Die Errichtung
"Am 8. März 1933 erfolgte dann ... meine Verhaftung durch eine schwer bewaffnete SA-Truppe ... aus meiner Werkstatt heraus. So wie ich stand, in Arbeitskleidung, wurde ich abgeführt und in einen eben erst von Schweinen freigemachten und nassen Schweinestall des SA-Lokal Ebling eingewiesen"!
Ortsgruppenleiter Klenk sowie Ober-Sturmführer Kratz standen auf der Treppe und begrüßten mich hämisch. Kratz zeigte auf den Schweinestall und rief: " Dort hinein mit dem Lump! ... Auf ihn!" Ich drehte mich um, sah den SA-Leuten, von denen schon einige dem Gummiknüppel hochgehoben hatten, ins Gesicht, bückte mich und ging durch die niedere Tür des Schweinestalls, ohne einen Schlag erhalten zu haben....
Ferner wurden noch über 15 sozialdemokratische Arbeiter und Bürger in den Kuhstall von Ebling eingesperrt, die von dem Beigeordneten Georg Deichmann und von  Konrad Trautwein mit Jagdgewehren  in der Gemeinde zusammengetrieben worden waren wie das Vieh.. Am nächsten Tage wurden wir - ca. 20 Mann ... in das neuerrichtete Lager nach Osthofen transportiert."
Johann Beckenbach, Framersheim

 

 

 

 

Die Häftlinge

Zahlreiche Artikel in lokalen Blättern belegen, dass ständig über Osthofen berichtet wurde. Die Absichten lagen auf der Hand: Erstens sollte Abschreckung erreicht und zweitens der Nachweis geführt werden, dass alles nicht so schlimm sei. Zynisch wurde in der NS-Presse das KZ Osthofen als Umerziehungslager für verwilderte Marxisten" bezeichnet, mit der Verköstigung "besser als bei Muttern".

 

 

Lageralltag

"... der war Sozialdemokrat, dem haben sie hier den Kieferknochen zerbrochen, so dass er mit einem Verband rumlaufen musste; er konnte den Mund nicht mehr zumachen."
Ernst Katz, ehem. Häftling

"... Zwei Juden aus Mainz, die Gebrüder Friedmann, wurden fast jeden Tag schwer misshandelt... Ein jüdischer Arzt musste die Jauchegrube mit einer Konservenbüchse ausschöpfen. Die Jauche floss immer wieder zurück, er wurde nie fertig."
Walter Deeg, ehem. Häftling

Die Täter
Die Wachmannschaft setzte sich in den ersten Monaten aus SS- und SA-Männern und Hilfspolizisten aus Osthofen, Worms und Umgebung zusammen. Sie wohnten bei freier Kost und Unterbringung im Lager und erhielten 5 Mark pro Tag Entschädigung für ihren Dienst. Da mehrere von Ihnen vor der Machübertragung arbeitslos gewesen waren, stellte die Entlohnung durchaus einen Anreiz für diese Tätigkeit dar. Ehemalige Häftlinge weisen übereinstimmend darauf hin, dass einzelne Wachleute besonders gefürchtete Schläger waren. Im Herbst 1933 wurden die SA-Männer vom Wachdienst abgezogen. Die Wachmannschaft wurde mit SS-Männern aus den Sonder- und Wachkommandos von Darmstadt und Offenbach aufgefüllt. Diese waren im Lager besonders gefürchtet.