Luftwaffe Hisbollah-Stellungen an. Sieben Zivilisten wurden verletzt

01.06.

Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Arafat ruft den neuen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu zur Einhaltung der zwischen Palästinensern und der Regierung Peres geschlossenen Abkommen auf.

02.06.

Jerusalem, Israel : Der neue Ministerpräsident Netanjahu versichert in einer Rede, er wolle den Friedensprozeß fortsetzen.

Rafah, Gaza-Streifen : Erster palästinensicher Flughafen mit der Maschine von Arafat eingeweiht.

03.06.

Jerusalem, Israel : Netanjahu kündigt eine umfassende Wirtschaftsreform an. Auf breiter Ebene sollen Privatisierungen durchgeführt werden.

05.06.

Jerusalem, Israel . Ministerpräsident Netanjahu erteilt der Errichtung eines Palästinenserstaates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt eine eindeutige Absage erteilt. Gleichzeitig wurde die Abriegelung der besetzten Gebiete gelockert. PLO-Chef Arafat hatte kurz zuvor verkündet, es werde schn bald einen Palästina-Staat mit Jerusalem als Hauptstadt geben.

06.06.

Jerusalem, Israel : Ministerpräsident Netanjahu reagiert scharf auf die gestrige Ankündigung Arafats.

Jerusalem, Israel : Israelische Polizei erschießt Palästinenser. Die Polizei glaubte an einen Angriff auf sich. Dies war ein Irrtum.

Gaza-Streifen : Israelische Polizei erschießt Palästinenser. Die Polizei glaubte an einen Angriff auf sich. Dies war ein Irrtum.

10.06.

Südlibanon : Heftigste Gefechte seit der Vereinbarung des Waffenstillstandes Ende April. Bei einem Hisbollah-Angriff starben fünf israelische Soldaten. Beim israelischen Vergeltungsangriff kam ein Libanese ums Leben. Die Hisbollah griff danach erneut Israel an.

16.06.

Jerusalem, Israel : Der designierte Ministerpräsident Netanjahu hat drei Koalitionsabkommen unterzeichnet.

18.06.

Jerusalem, Israel : Regierung des neuen Ministerpräsidenten Netanjahu erhält Vertrauen des Parlaments.

20.06.

Jerusalem, Israel : HAMAS bietet Waffenstillstand an und bittet Palästinenserchef Arafat um Vermittlung. Im Gegenzug soll Israel militärische Schritte gegen die Hamas einstellen, Hamas-Anhänger aus Gefängnissen entlassen und die Palästinensergebiete öffnen.

25.06.

Jerusalem, Israel : Ministerpräsident Netanjahu zu Gesprächen mit den Palästinensern bereit.

Jordantal, Palästinensergebiet : Drei israelische Soldaten bei einem Überfall getötet und zwei verletzt.

29.06.

Rachaja, Südlibanon : Kämpfe zwischen der pro-iranischen HISBOLLAH-Miliz und der israelischen Miliz. 

02.07.

Libanon : Israelische Luftwaffe greift Stellungen der pro-syrischen Palästinenserbewegung Fatah Intifada an. Unterkünfte und ein Munitionslager wurden getroffen. Über Opfer liegen noch keine Meldungen vor.

03.07.

Jerusalem, Israel : Außenminister Levy hat ultimativ seinen Rücktritt für den Fall angedroht, daß bis zum kommenden Mittwoch der Sprecher des rechten Likud-Flügels, Scharon, nicht als Minister in das neue Kabinett aufgenommen werde.

04.07.

Jerusalem, Israel : Sprecher des rechten Likud-Flügels, Scharon, zum Minister für nationale Infrastruktur ernannt. Damit ist die Regierungskrise beigelegt.

07.07.

Jerusalem, Israel : Scharon zum Minister ernannt.

Tel Aviv, Israel : Der als Rabin-Mörder verurteilte Amir hat gegen das urteil Berufung eingelegt. Die tödlichen Schüsse soll ein anderer Schütze abgegeben haben.

13.07.

Jerusalem, Israel : Hunderte von ultra-orthodoxe Juden haben sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Sie fordern, daß eine durch ihr Viertel führende Hauptverkehrsstraße am Sabbat geschlossen wird.

21.07.

Libanon : Unter deutscher Vermittlung haben Israel und die Hisbollah Gefangene und Gefallene ausgetauscht.

Jerusalem, Israel : Innenminister Suissa und Sozialminister Ischai, beide von der ultraorthodoxen Schas-Partei, kündigen ihren Rücktritt an.

23.07.

Westjordanland : Treffen Arafat - Levy.

24.07.

Jerusalem, Israel : Israel bietet Syrien sofortige Wiederaufnahme der Friedensgespräche an.

29.07.

Libanon : Palästinensische Freischärler überfielen im Süden eine SLA-Patrouille - zwei Verletzte.

30.07.

See Genezareth, Israel : Archäologen haben bei Ausgrabungen nördlich des Sees vier Tontafeln aus der Zeit vor Abraham entdeckt; rund 3.000 Jahre alt.

02.08.

Jerusalem, Israel : Baustopp für israelische Siedlungen im Westjordanland und Gaza sollen aufgehoben werden. Palästinenser kritisieren die Entscheidung.

05.08.

Jerusalem, Israel : Ministerpräsident Netanjahu zu Friedensgesprächen mit Syrien bereit.

06.08.

Syrien : Ablehnung der von Israel angebotenen Friedensgespräche. zunächst müssen die Golan-Höhen geräumt werden.

Gaza-Streifen : Israelischer Soldat bei Hisbollah-Überfall getötet.

08.08.

Ostlibanon : Israelische Luftwaffe fliegt Vergeltungsangriffe.

Jerusalem, Israel : Justizminister Neeman zurückgetreten.

04.09.

Erez, Grenzpunkt Israel / Palästinensisches Verwaltungsgebiet : Treffen zwischen Arafat und Netanjahu.

19.09.

Bonn, NRW : Die Bundesregierung will sich dafür einsetzen, daß Israel die Abriegelung palästinensischer Gebiete beendet. Das sagte Außenminister Kinkel nach einem Gespräch mit Palästinenserführer Arafat in Bonn. Kinkel sagte in Anspielung auf die Haltung der neuen israelischen Regierung, die israelisch-palästinensischen Vereinbarungen müßten unbedingt eingehalten werden. Arafat hatte über die Abriegelung geklagt. Sie führe zu schweren wirtschaftlichen Einbußen. Arafat hält sich zu einem zweitägigen Besuch in Deutschland auf.

20.09.

Wiesbaden, Baden-Württemberg : Palästinenserchef Arafat hat zum Abschluß seines Besuches in Hessen an die Wirtschaft appelliert, den Aufbau der Autonomiegebiete zu unterstützen. Zuvor hatte Arafat den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, getroffen. Bubis mahnte Arafat beim dem persönlichen Gespräch zu mehr Geduld auf dem Weg zum Frieden. Ungeduld könnte den Friedensprozeß gefährden. Das Treffen war auf Wunsch Arafats zustandegekommen.

Jerusalem, Israel : Die israelische Armee hat die Palästinensergebiete wegen jüdischer Feiertage bis Dienstag früh völlig abgesperrt. Nach Angaben des israelischen Armeesenders gilt die Sperre für die Autonomie-Gebiete und für die von Israel besetzten Teile des Westjordanlandes. Am Montag enden die zehn Tage nach dem jüdischen Neujahrsfest mit dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. An diesem Tag kommt das öffentliche Leben in Israel praktisch zum Stillstand.

22.09.

Jerusalem, Israel : Die Lage in Nahost ist von Berichten über baldige israelische Truppenverlegungen auf die Golanhöhen überschattet worden. Nach israelischen Zeitungsberichten will die Regierung die Militärpräsenz verstärken. Grund sei die Furcht vor einem syrischen Überraschungsangriff. Der ägyptische Präsident Mubarak befürchtet wegen der harten Haltung Israels den Zusammenbruch des Nahost-Friedensprozesses. Schon der Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland werde zu einer neuen Intifada führen.

24.09.

London, England : Israels Ministerpräsident Netanjahu ist zum Auftakt seiner dreitägigen Europareise in London eingetroffen. Auf seinem Programm steht zunächst ein Gespräch mit seinem britischen Amtskollegen Major. Für den Chef der neuen israelischen Rechtsregierung ist dies das erste umfassende diplomatische Programm in Europa. Nach London will er auch in Paris und Bonn um Verständnis für die Haltung Israels im stockenden Friedensprozeß und wirtschaftliche Zusammenarbeit werben.

25.09.

Jerusalem, Israel : Israelis und Palästinenser haben sich die schwersten Zusammenstöße seit der Intifada 1993 geliefert. Zwei Palästinenserpolizisten und zwei palästinensische Jugendliche wurden getötet, als israelische Soldaten in das Gebiet der Stadt Ramallah eindrangen und sich mit der Polizei Feuergefechte lieferten. Anlaß war eine Demonstration von Palästinensern gegen die Öffnung eines historischen Tunnels in Jerusalem. Sie befürchten die Gefährdung heiliger Stätten auf dem Tempelberg. Washington drängte beide Seiten zur Ruhe.

26.09.

Jerusalem, Israel : Im palästinensischen Nablus ist eine kleine israelische Enklave besetzt und eine jüdische Religionsschule in Brand gesetzt worden. Von israelischer Seite wurden palästinensische Polizisten als Täter genannt. Unterdessen meldete das israelische Fernsehen, Regierungschef Netanjahu und PLO-Chef Arafat könnten sich bereits am Abendzu einem Gespräch treffen. Allein heute wurden bei Kämpfen mindestens 32 Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Gaza/Jerusalem/Bonn : Angesichts der neuen Welle der Gewalt in den Palästinensergebieten, bei der am Donnerstag mindestens 42 Menschen starben, beendete der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seinen Deutschland-Besuch vorzeitig. Am Morgen telefonierte er mit Palästinenserführer Arafat über die israelisch-palästinensischen Zusammenstöße. Nach einem Treffen und Mittagessen mit Bundeskanzler Kohl in Bonn flog Netanjahu zurück nach Israel. Anlaß für die bislang schwersten Unruhen nach Ende der Intifada 1993 war die Öffnung eines historischen Fußgängertunnels in der Altstadt von Jerusalem. Die Palästinenser befürchten, der 488 Meter lange Tunnel entlang der Klagemauer-Fundamente gefährde die Moscheen auf dem Tempelberg. Dies wird von Archäologen kategorisch bestritten. Der umstrittene Tunnel war größtenteils bereits seit Jahren begehbar. Die beiden letzten Meter wurden in der Nacht zum Dienstag durchbrochen. Die Unruhen breiteten sich von Jerusalem auf das gesamte Palästinensische Autonomiegebiet aus. Vor allem im Gaza-Streifen kam es mehrfach zu Schußwechseln zwischen Palästinenserpolizisten und israelischen Soldaten. Ein Polizist starb nach Angaben des palästinensischen Rundfunks bei einem Schußwechsel in der Nähe des Grenz-Kontrollpunktes Eres. Hier wurden auch mehrere Palästinenser schwer verletzt. Zwei Palästinenser wurden in der Nähe der Siedlung Kfar Darom im südlichen Gaza-Streifen erschossen. Auch in Rafah nahe der ägyptischen Grenze und nahe der Siedlung Newe Dekalim kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben insgesamt 35 Palästinenser, ein israelischer Offizier und mehrere israelische Zivilisten verletzt. Im Westjordanland kam es vor allem in Bethlehem zu Zusammenstößen.

27.09.

Jerusalem, Israel : Nach anfänglicher Ruhe am Freitag sind die Kämpfe in Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten wieder dramatisch eskaliert. Unmittelbar nach Bekanntwerden von Meldungen, nach denen es Tote und Verletzte auf dem Tempelberg in Jerusalem gegeben habe, begannen neue Zusammenstöße in den von Israel besetzten Gebieten, am Rande mehrerer Autonomiegebiete und in Ost-Jerusalem. Inzwischen meldete auch der israelische Rundfunk den Tod zweier Palästinenser durch israelisches Feuer auf dem Tempelberg. Der palästinensische Rundfunk sprach von drei Toten und bis zu 60 Verletzten. Der UNO-Sicherheitsrat will sich am Abend in New York mit der gespannten Lage befassen. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurden am Donnerstag 69 Palästinenser und elf israelische Soldaten getötet. Unklar blieb nach wie vor, wann es zu einer Begegnung zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Palästinenserführer Jassir Arafat und Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak kommt. Am Donnerstag hatte der palästinensische Rundfunk das Treffen für diesen Freitag in Kairo angekündigt. Am Morgen wurde in Jerusalem für möglich gehalten, daß der Dreiergipfel am Sonntag zustande kommt. Netanjahu und Arafat telefonierten in der Nacht miteinander. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Arafat rief die  Palästinenser noch in der Nacht zu neuen Demonstrationen in den Autonomiegebieten auf, doch sollten sich diese strikt auf die Stadtgebiete beschränken und nicht in der Nähe israelischer Straßensperren stattfinden. In Tel Aviv kam es zu Zusammenstößen zwischen rechts- und linksgerichteten israelischen Demonstranten, die sich gegenseitig verprügelten. Vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Netanjahu in Jerusalem versammelten sich links- und rechtsgerichtete Demonstranten - die einen, um den Rücktritt der Regierung zu fordern, die anderen, um zu beklagen, daß die Palästinenser jemals Waffen erhielten. Auslöser der blutigen Zusammenstöße war die Öffnung eines antiken Tunnels entlang den Fundamenten des Tempelbergs. Die israelische Polizei schloß den Tunnel am Freitag wieder "vorübergehend" für die Dauer der moslemischen Freitagsgebete, nachdem Netanjahu zuvor noch eine Bitte von US-Außenminister Warren Christopher abgelehnt hatte, den Tunnel wieder ganz zu schließen.

28.09.

Tel Aviv, Israel : Rund 30 000 Menschen haben heute abend in Tel Aviv für den Frieden und gegen den Kurs des israelischen Premiers Netanjahu demonstriert. Die Teilnehmer beschuldigten ihn, die blutigen Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern leichtsinnig provoziert zu haben. Netanjahu wurde aufgefordert, den umstrittenen Tunnel in der Jerusalemer Altstadt zu schließen. Die Öffnung des Tunnels war der Auslöser für die Unruhen in den Palästinenser-Gebieten gewesen. Seit Mittwoch sind bei den Kämpfen über 80 Menschen getötet worden.@b

Jerusalem, Israel : Der Ost-Jerusalemer PLO-Vertreter Faisal Husseini hat vor einer möglichen "neuen Explosion" der Gewalt gewarnt. Zugleich nannte er Bedingungen für eine Wiederaufnahme von Gesprächen mit den Israelis. Israel müßte seine Truppen von den Stadtgrenzen der Autonomiegebiete abziehen und den Tunnel unter der Jerusalemer Altstadt wieder schließen. Außerdem müßten noch ausstehende Vereinbarungen der Autonomieabkommen umgesetzt werden, sagte Hussein nach einer Sitzung des Autonomiekabinetts in Gaza.

29.09.

Washington, USA : Der israelische Regierungschef Netanjahu hofft auf "greifbare Ergebnisse" bei dem geplanten Nahost-Krisengipfel in Washington. In einem Fernseh-Interview versicherte er, daß er ohne Vorbedingung nach Washington gehe und bereit sei, über alle offenen Fragen zu sprechen. Den umstrittenen Tunnel wieder zu schließen, sei für ihn "kein Thema", sagte Natanjahu. Dessen Öffnung hatte die blutigen Zusammenstöße ausgelöst. Die entscheidende Frage für ihn sei, wie der Friedensprozeß weitergehen könne. Das Treffen zwischen Netanjahu und PLO-Chef Arafat saoll kommende Woche in Washington stattfinden.

Feuer am Ende des Tunnels

Dramatische Zuspitzung des Nahostkonflikts: Nach Feuergefechten zwischen Israelis und Palästinensern kamen über 60 Menschen ums Leben. Ausgelöst wurde das Blutbad durch Israels provozierende Öffnung eines historischen Tunnels und durch die Frustration der Araber über den harten Kurs des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu. Noch 15 Minuten zuvor hatten die Gläubigen den Beistand Allahs erfleht, da lag der erste Moslem in seinem Blut. Seinen Tod fand Aiman Mustafa, 28, an einem der heiligsten Orte des Islam. Die Umstände seines Ablebens werden ihn zum Märtyrer machen. Israelische Soldaten hatten sich kurz nach dem Ende des Freitagsgebets in der Aksa-Moschee von steinewerfenden Jugendlichen provozieren lassen und mit scharfer Munition auf die protestierenden Moslems geschossen. Am Ende des Krawalls ließen drei junge Palästinenser ihr Leben auf dem Haram el-Scharif, wie die Moslems den Ort nennen - nach Mekka und Medina das bedeutendste Heiligtum des Islam. Die Juden nennen dieselbe Anhöhe im Osten Jerusalems den Tempelberg. Hier haben, vor ihrer Zerstörung, die bedeutendsten Heiligtümer des Judentums gestanden, die Tempel des Salomon und Herodes. Die blutige Schlacht auf dem Tempelberg steht am Ende einer dramatischen Woche, nach der jetzt der Friedensprozeß im Nahen Osten seinen Namen kaum mehr verdient. 55 Tote beklagen die Palästinenser, 11 israelische Soldaten verloren ihr Leben in den gewalttätigsten Auseinandersetzungen, die das Heilige Land seit dem Ende der Intifada 1993 gesehen hat. 1000 teils schwer Verwundete erhöhen den Blutzoll des Aufruhrs - ein zweiter "Schwarzer September" in der Geschichte der Palästinenser*. Wegen der Heftigkeit der Auseinandersetzungen brach Israels Premier Benjamin Netanjahu Hals über Kopf seine Deutschland-Visite ab. Noch im Flugzeug auf dem Heimweg nach Tel Aviv am vergangenen Donnerstag versuchte er in Telefonaten mit dem ägyptischen Staatschef Husni Mubarak und dem jordanischen König Hussein den kriegsähnlichen Konflikt einzudämmen - und erntete selbst von den Gemäßigten des arabischen Lagers scharfe Kritik. Der Premier rief auch Jassir Arafat an, forderte den PLO-Chef auf, den "unerträglichen Zustand" sofort zu stoppen. Doch Arafat mußte zugeben, daß er sein Volk und selbst seine Polizei derzeit "nur zu 80 Prozent" im Griff habe. Der Aufstand hatte im Laufe der vorangegangenen Tage eine Eigendynamik entwickelt, die selbst durch den stramm autoritär herrschenden PLO-Chef nicht mehr beliebig zu regulieren war. Ein riskantes Spiel mit der Gewalt kann nicht in seinem Sinne sein: Arafat kann politisch nur überleben, wenn Frieden einkehrt. Netanjahu wies nach einer turbulenten Kabinettssitzung am Freitag gleichwohl alle Schuld an den "tragischen Ereignissen" den Palästinensern zu. Der Chef des Inlandsgeheimdienstes Schabak, Ami Ajalon, behauptete gar, Arafat habe seine Palästinenser "im vollen Bewußtsein des Risikos" zum Aufstand angestachelt. Doch die Schuldzuweisung sollte auch von der eigenen Verantwortung für das Desaster ablenken. Der blutige Konflikt hatte vergleichsweise harmlos begonnen. Am vergangenen Dienstag gaben die Israelis den Zugang zu einem Tunnel frei, der unterhalb des moslemischen Viertels der Altstadt von Jerusalem an der westlichen Grenzmauer entlang zur Via Dolorosa führt. Mehrere Stockwerke tief unter der Erdoberfläche verbirgt sich das verschüttete Erbe Jerusalems: Bauwerke aus biblischer Zeit, auf deren Ruinen zunächst römische Säulengänge und Häuser errichtet wurden, später die Hallen und Rotunden der Mamelucken. Vieles davon ist prächtig erhalten: eine archäologische Sensation. Der 488 Meter lange Tunnel ist größtenteils schon lange begehbar, doch Netanjahus Vorgänger Rabin und Peres hatten jahrelang gezögert, ihn für die breite öffentlichkeit freizugeben - aus gutem Grund: Die Moslems, die seit Jahrhunderten die religiöse Hoheit auf dem Berg des ehemaligen Tempels der Juden ausüben, empfinden jede Verletzung des Status quo als einen Angriff auf ihre arabische Präsenz - als "Judaisierung" von El-Kuds, wie sie Jerusalem nennen, dessen Ostteil sie als Hauptstadt beanspruchen. Selbst vernünftige Vorhaben scheitern im Heiligen Land, wenn die Religion im Spiel ist - und das ist sie fast immer. Auch Archäologen mißbrauchen ihr Gewerbe hier häufig als politische Waffe: Jeder Fund einer Scherbe aus biblischer Zeit wird schnell zur Rechtfertigung für die politische Herrschaft der Zionisten in Palästina. So empfanden viele Araber den Durchbruch an der Via Dolorosa, schräg gegenüber der zweiten Leidensstation Christi, aber auch so nahe an ihren Heiligtümern, als Unterhöhlung eines Symbols, als Demütigung - die letzte in einer langen Reihe: Palästinenser nutzten den israelischen Vorstoß, um ihrem tiefsitzenden Unmut über die politische Stagnation Luft zu machen. Den meisten erscheint der Friedensprozeß von Oslo, der vor drei Jahren so hoffnungsvoll begann, nur noch als Betrugsmanöver. Wegen monatelanger Blockaden der palästinensischen Autonomiegebiete durch die israelische Armee kommen sich die Palästinenser vor wie Insassen eines kollektiven Gefängnisses. Die erhoffte Friedensdividende ist ausgeblieben: In Gaza ist die Hälfte der Männer ohne Arbeit, im Westjordanland ist die Lage nicht viel besser. Der Lebensstandard liegt weit unter dem vor drei Jahren, als die Männer noch ihr Geld auf israelischen Baustellen verdienen und die Bauern ihr Gemüse nach Israel ausführen konnten. Verantwortlich für ihre verzweifelte Situation machen die meisten den neuen israelischen Premier: Benjamin Netanjahu hat selbst nach Ansicht der israelischen Zeitung Maariv in seinen ersten 100 Tagen regiert "wie ein Elefant im Porzellanladen". Der konservative Likud-Mann weigert sich, längst beschlossene Vereinbarungen mit den Palästinensern umzusetzen: Der Abzug aus dem größten Teil von Hebron steht ebenso aus wie die Freilassung von Gefangenen und die Einrichtung eines sicheren Verbindungsweges für Palästinenser zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland. Statt dessen genehmigte Netanjahu den Ausbau jüdischer Siedlungen im Westjordanland, auf dem Golan - und besonders in der Nähe von Jerusalem. Längst hätten die Gespräche über den endgültigen Status der Heiligen Stadt beginnen müssen. Doch anstatt auf die Palästinenser zuzugehen, erklärt der offenbar ideologisch fixierte israelische Regierungschef kategorisch, er werde Arafat in keiner einzigen Frage nachgeben. So geschah, was der ermordete Vorgänger Jizchak Rabin für das Gefährlichste gehalten hatte: Die mit Hilfe der Israelis während des Friedensprozesses bewaffnete Palästinenserpolizei richtete ihre Gewehre gegen die israelischen Soldaten. Kaum vorstellbar, daß Ordnungshüter beider Völker wieder gemeinsam wie früher auf Streife gehen. Die ersten Toten hatte es am vergangenen Mittwoch in Ramallah gegeben, wo gut tausend Studenten auf einen israelischen Militärposten zumarschiert waren. Zuerst schwirrten politische Parolen durch die Luft, dann flogen Steine, am Ende beschossen sich israelische und palästinensische Uniformträger gegenseitig. In Gaza starteten israelische Kampfhubschrauber vom Typ Cobra Angriffe, nachdem palästinensische Demonstranten Militärposten und auch einige der israelischen Wehrsiedlungen angegriffen hatten, die immer noch rund 30 Prozent der Fläche des Gazastreifens ausmachen. In Nablus überrannten bewaffnete Palästinenser den israelischen Posten am Grab Josefs, das von fanatischen frommen Juden seit Jahren als Wallfahrtsort genutzt wird. Die aufgebrachte Menge zündete die Talmudschule der Ultraorthodoxen an und tötete sechs israelische Soldaten. Palästinensische Polizisten verhinderten immerhin, daß weitere Israelis umkamen - sie hielten sie wie Kriegsgefangene einige Stunden lang fest. An zentralen Straßenkreuzungen im Westjordanland fuhren, erstmals seit dem Sechstagekrieg 1967, sogar israelische Panzer auf - zur Abschreckung. "Muwadschaha", Konfrontation zwischen bewaffneten Kräften, hat die Intifada abgelöst. 80 000 Gewehre und Pistolen, schätzt der israelische Geheimdienst Schabak, lagern im Westjordanland und in Gaza - nur 30 000 davon mit israelischer Genehmigung, als Bewaffnung für die palästinensische Polizei. Rechtsradikale Siedler aus Hebron zeigten Friedensnobelpreisträger Schimon Peres wegen der Waffenlieferungen an, weil er damit gegen die Interessen des jüdischen Volkes verstoßen habe. Auch Netanjahu bekam den Druck der Rechten zu spüren, von den Koalitionspartnern in seinem eigenen Kabinett: Er solle nun erst recht "mit eiserner Faust" gegen die Palästinenser vorgehen. Doch es gab auch andere Stimmen, aus der eigenen Partei. "Diese Regierung wird von unerfahrenen Kindern geführt", beklagte sich ein Likud-Führer in der Zeitung Jediot Acharonot. Ein Minister gab kleinlaut zu, daß "uns die Dinge außer Kontrolle geraten" sind. Beim Krisenmanagement reagiere der neue Premier "amateurhaft". US-Präsident Bill Clinton nannte die öffnung des Tunnels eine unverantwortliche "Provokation", der französische Außenminister Hervé de Charette forderte "besonders die Israelis" auf, endlich Initiativen zu unternehmen, "um die Spannungen im Nahen Osten zu senken". In Bonn drohte Helmut Schäfer, Staatsminister im Auswärtigen Amt, unverhohlen mit einer Einstellung der Finanzhilfe für Israel. Netanjahu habe die Entspannungspolitik "so vollständig zusammenkrachen lassen, daß man fast annehmen könnte, es verberge sich ein politischer Plan dahinter", schreibt Maariv. Auch Amos Oz, einer der bekanntesten Schriftsteller Israels, beklagt "das autistische Agieren der Regierung". Frieden könne man "nur machen, wenn man weiß, was die andere Seite empfindet".  Daß er die Öffnung des Tunnels nicht richtig eingeschätzt hat, gibt Netanjahu mittlerweile zu: "Niemand wußte, was passieren würde." Den Durchgang will er dennoch nicht dauerhaft schließen lassen, um nicht den Eindruck zu erwecken, daß die bewaffnete Gewalt der Palästinenser ihn zum Nachgeben bewegen kann: "Gewalt hat als Kategorie in einem Friedensprozeß nichts verloren." Netanjahu will sich zur Zeit auch nicht auf einen Gedanken einlassen, der in Israel offen diskutiert wird: Um dem Friedensprozeß ein solides Fundament zu geben und die Regierungsmannschaft durch erfahrenes Personal anzureichern, halten viele eine große Koalition für die beste Lösung - die Mehrheit von Likud-Anhängern genauso wie die der Arbeitspartei.

* Im "Schwarzen September" 1970 ließ König Hussein aus Angst vor der Stärke der PLO in Jordanien Tausende Palästinenser zusammenschießen.

DER SPIEGEL 40/1996

 

 

Interview mit dem PLO-Beauftragten für Jerusalem, Feisal el-Husseini, über die Lage in der Stadt

Warum sollen die Israelis nicht einen Tunnel durch die Altstadt eröffnen, der Tausende von Touristen anlocken wird ?

HUSSEINI :  Darum geht es nicht. Mit einseitigen Aktionen wie dem Tunnelbau verändern die Israelis den Status quo von Jerusalem. Sie führen Veränderungen zu ihren Gunsten herbei, bevor die Verhandlungen über den endgültigen Status von Jerusalem überhaupt begonnen haben. So geht es nicht, das macht die Palästinenser über alle Maßen zornig.

SPIEGEL :  Aber wird der Touristenstrom nicht auch den arabischen Händlern in der Altstadt nützen?

HUSSEINI : Das ist ein völlig nachgeordneter Gedanke. Das Tunnelprojekt ist von den Israelis ohne jedes Verantwortungsgefühl und Gespür für die Brisanz der Situation vorangetrieben worden. Man muß sehen, daß der Tunnelausgang genau dort liegt, wo auch Tausende von Moslems zum Beten in die Aksa-Moschee gehen. Es ist absehbar, daß es an einem derartigen Punkt immer wieder zu Zusammenstößen kommen wird, das Chaos wird nicht beherrschbar sein. Die Israelis müssen aufhören, mit dem Feuer zu spielen.

SPIEGEL : Wurden die blutigen Zusammenstöße von Ihrer Führung gesteuert?

HUSSEINI :  Das war spontan. Der Tunneldurchbruch wurde zum Bündel Heu, welches das überladene Kamel zusammenbrechen ließ. Die ersten 100 Tage der Regierung Netanjahu waren ein Desaster für den Friedensprozeß. Man konnte förmlich riechen, daß etwas in der Luft lag.

SPIEGEL : Ist das der Beginn einer neuen Intifada?

HUSSEINI :  Nein. Im Unterschied zu Intifada-Zeiten gibt es jetzt eine Regierung der Palästinenser. Der Weg für ordentliche Verhandlungen ist bekannt. Nur: Die Israelis müssen ihn auch wirklich beschreiten wollen. Wenn die Palästinenser weiter das Gefühl haben, daß die Israelis kein Interesse an der Fortführung des Friedensprozesses haben, dann wird die palästinensische Regierung das Volk nicht mehr kontrollieren können - auch ihre eigenen bewaffneten Polizisten nicht in jedem Fall.

SPIEGEL : Bedeutet das nicht völliges Chaos?

HUSSEINI :  Man muß das so sehen: Wenn ein palästinensischer Polizist sieht, daß Israelis auf unbewaffnete Demonstranten schießen, unter ihnen Frauen und Kinder, dann wird er sie verteidigen wollen. Ich selbst habe einen Soldaten daran hindern wollen zurückzuschießen. Das war in Nablus, doch dann ist er in der Nierengegend getroffen worden. Er stand nur 30 Zentimeter von mir entfernt.

SPIEGEL : Können Sie sich unter diesen Umständen vorstellen, daß es jemals wieder gemeinsame israelisch-palästinensische Patrouillen in Gaza und Jericho geben wird?

HUSSEINI :  Wir müssen einen neuen Weg finden. Die Israelis müssen beispielsweise ihre Kontrollen an den Straßen zu den palästinensischen Städten auflösen. Für derartige Schikanen gibt es keinerlei Grundlage in den Oslo-Vereinbarungen. Solche Provokationen haben doch nur einen Zweck: Die Israelis wollen uns täglich vor Augen führen, wer hier der Boß ist. Aber genau diese Haltung ist Gift für den Frieden.

SPIEGEL : Wie kann dem Friedensprozeß neues Leben eingehaucht werden?

HUSSEINI :  Die wichtigste Voraussetzung ist, daß die Unterhändler der Israelis wieder mit einem eindeutigen Mandat an den Verhandlungstisch kommen. Bisher hat es zwar einige Treffen gegeben, aber die waren reiner Selbstzweck: Es wurde geredet, ohne daß die Israelis auch nur einen Millimeter vorankommen wollten.

SPIEGEL : Wo liegt der Unterschied zwischen der Regierung Netanjahu und der seiner Vorgänger?

HUSSEINI :  Auch mit Rabin und Peres haben wir uns schwer gestritten. Aber selbst mitten in den tiefsten Krisen während der Verhandlungsrunden hatten wir immer das deutliche Gefühl, daß die israelische Seite wirklich zu einer Lösung der strittigen Fragen kommen will. Bei der Regierung Netanjahu ist dergleichen nicht zu spüren. Es scheint einfach keine gemeinsame Grundlage zu geben. Das ist zutiefst deprimierend.

SPIEGEL : Aber die Alternative kann nicht darin bestehen, künftig nur noch aufeinander zu schießen.

HUSSEINI :  Der Dialog ist das einzige, was hilft. Aber die Israelis können doch nicht ernsthaft erwarten, daß unsere Polizisten ihre Waffen gegen das eigene Volk richten, wenn wieder einmal Demonstranten gegen israelische Besatzermentalität auf die Straße gehen.

DER SPIEGEL 40/1996

30.09.

Washington, USA : Ägyptens Präsident Mubarak wird nicht am Washingtoner Nahostgipfel am Mittwoch teilnehmen. Dies teilte das Weiße Haus nach einem Telefongespräch des amerikanischen Präsidenten Clinton mit Mubarak mit. Israels Premier Netanjahu und Jordaniens König Hussein sind auf dem Weg nach Washington. Ein hoher Beamter des US- Außenministeriums sagte über Palästinenserführer Arafat, der mit seiner Beteiligung gezögert hatte: Wir denken, er kommt.

Kairo, Ägypten : PLO-Chef Arafat hat sich für eine Verschiebung des für morgen geplanten Nahost-Gipfels in Washington auf kommenden Sonntag ausgesprochen. Zur Begründung sagte Arafat nach einem Treffen mit Ägyptens Staatschef Mubarak in Alexandria, eine gute Vorbereitung sei notwendig, damit der Gipfel "praktische Ergebnisse" bringe.   

Amsterdam, Niederlande : Der israelische Regierungschef Netanjahu ist nach einem kurzen Zwischenstopp in Amsterdam zum Washingtoner Nahost- Gipfel weitergeflogen. Einem mitreisenden Reporter sagte Netanjahu, er werde während des Nahost-Gipfels permanente israelisch- palästinensische Verhandlungen vorschlagen. Außerdem gehe er mit klaren Vorstellungen über den Abzug der israelischen Armee aus Hebron in die Gespräche. Bei diesem Thema werde er einige "Änderungen" des Vereinbarten vorschlagen.

 

Die Geschichte der Juden in Dortmund

Am 18.01.1074 gewährte Heinrich IV. den Juden und Wormsern“ Zollfreiheit an einigen der königlichen Gewalt unterstehenden Plätzen, darunter auch Dortmund.

Eine Urkunde bezieht sich auf auswärtige Juden, die zu dieser Zeit Dortmund zu geschäftlichen Zwecken aufsuchten.

Der erste bekannte Dortmunder Jude war Mar Schemaja :

1096 kam der Kölner Jude mit seiner Familie nach Dortmund. Sie flohen vor der Verfolgung in Köln. Christliche Bekannte nahmen die Familie freundlich auf, drängten sie aber, zum christlichen Glauben überzutreten. Scheinbar ging Mar darauf ein. in einer Nacht nahm er ein Schlachtermesser zur Hand und tötete seine Frau und seine drei Söhne. er selber wurde ohnmächtig, als er versuchte, sich zu töten. Die Bekannten fanden ihn und versicherten, wenn er Christ würde, so könne er am Leben erhalten werden. Mar lehnte ab. Darum wurde er lebendig von den Dortmundern neben seiner Familie begraben. Und es starb der Fromme für die Einheit des herrlichen und furchtbaren Namens...“ So endet der Bericht des Historikers Dr. Diethard Aschoffs.

Ab 1241 lassen sich an Hand von Dortmunder Urkunden dauernde Aufenthalte von Juden in Dortmund nachweisen. Ihre Anwesenheit wurde sehr begrüßt, denn die meisten brachten Wohlstand in die Stadt. Die Dortmunder Juden hatten den Status von königlichen Kammerknechten“, d.h. sie mußten Steuern an die königliche Kammer zahlen und standen unter dem Schutz des Königs. 1336 wurde der Dortmunder Judenfriedhof, er befand sich außerhalb der Stadtmauern vor dem damaligen Westentor (heute : Körnerplatz mit den sich kreuzenden Verkehrsadern Hoher Wall und Königswall, sowie Rheinische Straße und Kampstraße), vom Dortmunder Rat an die Juden verkauft. In der Nähe des heutigen Lühringshof, früher Judengasse, stand, einer Urkunde von 1346 nach, die alte Synagoge. Im Festjahr 1350 wurden alle Juden aus Dortmund vertrieben. Die Habe der Juden, die sie zurücklassen mußten, teilten sich der Graf von der Markt und die Stadt Dortmund. Erst 1372 gab es wieder Juden in Dortmund. 1375 wurde auch der Jüdische Friedhof wieder an die Juden zurückgegeben.

Als die Juden im Jahre 1405 keine überhöhten Steuern bezahlen wollten, wurden sie von der Stadt Dortmund unterstützt. Im 15. Jahrhundert nahm die Zahl der Juden in Dortmund ab. Zwischen 1457 und 1467 verließ der letzte Jude die Stadt. Erst 1543 nahm Dortmund wieder Juden auf. 1596 wurden erneut alle Juden aus Dortmund ausgewiesen. Erst wieder im Jahre 1808 nahm die Stadt Dortmund wieder Juden auf. Im gleichen Jahr wurde Dortmund dem neu gegründeten Großherzogtum Berg einverleibt. es galt dadurch französisches Recht, das bedeutete, Gleichstellung der Juden im juristischen Sinne. 1815 wurde Dortmund preußisch, der Status der Juden blieb erhalten.

Im Ersten Weltkrieg fielen 77 Dortmunder Juden, wobei nur die Juden aus der Dortmunder Innenstadt berücksichtigt worden sind.

 

Entwicklung der Juden in Dortmund hinsichtlich der Einwohnerzahl

 

 1411

 6

Familien

20ger Jahre

 3

Familien

30ger Jahre

 3

Familien

1445

 2

Familien

ab 1446

 1

Familie

 1815

 30

Juden

 1830

ca.   100

Juden

 1870

ca.   600

Juden

 1900

ca.2.000

Juden

 1930

 4200

Juden

       

 

 

Die Dortmunder Juden im Dritten Reich

Am 30.01.1933 ergriff der gebürtige Österreicher Adolf Hitler die Macht im Deutschen Reich. Seit diesem Tage ging es für die Juden in der ganzen Welt schrecklichen Zeiten entgegen.

In Dortmund war zu dieser zeit Bruno Schüler Staatskommissar der Stadt.

Alle nichtarischen Beamten wurden beurlaubt, Ärzte, Zahnärzte des Wohlfahrts- und Jugendamtes wurden gekündigt, Ärzte in Städtischen Diensten entlassen.

Auch am Stadttheater wurden Beurlaubungen ausgesprochen, und zwar gegen Schauspieler, die in Die Meistersinger von Nürnberg“ spielen sollten, wodurch die für den 11.03.1933 angesetzte Uraufführung  platzte. Vier Tage später wurde sie dann ohne Juden durchgeführt.

Am 01.04.1933 erfolgte ein Boykottaufruf gegen Juden. Es kam zu Plünderungen und Prügeleien sowie zur Zerstörung jüdischer Geschäfte. Verhaftete Juden wurden in die als Folterstätte berüchtigte Steinwache gebracht, wo zeitweise 400 Gefangene waren, obwohl die Steinwache nur für 180 Gefangene eingerichtet war.

In den Jahren 1933 bis 1945 gab es rund 58.000 Gefangene in der Steinwache, davon rund 1.500 jüdische.

An diesem Boykottage gab es noch weitere Einschränkungen, bzw. Verbote gegen Juden, so wurde ihnen z.B. untersagt, Badeanstalten zu betreten oder Vereine zu führen.

In Dortmund gab es keine Widerstandsgruppe. So ging die Isolierung der jüdischen Bevölkerung ohne Gegenwehr weiter.

Im Juli 1938 wurden Kennkarten, die mit einem großen J“ versehen waren, an die Juden ausgeteilt. Im August des gleichen Jahres mußten Juden einen zweiten Vornamen annehmen, der sie unverkennbar als Jude auswies. Weibliche Juden mußten den Vornamen Sara“, männliche den Vornamen Israel“ annehmen.

Im Oktober 1938 wurde die Jüdische Synagoge unter Zwang für 170.000 Reichsmark an die Stadt verkauft. Am 29.10.1938 begann der Abriß der Synagoge. Gleichzeitig wurde der Kaufpreis beschlagnahmt. Nach dem Krieg erhielt die Jüdische Gemeinde jedoch eine Wiedergutmachung von 800.000 Mark.

Der Abriß der Synagoge wurde mit einem angeblichen Fund von staatsfeindlichen Schriften begründet.

In der Nacht vom 09. auf den 10.11.1938, der Reichskristallnacht, wurden sowohl die Hörder als auch die Dorstfelder Synagoge zerstört. 75 volljährige Juden wurden verhaftet und in die Steinwache geschafft. In Lünen wurden drei Juden ermordet.

Zwangsabgaben, festgelegt in einer Verordnung von Hermann Göring vom 12.11.1938, brachten vielen jüdischen Familien einen wirtschaftlichen Ruin. Es folgte das Verbot des Betreibens eines Handwerkes und der Zwangsverkauf von Geschäften.

Durch eine Polizeiverordnung vom 01.09.1941 wurden jüdische Mitbürger verpflichtet, sobald sie das sechste Lebensjahr vollendet haben, einen Judenstern zu tragen. Der Judenstern war ein handtellergroßer schwarz ausgezogener Sechsstern aus gelbem Stoff mit einer schwarzen Aufschrift Jude“. Der Stern mußte auf der linken Brustseite fest aufgenäht getragen werden.

Zuwiderhandlungen standen unter Strafe, und zwar eine Geldstrafe in Höhe von bis zu 150 Reichsmark oder bis zu 6 Wochen Haft.

Alle Dortmunder Juden wurden von nun an karteigemäß erfaßt. Der Sitz der Dortmunder Gestapo war in der Benninghoferstr. 16, in Dortmund-Hörde.

Sammelpunkt für die Abtransporte in Konzentrationslager war das Lokal Zur Börse“ in der Steinstraße und die Turnhalle des Sportvereins Eintracht“.

Von hier gingen folgende Transporte ab :

 

Datum

Transport nach

Personen

davon aus Dortmund

27.01.1942

Riga

 1000

 

27.04.1942

Zamosc/Lublin

 1000

 705

29.07.1942

Theresienstadt

 1000

 350

März 1943

Auschwitz

 1000

 

Mai   1943

Theresienstadt

unbekannt

 20

29.09.1944

Kassel-Bettenhausen

 150

 50

13.02.1945

Theresienstadt und Weißenfels

unbekannt

 

 

Mindestens 2.200 Dortmunder Juden starben in den Konzentrationslagern, weitere 200 starben an den Folgen eines Aufenthaltes in einem KZ.

Die ganzen Abtransporte und die folgende Vernichtung von jüdischen Mitbürgern geschah aufgrund der Wannsee-Konferenz am 20.01.1942 in Berlin. Hier wurde die Vernichtung von 11.000.000 europäischer Juden beschlossen.

In Dortmund wurde die jüdische Kultusgemeinde gezwungen, an den Transporten mitzuarbeiten, z.B. Information der Mitbürger über den bevorstehenden Abtransport.

Die Dortmunder Juden nach dem Zweiten Weltkrieg

Im August 1948 wurde die Jüdische Gemeinde neu gegründet. Bei der Gründung bestand sie aus etwa 40-50 Mitgliedern.

Erst acht Jahre später, am 02.09.1956 wurde das neue Gemeindezentrum der Jüdischen Kultusgemeinde in der Prinz-Friederich-Karl-Straße 9 eingeweiht. Heute zählt die Jüdische Gemeinde rund 400 Mitglieder.

Zurückgekehrte Juden bezogen in Dortmund Wohlfahrtsunterstützung.

In den folgenden Jahren wanderten einige, direkt nach dem Krieg nach Israel ausgewanderte jüdische Dortmunder wieder in ihre Heimatstadt zurück. Die Zahl der jüdischen Bürger steigt langsam an.


 

Jerusalem - Eindrücke von Christoph Knoch

 

"Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnend Herz so groß Verlan­gen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Tale, weit über Flur und Feld schwingt es sich über alle und eilt auf dieser Welt." (Reformiertes Kirchengesangbuch 371)

Ob Ihnen dieses Lied von Johann Matthäus Meyfart aus dem Jahr 1626 auch in den Ohren klingt? Zugegeben, es ist ein recht altes Lied, das sehr selten gesungen wird, die Sehnsucht nach der hochgebauten Stadt, die hier besungen wird, richtet sich nicht auf das irdische Jerusalem, sondern auf das himmlische Jerusalem der Offenbarung. Im frommen Kreisen wuchs im 19. Jahrhundert das Bedürfnis, nicht nur im Geist nach Jerusalem zu ziehen, sondern dort, in der Heiligen Stadt auf die Wiederkunft Christi zu warten. Waren während Jahrhunderten vor allem die orientalischen Christen und die Franziskaner in der Stadt geblieben, um die heiligen Stätten der Christen zu be­treuen, lassen sich nun mehr und mehr protestantische Gruppierungen in der Stadt nieder. Heute ist sie nach gut vier Stunden Flug und einer weiteren guten Stunde Fahrt von uns aus erreichbar. Zehntausende besuchen sie jedes Jahr, strömen durch die Gassen zur Westmauer, zur Auferste­hungskirche und zum Tempelberg, den wichtigsten Stätten der drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) in der Stadt. Und fast alle, die einmal dort waren, lässt sie nicht mehr los.

Jerusalem, geheimnisvoll und unerreichbar war die Stadt in meinen kindlichen Gedanken. In der Sonntagsschule und im Unterricht hatte ich von ihr gehört und als ich zu Beginn meines Theolo­giestudiums von einem jüdischen Zahnarzt darauf angesprochen wurde, dass ich als Theologe doch in Jerusalem studieren müsse, fragte ich ungläubig, ob so etwas überhaupt geht. Meine Vor­stellung war immer noch geprägt von den alten Bildern. Dass 1925 die Hebräische Universität ge­gründet worden war, dass sich längstens schon die Ecole Biblique, die American School for Ori­ental Research und auch das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heili­gen Landes dort niedergelassen hatten, wusste ich nicht.

1979/80 stand ich zum ersten Mal auf dem Ölberg und konnte in den Lobgesang von Psalm 122 einstimmen:

Von David, ein Wallfahrtslied. Ich freute mich über die, die mir sagten: / Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN! Nun stehen unsere Füße / in deinen Toren, Jerusa­lem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, / in der man zusammenkommen soll, wohin die Stämme hinaufziehen, / die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volk Is­rael, / zu preisen den Namen des HERRN. Denn dort stehen die Throne zum Gericht, / die Throne des Hauses David. Wünschet Jerusalem Glück! / Es möge wohl gehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern / und Glück in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Freunde willen / will ich dir Frieden wünschen. Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, / will ich dein Bestes suchen.

Jetzt erlebte ich die Gottesdienste von Juden, Christen und Muslimen mit, vieles war fremd, an­ders, faszinierend. Als zaghafter Beobachter von aussen zogen sie mich mehr und mehr in ihren Bann: die verschiedenen Gesänge am Freitagabend in den Synagogen der Juden aus dem Jemen oder jener, die sich aus Deutschland hatten retten können. Bei jedem Tischgebet heisst es: "Baue Jeruschalaim, die heilige Stadt, bald in unseren Tagen." Das war immer Bestandteil jüdischen Hoffens und Sehnens.

Sonntags feierten die Armenier, die Syrer, die Äthiopier und viele andere immer dasselbe: das Ge­heimnis der Menschwerdung Gottes. Besonders in der Karwoche und Osternacht wurden für mich die verschiedenen Traditionen farbig und lebendig. Die Geheimnisse der Grabes- oder besser Auf­erstehungskirche, die auf viele wegen ihres Lärms und Durcheinanders abstossend wirkt, lassen sich nur mit viel Zeit entdecken, heimisch bin ich nie geworden. Zuhause fühle ich mich im Gottes­dienst in der deutsch-lutherischen Erlöserkirche, unmittelbar daneben.

Wenn ich zurückkomme nach Jerusalem, dann ist die Stadt jedes Mal anders und doch wieder gleich. Die Besuche bei Freunden im jüdischen Westteil und bei meinem armenischen Freund im arabisch-palästinensischen Ostteil sind mir wichtig, ich spüre, wie in den letzten Jahren andere Grenzen gewachsen sind und trotz Anstrengungen zur Begegnung, zum Gespräch vieles schwie­rig bleibt, und die neuen Brücken noch nicht sehr tragfähig sind.

 

Möge die Vision des Propheten Jesaja eines Tages Wirklichkeit werden:

Jesaja 6610+12+13 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb­habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ihre Kinder sollen auf dem Arme getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

 

Falls noch Platz ist:

Liedtext von Mustafa al Kurd, arabischer Liedermacher in Jerusalem:

"Meine Wohnung, meine Wiege und mein Grab
ist Jerusalem, die Traurige.
Schon meine Ahnen trugen das Gewehr an ihrer Mauer.
Ohne sie, mein Sohn Darwisch, werden wir nicht weiterleben.
Sie ist ein Ring an deinem Ohr, oh mein Sohn, oh Darwisch.

In Jerusalem, mein Sohn, hören wir Lieder,
darin der Schmerz des Verwundeten und das Lachen der Fröhlichen.
Da sind Zähne, die zermalmen die Armen,
doch der Arme Jerusalems schaut auf zu den Sternen.

Die Mauer, mein Sohn, war und wird bleiben
Zufluchtsort der Armen, die ringen mit den Zeiten,
um ihr tägliches Brot unerniedrigt zu essen
doch das Haus des Armen Jerusalem, voll ist es von Hoffnung.

Die Mauer, mein Sohn, ist hoch, sehr hoch,
an ihren Steinen zerbrachen viele Lanzen
mit ihren Steinen, mein Sohn, spielen die Kinder
doch der Stein des Armen Jerusalems wacht über die Rosen.

Meine Wohnung, meine Wiege und mein Grab
ist Jerusalem, die Traurige."