Bericht von meinem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
MAUTHAUSEN
Eine Woche nach meinem Besuch in Dachau sah ich mir die KZ-Gedenkstätte in Mauthausen, in Österreich in der Nähe von Linz an.
Wenige Wochen nach der Besetzung Österreichs durch die deutschen Truppen wurden von hohen SS- und Polizeioffizieren die Mauthausener Steinbrüche besichtigt und für die Schaffung eines Konzentrationslagers als geeignet befunden. Am 08.08.1938 wurden in den Steinbruch "Wiener Graben" Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau überstellt und es begann der Aufbau des Konzentrationslagers Mauthausen. Das Lager Mauthausen war das zentrale Lager (von der SS-Bewachungsmannschaft "Mutterlager" genannt) für das gesamte Österreich (damals Ostmark). Der Lagerverwaltung Mauthausen unterstanden 49 ständige oder nur wenige Wochen existierende Nebenlager. Schätzungsweise waren hier vom 08.08.1938 bis zur Befreiung am 05.05.1945 etwa 206.000 Personen beiderlei Geschlechts inhaftiert. Die überwiegende Mehrzahl der Mauthausener Häftlinge waren Menschen, die wegen ihrer nationalen Zugehörigkeit, rassischer Abstammung, politischer Tätigkeit oder ihres religiösen Glaubens von den nationalsozialistischen Behörden "als Volksschädlinge in Schutzhaft" genommen wurden. Bis zum Jahre 1939 war die Mehrheit der Häftlinge beim Bau des Lagers und der SS-Unterkünfte, später hauptsächlich im Steinbruch eingesetzt. Seit dem Jahre 1943 arbeiteten Häftlinge in der Rüstungswirtschaft.

Am Eingangstor zum Vorhof des Konzentrationslagers ist eine Gedenktafel angebracht worden:
"ZUR ERINNERUNG AN DIE ANGEHÖRIGEN DER 11. PANZERDIVISION DER 3.US-ARMEE, WELCHE DIE KONZENTRATIONSLAGER MAUTHAUSEN, GUSEN, EBENSEE UND ANDERE IN OSTERREICH GELEGENEN NEBENLAGER IM MAI 1945 BEFREITEN. IHRE OPFER BLEIBEN UNVERGESSLICH."

Auf einer weiteren Gedenktafel heißt es: "AN DIESER STELLE BEFAND SICH VOM JUNI 1938 BIS 5.MAI 1945 DAS KONZENTRATIONSLAGER MAUTHAUSEN. HIER UND IN DEN NEBENLAGERN WURDEN VON DEN NATIONALSOZIALISTISCHEN HENKERSKNECHTEN 122.166 HÄFTLINGE BESTIALISCH HINGEMORDET, DARUNTER (Es folgt eine genaue Aufgliederung, siehe Foto) DAS LAGER WURDE VON DER SOWJETARMEE DER ÖSTERREICHISCHEN BUNDESREGIERUNG AM 20.JUNI 1941 ÜBERGEBEN."

Zwischen dem Eingangstor zum eigentlichen Konzentrationslager und dem Steinbruch sind zahlreiche Denkmäler und Gedenkstätten errichtet worden.

Das Eingangstor war der einzige Zugang in das Hauptlager, das "Schutzhaftlager" genannt wurde. Das Holzplateau über dem Tor zwischen den Türen diente den Bewachungsmannschaften. Im rechten Turm befand sich unten ein Dienstraum, "Jourhaus" genannt. Hier wurden die Häftlinge beim Ein- und Ausmarschieren kontrolliert. Am linken Turm befindet sich innerhalb des Lagers eine Eisenkette, die als Marterwerkzeug Verwendung fand.

Das Übersichtsschema verdeutlicht sehr gut die innere Aufgliederung des Konzentrationslagers Mauthausen:
LAGER I: Baracken 1-20 Häftlingsunterkünfte. Die Baracken 2-15 (ab Herbst 1943 auch 16-19) waren für ständig im Lager eingesetzte Häftlinge reserviert. Die Baracken 16-18 resp. 19 dienten jahrelang als Unterkünfte für Neuzugänge (Quarantänelager), in den Jahren 1941/42 sieben Monate lang als "Kriegsgefangenenlager" für sowjetische Kriegsgefangene und im Jahre 1945 als Frauenlager.
Die Baracke 20 (Todesblock genannt) war immer für Kranke (Sonderrevier) oder für solche Häftlinge, die bald getötet werden sollten, reserviert. Im Lager I befand sich noch die Wäscherei- und Küchenbaracken, das Arrestgebäude, das Revier und der
Appellplatz.
LAGER II: Baracken 21-24. Zuerst Werkstätten und ab Frühjahr 1944 Häftlingsunterkünfte
LAGER III: Acht Baracken, Häftlingsunterkünfte
KRANKENLAGER: Zuletzt 10 Häftlingsbaracken, eine Waschraum- und Leichenbaracke sowie eine Häftlingsküche. (unten die rotmarkierte Fläche)
ZELTLAGER: Sechs große sowie acht kleinere Ausstellungs- und Militärzelte mit einem Innenflächenraum von etwa 5.212 qm. (oben die gelbmarkierte Fläche)

Der Quarantäne-Hof und der Friedhof liegen unmittelbar am Hauptlager Mauthausen. Eine Gedenktafel erinnert: " AUF DIESEM FRIEDHOF RUHEN 2.804 UNBEKANNTE HÄFTLINGE AUS DEN KONZENTRATIONSLAGERN MAUTHAUSEN UND GUSEN, DIE NACH IHRER BEFREIUNG AN ERSCHÖPFUNG GESTORBEN SIND. SIE GABEN IHR LEBEN FÜR DIE FREIHEIT IHRER HEIMAT. GEDENKT IHRER LEIDEN UND OPFER."

Die Wohn- und Schlafbaracken waren ähnlich denen in Dachau eingerichtet. Insgesamt standen hier ca. 25 Baracken.

Im Hauptlager gab es drei Verbrennungsanlagen: sie befanden sich im Keller des Krankenreviergebäudes bei der Genickschussecke und unterhalb des Arrestgebäudes. Neben der ersten Verbrennungsanlage war der Sezierraum eingerichtet; dort wurden den Leichen die Goldzähne ausgebrochen (in zwei Monaten vor der Befreiung rund 25 kg).

Die Gaskammer war durch Brausen und Wasserabläufe als Baderaum getarnt. Durch einen Schacht (der sich rechts in der Ecke befand und im April 1945 von der SS entfernt wurde) strömte das Zyklon-B-Gas aus dem Bedienungsraum in die Gaskammer.

Das Lagergefängnis wurde Bunker, Zellengebäude oder Sonderbau genannt. In diesem Gebäude mit 33 Zellen im Ausmaße von je 5,4 qm und einer Zelle von 8,4 qm fanden Ergänzungsverhöre der Häftlinge und alliierten Soldaten statt. In den letzten Monaten waren hier verschiedene prominente europäische Politiker unter falschem Namen festgehalten.
Vom Winter 1939/40 bis April 1945 wurden hier etwa 4.600 Personen inhaftiert, von diesen wurden ca. 4.200 exekutiert.

Im unteren Teil der Wäschereibaracke befand sich das Bad für die Neuangekommenen sowie ein Desinfektionsraum, oben die Wäscherei. Heute befindet sich im oberen Teil eine Kapelle und ein Weiheraum.

Der mit 380 Volt geladene Stacheldraht auf der Lagermauer machte eine Flucht unmöglich. Auf den im Verlaufe der Mauer errichteten Wachtürmen befanden sich Wachposten mit Maschinenpistolen. Große lenkbare Scheinwerfer bestrahlten in der Nacht die unmittelbare Umgebung der Mauer und des Lagers.

Die vor der Kommandantur befindliche Stiege führte in den Garagenhof der SS.

"TODESSTIEGE"! Von der Zufahrtstraße gelang man über die Todesstiege (186 Stufen) in den Steinbruch. Bis 1942 bildeten ungleich große, willkürlich und lose aneinander gereihte Felsbrocken die Stufen. Hunderte, ja Tausende Menschen wurden hier erschossen oder von herunterrollenden Steinen erschlagen. Im Steinbruch waren täglich durchschnittlich 2000 Häftlinge eingesetzt.

PERSÖNLICHER EINDRUCK VOM BESUCH DER KZ-GEDENKSTÄTTE IN MAUTHAUSEN

In diesen paar Stunden, die ich in Mauthausen verbracht habe, habe ich so viele neue Eindrücke sammeln können, wie schon eine Woche zuvor in Dachau.
"WAS WAR DER SINN VON ALLEM ???" diese Frage stelle ich mir immer wieder, aber eine Antwort habe ich noch nicht gefunden, und ich glaube, es gibt auch keine Antwort, die das Vorgehen der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 rechtfertigen könnte. Aber warum hat man dieses Gefangenenlager und die ganzen anderen gebaut? Nur um die politischen Gegenparteien, die religiös Andersdenkenden und die rassisch anderen Personen zu vernichten?! Die Opfer der Nazis waren doch genau wie die Nazis selber MENSCHEN, wenn auch anders denkend, aber kann dieses Andersdenken solch grausames, Vorgehen rechtfertigen? Ich glaube nicht! Ich habe schon immer gegen die Nazis argumentiert, und meine Besuche in Dachau und Mauthausen haben mir gezeigt, dass meine Argumentation vollkommen richtig gewesen ist.
Nach meinen Besuchen in den KZ-Gedenkstätten in Süddeutschland und Österreich habe ich mich entschlossen, meine Gedanken nicht für mich zu behalten, sondern sie möglichst vielen Leuten zu offenbaren und mit ihnen über das Thema "Vernichtungslager im Dritten Reich" ausführlich zu diskutieren.
Wer die Filme "Ein Stück Himmel" und dessen Fortsetzungen gesehen hat, kennt das Leben in einem Ghetto, dem Warschauer Ghetto, so ähnlich muss es auch in den Konzentrationslagern gewesen sein.
Durch meine Besuche in diesen ehemaligen Konzentrationslagern habe ich mich entschlossen, mich noch mehr mit dem Schicksal der Juden und der anderen Verfolgten zu beschäftigen. Ich finde, man sollte nicht gleiches mit gleichem zurückgeben, aber man soll auch nie vergessen!
© 2001 Michael Knoke
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