Geschichte eines Lagerkomplexes
Der Beginn: Die Verlagerung der Raketenproduktion von Peenemünde in den Kohnstein
Der Gründung des KZ Mittelbau-Dora ging die Entwicklung der als Terrorwaffe konzipierten A4-Rakete in der Heeresanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom voraus. Im Frühsommer 1943 lief dort, aber auch bei den Rax-Werken in Wiener Neustadt und bei Zeppelin in Friedrichshafen am Bodensee die Serienfertigung dieser später unter der Propagandabezeichnung „V2" bekannt gewordenen Waffe an. Ein schwerer Luftangriff der Royal Air Force in der Nacht auf den 18. August 1943 bereitete jedoch der Peenemünder A4-Produktion ein schnelles Ende. Auch an den beiden anderen Produktionsstandorten war die A4-Fertigung durch alliierte Luftangriffe im Juni und August des Jahres zumindest in Mitleidenschaft gezogen worden.
Der Luftangriff auf Peenemünde forcierte die Entscheidung zur Verlagerung der A4-Produktion in weniger luftgefährtete Regionen. Die Wahl fiel auf ein Stollensystem der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft (Wifo) im Kohnstein bei Nordhausen in Thüringen. Dort hatte die Wifo seit 1936 ein unterirdisches Treibstofflager für die Wehrmacht ausbauen lassen, das im Spätsommer 1943 nahezu fertig gestellt war.

"Lebendig begraben": Dora im Herbst 1943
Am 28. August 1943, also nur zehn Tage nach dem Luftangriff auf Peenemünde, trafen am Kohnstein bei Nordhausen die ersten 107 KZ-Häftlinge mit ihren SS-Bewachern ein - damit erhielt das KZ Buchenwald ein neues Außenlager: das „Arbeitslager Dora", wie es bei der SS offiziell hieß. In den nächsten Wochen und Monaten folgten nahezu täglich weitere Häftlingstransporte aus Buchenwald. Ende September 1943 befanden sich bereits mehr als 3.000, Ende Oktober 6.800 und Weihnachten 1943 über 10.500 KZ-Häftlinge im Kohnstein.
Von einem Lager im eigentlichen Wortsinn konnte indes noch nicht die Rede sein: Da im Herbst 1943 Baracken oder andere feste Unterkünfte für die Häftlinge noch nicht vorhanden waren, wurden sie von der SS in den Stollen des geplanten Mittelwerkes untergebracht. Zu diesem Zweck wurden mit den Kammern 43 bis 46 vier Querkammern des leiterförmigen Stollensystems als "Schlafstollen" mit vierstöckigen Holzpritschen eingerichtet. Bis auf halbierte Ölfässer, die als Latrinen dienten, gab es keine sanitären Anlagen. Hunger, Durst, die Kälte und nicht zuletzt die Arbeit quälten und töteten die Häftlinge.
Der größte Teil von ihnen wurde in den ersten Monaten bei schweren Bau- und Transportarbeiten für den Ausbau der unterirdischen Raketenfabrik eingesetzt. So mussten Tunnel ausbetoniert, Bahngleise verlegt und weitere Stollen vorangetrieben werden. Der Ausbau des unterirdischen Mittelwerkes hatte dabei Vorrang vor der Errichtung des oberirdischen Barackenlagers am Südrand des Kohnsteins. Erst ab Januar 1944, als die Produktion der A4-Rakete im Mittelwerk anlief, wurden die ersten Häftlingsgruppen in das Barackenlager verlegt. Viele waren jedoch noch bis Mai 1944 in den Schlafstollen eingepfercht. Sehr viele Häftlinge, in der Mehrzahl Russen, Polen und Franzosen, überlebten die schweren Monate des Stollenausbaus nicht. Von Oktober 1943 bis März 1944 starben in Dora fast 2.900 Häftlinge. Weitere 3.000 Sterbende wurden im Frühjahr 1944 in die Konzentrationslager Lublin-Majdanek und Bergen-Belsen überstellt. Von ihnen hat kaum jemand überlebt.
Für die SS, unter deren Leitung die Bauarbeiten vorangetrieben wurden, war der Ausbau des Stollensystems für das Mittelwerk ein Prestigeprojekt. Besonders SS-Gruppenführer Hans Kammler, Chef der Amtsgruppe C im SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA), ging es darum, sich mit Blick auf weitere Bauprojekte auf dem Rüstungssektor zu profilieren.

Frühjahr 1944: Schrittweiser Umzug in das Barackenlager
Anfang Januar 1944 waren die Arbeiten so weit vorangeschritten, dass die Montage der A4-Raketen beginnen konnte. Mit dem Anlaufen der A4-Produktion im Mittelwerk setzte eine Umstrukturierung des Lagers Dora ein. Die Häftlinge, welche die kräftezehrenden Ausbauarbeiten im Herbst und Winter 1943/44 überlebt hatten, meinte man in der Produktion nicht mehr gebrauchen zu können, da sie entweder körperlich zu geschwächt oder für die Arbeit an den Montagebändern beruflich nicht qualifiziert schienen. Für die Fertigung der A4-Rakete wurden deshalb neue, in anderen Konzentrationslagern ausgewählte Gefangene nach Dora gebracht. Die erschöpften Häftlinge wurden hingegen in die ab März 1944 entstehenden Außenlager in der Umgebung Nordhausens abgeschoben, wo sie weiterhin im Stollenvortrieb oder auf Baustellen über Tage arbeiten mussten. So gelangten aus Dora allein in das gefürchtete Lager Ellrich, dessen Häftlinge in Baukommandos eingesetzt waren, etwa 10.000 Häftlinge. Vom KZ Buchenwald, dem das Lager Ellrich bis zum Herbst 1944 formal unterstand, wurden bis zur Verselbständigung des Südharzer Lagerkomplexes zum KZ Mittelbau am 28. Oktober 1944 dagegen nur 800 Häftlinge direkt nach Ellrich überstellt. Das Lager Dora entwickelte sich also bereits seit dem Frühjahr 1944 zu einer Drehscheibe des Häftlingsverschubs und übernahm damit schnell Funktionen eines Hauptlagers.

Sommer 1944: Die Herausbildung des KZ-Komplexers Mittelbau-Dora
Die Gründung der zunächst noch dem KZ Buchenwald zugehörigen späteren Mittelbau-Außenlager erfolgte im Zusammenhang mit der Bildung des "Jägerstabs" und der Untertageverlagerung der Luftrüstung ab dem Frühjahr 1944. Rund um Nordhausen sollten im Rahmen des Jägerprogramms nach dem Vorbild des Mittelwerkes unterirdische Verlagerungsbetriebe für den Junkers-Konzern entstehen. Daneben begann man, die für den geplanten Rüstungskomplex im Südharz nötige Infrastruktur zu schaffen; es wurden Stromleitungen gelegt, Straßen und Bahnlinien gebaut sowie Barackenlager für die erwartete Belegschaft der geplanten Rüstungsbetriebe errichtet. Nach der Gründung des „Geilenbergstabs" kamen im Sommer 1944 weitere Untertageverlagerungsprojekte der Mineralölindustrie hinzu. Der enorme Arbeitskräftebedarf für diese Projekte wurde zu einem großen Teil durch KZ-Häftlinge, aber auch durch zwangsrekrutierte ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und dienstverpflichtete Deutsche gedeckt. Angesichts des nahenden Kriegsendes ist jedoch trotz des rücksichtslosen Einsatzes besonders der KZ-Häftlinge kaum eines dieser Projekte auch nur annähernd fertig gestellt worden.
Die meisten im Zusammenhang mit der Untertageverlagerung eingerichteten Mittelbau-Lager lagen in einem relativ eng umrissenen Gebiet um Nordhausen. Neben dem Hauptlager Dora, das mit durchschnittlich etwa 15.000 Häftlingen belegt war, bildeten die Lager Ellrich (gegründet am 02.05.1944, belegt mit durchschnittlich etwa 8000 Häftlingen), Harzungen (01.04.1944, 4000 Häftlinge), Rottleberode (13.03.1944, 1000 Häftlinge) und die SS-Baubrigaden III und IV (zusammen etwa 3000 Häftlinge, die sich auf mehrere kleinere Lager entlang einer im Bau befindlichen Ausweichbahnlinie im Helmetal zwischen Nordhausen und Herzberg verteilten) den Kern des Mittelbau-Komplexes. Nach der Verselbständigung des KZ Mittelbau kamen mit der Verlagerung neuer Rüstungsprojekte in den Südharz weitere Außenlager hinzu; schließlich befanden sich im Frühjahr 1945 über 40.000 Häftlinge in den mittlerweile etwa 40 Mittelbau-Lagern.

Winter 1944/45: Beginnende Auflösung
Die Auflösungsphase des KZ Mittelbau begann bereits im Spätherbst 1944. Da die Außenlager überfüllt waren, besonders aber durch den einsetzenden Winter verschlechterten sich die Lebensbedingungen in allen Lagern des Komplexes, was zu einem starken Anstieg der Todesrate führte. War diese nach dem Höchststand im März 1944 (750 Tote) im Sommer jenes Jahres auf monatlich 100 bis 150 Tote abgesunken, so stieg sie ab November wieder stark an und erreichte im Dezember die Zahl von 570 offiziell von der SS registrierten Toten, von denen knapp 500 allein auf das Lager Ellrich entfielen.
Ende 1944 begann die SS, die Insassen der Lager Auschwitz und Groß-Rosen vor der anrückenden Roten Armee in weiter westlich gelegene Konzentrationslager zu „evakuieren". Viele dieser Transporte gingen in den "Mittelbau" – insgesamt wurden bis zu 16.000 Häftlinge aus Auschwitz und Groß-Rosen bis März 1945 dorthin verschleppt, darunter auch Frauen und Kinder. Mit diesen Transporten stieg auch die Zahl der jüdischen Häftlinge in den Mittelbau-Lagern. Die meisten von ihnen waren nach wochenlangen Eisenbahntransporten krank und völlig erschöpft, viele überlebten die Transporte nicht. Folge dieser Entwicklung war eine erneute drastische Zunahme der Sterblichkeit. Zwischen Januar und Anfang April 1945 starben in den Lagern des KZ Mittelbau über 6.000 Häftlinge, davon etwa 3.000 in der Boelcke-Kaserne in Nordhausen, die von der SS Anfang Januar als zentrales Sterbelager für den Mittelbau-Komplex eingerichtet worden war.

April 1945: Todesmärsche und Befreiung
Zwei massive britische Luftangriffe auf Nordhausen lösten die "Evakuierung" der Mittelbau-Lager zwar nicht aus, beschleunigten sie aber erheblich. Die "Evakuierung" des Hauptlagers Dora begann am Abend des 3. April, als 4000 sowjetische Häftlinge per Bahn nach Bergen-Belsen gebracht wurden. Um den 4. April herum müssen auch die Lagerführer der anderen Mittelbau-Lager aus Dora den Befehl zur Evakuierung ihrer Lager erhalten haben. Die meisten Lager wurden am 4. und 5. April geräumt. Es wiederholte sich nun, was die Häftlinge aus Auschwitz und Groß-Rosen bereits im Januar und Februar 1945 hatten erleiden müssen. In aller Eile und mit großer Brutalität trieben die Wachmannschaften die Lagerinsassen in herbeigeschaffte Güter- und Viehwaggons. Mehrere mit Tausenden von Häftlingen beladene Züge verließen bis zum 6. April 1945 den Südharz in Richtung Bergen-Belsen, Sachsenhausen und Ravensbrück. Daneben schleppten sich viele Kolonnen erschöpfter Häftlinge, angetrieben von den Wachmannschaften, zu Fuß durch den Harz in Richtung Nordosten. Wer auf den Gewaltmärschen nicht mithalten konnte, wurde hinterrücks von den Wachmannschaften erschossen.
Die meisten Lager des KZ Mittelbau wurden vollständig geräumt. Lediglich im Lager Dora und in der Boelcke-Kaserne ließ die SS einige Hundert Kranke und Sterbende zurück, die am 11. April 1945 von Soldaten der US Army befreit wurden.

Bilanz des Schreckens
Etwa 60.000 Häftlinge wurden von August 1943 bis März 1945 in die Mittelbau-Lager verschleppt. Die Gesamtzahl der Toten läßt sich nicht genau ermitteln. Etwa 12.000 Tote wurden offiziell in den SS-Akten vermerkt. Hinzu kommen eine unbekannte Zahl nicht registrierter in den Mittelbau-Lagern verstorbener und ermordeter Häftlinge, etwa 1.200 Opfer eines britischen Luftangriffs auf die Boelcke-Kaserne, über 5.000 Sterbende, die Anfang 1944 und im März 1945 in Vernichtungstransporten nach Lublin und Bergen-Belsen geschickt wurden und eine unbekannte Zahl von Häftlingen, welche die Todesmärsche nach der Räumung der Mittelbau-Lager im April 1945 nicht überlebten. Es kann also selbst bei vorsichtiger Schätzung davon ausgegangen werden, dass mindestens 20.000 Häftlinge die Deportation in das KZ Mittelbau-Dora nicht überlebt haben.
Chronik
28. August 1943 Nach der Bombardierung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde entsteht das Lager "Dora" als Außenlager des KZ Buchenwald.
ab September 1943 Fast täglich treffen aus Buchenwald weitere Häftlinge ein, die zu Ausbauarbeiten im Stollensystem des Kohnsteins eingesetzt werden.
September 1943 Die "Mittelwerk-GmbH" wird gegründet und erhält den Auftrag für die Serienproduktion der "A4" (V2)-Raketen.
Weihnachten 1943 In den unterirdischen Unterkünften befinden sich annähernd 10.000 Häftlinge.
Januar 1944 Die ersten A4-Raketen verlassen das Mittelwerk. Im selben Monat kommen 679 Häftlinge um. Beginn des Umzugs der Häftlinge in das entstehende oberirdische Barackenlager.
Januar bis April 1944 In drei Transporten werden 3000 Sterbende nach Bergen-Belsen und Lublin-Majdanek deportiert.
April 1944 Das neuerrichtete Krematorium nimmt im Häftlingslager seinen Betrieb auf.
Frühjahr 1944 In der Umgebung des Lagers "Dora" werden weitere Buchenwalder Außenlager eingerichtet, darunter die Lager Ellrich, Harzungen und Rottleberode.
31. Juli 1944 Die Lagerstärke des Außenlagers "Dora" beträgt 11.675 Häftlinge.
August 1944 Die "V1"-Produktion im Kohnstein läuft an.
28. Oktober 1944 Das bisherige Außenlager "Dora" wird mit den umliegenden Buchenwalder Außenlagern zum KZ "Mittelbau" mit einer Belegschaft von über 32.000 Häftlingen verselbständigt.
Dezember 1944 Weitere Rüstungsprogramme werden ins Mittelwerk verlagert.
ab Januar 1945 Mit der Auflösung der Konzentrationslager im Osten werden immer mehr Häftlinge in den KZ-Komplex "Mittelbau-Dora" verlegt; viele von ihnen sterben im neu eingerichteten "Krankenlager" in der Nordhäuser Boelcke-Kaserne.
Februar/März 1945 Massenhinrichtungen überwiegend sowjetischer Häftlinge im Lager Dora und in den Stollen des Mittelwerkes
1. April 1945 Die SS zählt in den Lagern des KZ Mittelbau 40.202 Häftlinge.
5./6. April 1945 Die sog. "Evakuierung" (Todesmärsche) des Hauptlagers sowie der Außenlager beginnt.
11. April 1945 US-Soldaten befreien einige Hundert kranke Häftlinge, die von der SS im Revier des Lagers Dora zurückgelassen worden waren.
16. April 1945 Die männliche Bevölkerung Nordhausens bestattet auf Befehl der Amerikaner über 1000 tote KZ-Häftlinge aus der Boelcke-Kaserne auf einem neu angelegten "Ehrenfriedhof" in Nordhausen
Ende April 1944 Die Lager Dora und Harzungen werden als Sammellager für ehemalige Zwangsarbeiter ("displaced persons") aus der Region Nordhausen eingerichtet
bis Ende Juni 1945 Etwa 100 komplette "A4"-Raketen, wertvolle Dokumente sowie Raketenteile werden von den Amerikanern aus dem Mittelwerk geborgen und abtransportiert.
Juli 1945 Die Rekonstruktion der "A4" beginnt im so genannten "Zentralwerk" Bleicherode unter Leitung sowjetischer Offiziere.
November 1945 Nach der Repatriierung der letzten DP’s wird das ehemalige KZ-Gelände im Lager Dora Aufnahmelager für deutsche Flüchtlinge
August 1946 Schließung des Flüchtlingslagers; bis zum Winter werden sämtliche Baracken demontiert und in Nordhausen und Umgebung wiederaufgestellt.
Oktober 1946 Das "Zentralwerk" in Bleicherode wird aufgelöst und mit Teilen der deutschen Belegschaft in die Sowjetunion verlagert.
1948 Die Eingänge zu den Fahrstollen A und B werden unter sowjetischer Leitung gesprengt.
 
Häftlingslager Dora
Das Häftlingslager hatte kein Lagertor bzw. Torgebäude. Zwischen der Baracke der Lagerverwaltung und der Gestapobaracke befand sich ein Holztor, durch das man vom SS-Bereich ins Häftlingslager gelangte.
Die Grenze zum Häftlingslager wurde in den sechziger und vor allem in den siebziger Jahren als Eingangsbereich der Gedenkstätte neu gestaltet. 1976 entstand auf dem Fundament der ehemaligen Gestapobaracke (sog. Politische Abteilung) ein so genanntes Mehrzweckgebäude mit Kinosaal und Arbeitsräumen.

Der Appellplatz wurde zu einem "Denkmal der Nationen" gestaltet. Die Übergabe des Platzes mit Eingangstor, Postament und Bogenmauer erfolgte im September 1974, das Relief stammt von Heinz Scharr.
Auf dem Appellplatz mussten die Häftlinge beim Ein- und Ausrücken zu den Arbeitsstellen zu täglichen Zählappellen antreten. Darüber hinaus fanden hier wöchentliche Lagerappelle statt, bei denen oftmals öffentliche Erhängungen vorgenommen wurden.

Links oberhalb des Appellplatzes, in unmittelbarer Nähe des Sportplatzes, ließ die SS im Sommer 1944 ein Lagergefängnis (Bunker) bauen. Das Gebäude wurde 1952 bis auf die Grundmauern abgerissen.

Im Hof befand sich die Hinrichtungsstätte. In einer Vertiefung in der nordöstlichen Ecke, von einer Natursteinmauer umfasst, stand der Galgen. Die Vertiefung und Teile der Umfassungsmauer sind noch sichtbar.

Die Kinobaracke wurde im Herbst 1944 fertig gestellt und nur kurze Zeit von privilegierten Häftlingen als Kino genutzt. Seit Januar 1945 diente sie als Quarantänebaracke für Häftlinge, die aus Auschwitz und Groß-Rosen kamen.

Von den Gebäuden und Unterkunftsbaracken auf dem Lagergelände sind nur noch Fundamente und Mauerwerk vorhanden. Erhalten sind die Feuerwache und das Krematorium.

Das Krematorium nahm seinen Betrieb im Spätsommer 1944 auf. Zuvor waren die Toten zunächst noch zur Verbrennung nach Buchenwald gebracht und seit dem Frühjahr 1944 in einem mobilen Verbrennungsofen auf dem Lagergelände verbrannt worden. 1946 von den Sowjets unter Schutz gestellt, blieb das Gebäude des Krematoriums erhalten, wurde jedoch 1964 umgebaut und beherbergte seit 1966 eine historische Dauerausstellung.
Nach der Schließung der Ausstellung im Jahr 1993 wurden die Räume weitgehend restauriert. Ein Wandrelief von Theo Balden, das 1979 angebracht worden war, blieb erhalten. Vor dem Krematorium befindet sich ein Gedenkplatz. Die 1964 dort aufgestellte Plastik von Jürgen von Woijski wurde 1999 neu ausgerichtet und durch eine Gedenktafel für alle Häftlinge des Lagers ergänzt. Weitere Gedenksteine erinnern an die ermordeten Juden und Sinti und Roma. Der Abhang, an dem die SS die Asche aus dem Krematorium verkippen ließ, ist als Friedhof gekennzeichnet.

Seit 1995 befindet sich die historische Dauerausstellung in einer Unterkunftsbaracke, die aus einem ehemaligen Zwangsarbeiterlager in Nordhausen stammt und 1991 auf dem Fundament einer Häftlingsbaracke aufgestellt wurde.
 
SS-Lager
Im ehemaligen SS-Lager befanden sich die Unterkunftsbaracken der Wachmannschaften, die zum "SS-Totenkopfssturmbann Mittelbau" gehörten. Etwa ein Drittel der über 3000 Mann umfassenden Wachmannschaften des KZ Mittelbau waren im SS-Lager am Kohnstein untergebracht, die übrigen zwei Drittel verteilten sich auf die Außenlager. Formal zwar zur SS gehörig, handelte es sich bei den meisten Angehörigen der Wachmannschaften um Wehrmachtssoldaten, die zur KZ-Bewachung abgestellt worden waren.

Das Zentrum des SS-Lagers bildete die Kommandantur. Hier hatten die SS-Sturmbannführer Otto Förschner und Richard Baer ihren Dienstsitz.

Vom Häftlingslager trennten das SS-Lager die Baracken der Politischen Abteilung (Lager-Gestapo) und der SS-Lagerverwaltung sowie ein elektrisch geladener Zaun.

Ein Betonbau, ehemaliger Unterstand der SS, wurde 1974 rekonstruiert und als "Stehbunker" bezeichnet.
 
Industriegelände Mittelwerk
Das KZ Mittelbau-Dora befand sich an der Südwestseite des Kohnsteins. Dem heutigen Besucher bietet sich ein stark verändertes Landschaftsbild, denn der größte Teil des Berges wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch den Anhydritabbau zerstört. Das ehemalige Lagergelände und die unterirdischen Anlagen sind denkmalgeschützt, in diesem Bereich wird der Abbau nicht weitergehen.
Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora erreichen Sie von der Landstraße aus, die die beiden Nordhäuser Ortsteile Salza und Krimderode verbindet. Am Abzweig von dieser Straße beginnt das Gedenkstättengelände. Gleich hinter der Einfahrt, rechts oberhalb der Straße, ist die Trasse der Eisenbahn zu erkennen, die vom nahe gelegenen Bahnhof Niedersachswerfen zum Lager- und Industriebahnhof auf der Südseite der Stollenanlage führte. Wie durch ein Tor öffnet sich der Blick auf eine teilweise erhaltene Eisenbahnbrücke über die Zorge.

Links der Betonstraße sehen Sie zunächst den ehemaligen Bahnhof (links der Straße). Die Rampe ist erhalten, im Gelände erinnert ein Eisenbahnwaggon an die Gefangenentransporte, die in Viehwagen dieser Art hier ankamen. Eine wichtige Funktion hatte der Bahnhof im Januar/Februar 1945 bei der Ankunft der Transporte aus Auschwitz und Groß-Rosen sowie bei der Räumung des Lagers Dora Anfang April 1945.

Ein Gleisanschluss an den projektierten Reichsbahn- Rangierbahnhof im benachbarten Salza konnte nicht mehr fertig gestellt werden. Lediglich ein Teil des dafür nötigen Bahndamms wurde Anfang 1945 noch aufgeschüttet (Reste davon sind noch zu erkennen).
Ein Teil des ehemaligen Bahnhofsgeländes wird zur Zeit noch als Übungsgeländes eines Hundesportvereins genutzt. Dieser wird jedoch jedoch in naher Zukunft auf ein Ersatzgelände verlegt werden.
Gleisanlagen verbanden den Bahnhof mit den beiden Fahrstollen im Kohnstein. Deren Eingänge wurden Ende der vierziger Jahre von den sowjetischen Besatzungsbehörden im Rahmen der Demontage gesprengt.

Eine von Häftlingen gebaute Betonstraße (heute zum Teil mit einer Teerschicht versehen) verband das Industriegelände vor den Kohnstein-Stollen mit dem anschließenden SS-Lager und dem dahinter liegenden Häftlingslager.
 
Kohnstein-Stollen
Seit 1936 hatte die Wifo (Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft) im Kohnstein ein Öl- und Schmierstofflager für die Wehrmacht angelegt. Als im August 1943 die ersten Häftlinge ankamen, war der größte Teil der Stollen bereits fertig gestellt. Auch Eisenbahngleise lagen schon in den Fahrstollen. Die unterirdischen Hallen wurden geräumt und von KZ-Häftlingen zur Fabrik ausgebaut, in der im Januar 1944 die Montage der A4-Rakete (V2) begann. Die Einzelteile der V2 lieferten Firmen aus ganz Deutschland. Im Herbst 1944 wurde auch die Fertigung der Flugbombe Fi 103 (V1) und des "Volksjägers" He 162 in das Mittelwerk verlegt, und noch Anfang 1945 lief die Produktion der Flugabwehrraketen "Taifun" und "R4M" an.

Seit 1995 ist das Stollensystem durch einen neu angelegten Tunnel zugänglich. Er führt seitlich in den Fahrstollen A und von dort ein Stück in die zerstörten Fabrikhallen. Zu sehen sind die ehemaligen Schlafstollen der Häftlinge, in denen später die V1 montiert wurde.
Der Zustand, wie er bei der Öffnung des Stollens vorgefunden wurde, ist so wenig wie möglich verändert worden. In den ehemaligen Montagekammern liegen zerstörte Werkseinrichtungen, Reste aus der Produktion und heruntergefallene Gesteinsbrocken wüst durcheinander. Weite Teile sind vom Grundwasser überflutet.

Ein Modell veranschaulicht die Ausmaße der durch die Ein- und Ausfahrttunnel miteinander verbundenen unterirdischen Produktionsanlage. An den Wänden sind Tafeln mit Erinnerungen ehemaliger Häftlinge angebracht.

Die Stollenanlagen sind nur im Rahmen von Führungen zugänglich.
 
Außenlager-Gedenkorte
Das Areal der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora beschränkt sich auf das Gelände des ehemaligen Lagers Dora und der Industrieanlagen auf der Südseite des Kohnsteins. Die zahlreichen Außenlager, die mit dem Lager Dora zusammen das KZ Mittelbau bildeten, sind damit jedoch nicht vergessen. In Zusammenarbeit mit lokalen Gedenkinitiativen (Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion; Jugend für Dora e.V.) konnten in den vergangenen Jahren mehrere ehemalige Lagerstandorte zu Lern- und Gedenkorten gestaltet werden. An manchen östlich der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze gelegenen Orten waren zu DDR-Zeiten bereits Gedenksteine aufgestellt worden.

Gedenkort Ellrich-Juliushütte
Eine besondere und für die jüngere deutsche Geschichte geradezu symbolische Entwicklung nahm das Gelände des ehemaligen Lagers Ellrich-Juliushütte, das mit durchschnittlich 8000 Häftlingen das zweitgrößte Einzellager des KZ Mittelbau war. Quer durch das Lagergelände verlief nach 1945 die Demarkationslinie und spätere deutsch-deutsche Grenze. Auf DDR-Seite wurden die baulichen Überreste des Lagers im Zuge der Grenzsicherung planiert und zum so genannten Todesstreifen umgestaltet. Dabei wurde auch eine nach 1945 von französischen Überlebenden angebrachte Gedenktafel entfernt, vor der bis Anfang der fünfziger Jahre noch Kranzniederlegungen stattfanden.

Auf westlicher Seite wurde der zum ehemaligen Lager gehörende Walkenrieder Ortsteil Juliushütte zunächst unter anderem mit Beschäftigten eines angrenzenden Sägewerkes wiederbesiedelt. Durch Abwanderung und einen Brand im Sägewerk verödete der Ort aber zusehends. Schließlich ließen die Behörden die Gebäude Anfang der sechziger Jahre einschließlich der vorhandenen Überreste des Konzentrationslagers (u.a. des noch erhaltenen Krematoriums) durch den Bundesgrenzschutz sprengen und anschließend mit Bäumen bepflanzen. Später wurde das Gelände zum Naturschutzgebiet erklärt. Erst nach dem Zusammenbruch der DDR und der Entfernung der Grenzanlagen wurde das Gelände wieder vollständig zugänglich.
In Zusammenarbeit mit dem Verein Jugend für Dora und der Stadt Ellrich wurde in den vergangenen Jahren ein Rundweg durch das ehemalige Lagergelände angelegt. Hinweistafeln erläutern u.a. den ehemaligen Appellplatz, das Häftlingsrevier und das Krematorium. Zwei nach 1990 gesetzte Gedenksteine erinnern an die Toten des Lagers.

Gedenkort Boelcke-Kaserne (Nordhausen)
Die Garagen, in denen Anfang 1945 einige Tausend kranke und sterbende Mittelbau-Häftlinge eingepfercht worden waren, sind nach dem Krieg vollständig abgerissen worden. An ihrer Stelle stehen seit den 60er Jahren Neubauten.

In der Nähe (Einfahrt zur Firma Nobas in der Rotenburgstraße) erinnert ein in den siebziger Jahren aufgestellter Gedenkstein an die Opfer des KZ-Außenlagers in der Boelcke-Kaserne.

Weitere Gedenkorte
Gedenksteine oder Hinweistafeln befinden sich auch an folgenden ehemaligen Lagerstandorten:
- Blankenburg-Oesig
- Rottleberode-Heimkehle
- Wieda
- Nüxei
- Osterhagen
- Mackenrode

An mehreren Orten wird überdies durch Gedenktafeln und Stelen der Opfer der Todesmärsche von April 1945 gedacht.
 
Figurengruppe Jürgen von Wojski
Die "Mahn- und Gedenkstätte Mittelbau-Dora" umfasste zunächst nur das ehemalige Krematorium, vor dem 1964 eine von Jürgen von Wojski geschaffene Figurengruppe aufgestellt wurde, die ursprünglich als DDR-Beitrag für die Gestaltung der Gedenkstätte Auschwitz vorgesehen gewesen war und fünf an den Händen gefesselte und gebrochen wirkende Häftlinge darstellte. Als zum Gedenken an das Vernichtungslager Auschwitz gedachte Plastik unterschied sich die Nordhäuser Figurengruppe deutlich von den kämpfenden Antifaschisten des Buchenwald-Mahnmals von Fritz Cremer, die sechs Jahre zuvor vor dem Glockenturm auf dem Weimarer Ettersberg aufgestellt worden war.