Von 1938 bis 1945 existierte in Flossenbürg ein Konzentrationslager. Rund 100.000 Menschen waren im Haupt- und den mehr als 100 Außenlagern inhaftiert. Mindestens 30.000 überlebten den Terror nicht. Heute erinnert eine Gedenkstätte an das Leid und den Tod der Häftlinge.

Anfang Mai 1938 wurde das Konzentrationslager Flossenbürg am Rande des nördlichen Oberpfälzer Waldes als Lager für so genannte "kriminelle" und "asoziale" Häftlinge eröffnet. Unter diese Sammelbezeichnung fielen "Landstreicher, Bettler, Geschlechtskranke, Prostituierte, Homosexuelle, Alkoholiker, Psychopathen, Verkehrssünder, Querulanten und Arbeitsbummelanten", aber auch Personen, die sich den nationalsozialistischen Arbeitsnormen widersetzten.

Für die Wahl der kleinen Gemeinde an der Grenze zur damaligen Tschechoslowakischen Republik als Standort für ein Konzentrationslagers waren mehrere Gründe ausschlaggebend. So lagen die Expansionspläne Nazideutschlands in Richtung Osten schon fertig ausgearbeitet in den Schubladen der Wehrmachtsgeneräle (sie wurden im Oktober 1938 mit dem Anschluss der "Sudetengebiete" an das Deutsche Reich sowie der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 dann auch vollzogen). In der Nähe der Ostgrenzen mussten Kapazitäten für die zu erwartenden Häftlinge aus den besetzten Ländern geschaffen werden.

Eine weitere, wichtige Rolle spielten die Vorbereitungen für einen "Großdeutschen Wirtschaftsraum" als Ausgangsbasis für einen Expansions- und Vernichtungskrieg. Gleichlaufend mit dem "Vierjahresplan" der deutschen Wirtschaft, setzte in diesem Zusammenhang auch die SS beim Bau neuer Konzentrationslager andere Schwerpunkte. Bei den Konzentrationslagern Flossenbürg und Mauthausen war die wirtschaftliche Ausbeutung der Häftlinge mit entscheidend. Die Standorte dieser "neuen Lagergeneration" wurden nicht mehr allein nach strategischen Gesichtspunkten ausgewählt. Potentielle Produktionsstätten, wie Granitsteinbrüche oder Ziegelwerke, spielten bei der geographischen Entscheidung eine immer größere Rolle.

Günstig an der Grenze zur Tschechoslowakei gelegen, war Flossenbürg für seine reichen Granitvorkommen bekannt und bot trotz seiner Abgeschiedenheit in einer äußerst dünn besiedelten Region den infrastrukturellen Vorteil als Endbahnhof einer Nebenbahnlinie. Häftlinge konnten problemlos in größerer Anzahl per Bahn nach Flossenbürg gebracht werden. Ebenso war es umgekehrt möglich, die hergestellten Granitprodukte, später dann Rüstungsgüter, über längere Distanzen an ihre Zielorte zu transportieren. Außerdem gab es in Flossenbürg bauliche Erweiterungsmöglichkeiten für die noch zu erwartenden Häftlingsmassen.

Lagergeschichte

Aufgabe der ersten Häftlinge, die ab Mai 1938 mit Transporten aus dem KZ Dachau kamen, war es, Erschließungsmaßnahmen für das Lager durchzuführen und die Baracken, erste Verwaltungsgebäude sowie Sicherungsanlagen zu errichten. Gleichzeitig wurde aber bereits mit Arbeitseinsätzen in den Steinbrüchen des SS-eigenen Wirtschaftsunternehmens DEST (Deutsche Erd- und Steinwerke) begonnen.

Nach der Aufbauphase erreichten nun größere Häftlingstransporte das Konzentrationslager Flossenbürg. Geplant für zunächst 1.600 Insassen, wurde die Lagerkapazität bereits im Juli 1939 auf 3.000 vergrößert. Trotz weiterer, baulicher Erweiterungen - bis zu einer Aufnahmemöglichkeit von schließlich 5.000 Häftlingen - war das Lager der Masse ständig neu eingelieferter Menschen zu keiner Zeit gewachsen. In der Endphase 1945 waren bis zu 15.000 Personen auf engstem Raum unter unbeschreiblichen Bedingungen zusammengepfercht.

Bis 1943 wurden die Häftlinge überwiegend zur Zwangsarbeit in den Steinbrüchen eingesetzt. Von den SS-Bewachern und den Kapos systematisch gedemütigt und gequält, mussten sie auch Material für die prestigeträchtigen Monumentalbauten des nationalsozialistischen Größenwahns liefern (beispielsweise für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg). Schon mit Beginn des Krieges änderte sich sowohl die Häftlingsstruktur, als auch der Charakter der Zwangsarbeit. Es kam zu Einlieferungsschüben von Verhafteten aus den besetzten Ländern und die Produktion für die Kriegswirtschaft wurde immer wichtiger. Gleichzeitig nahm die Bedeutung der Steinbrucharbeiten ab. Bereits Ende 1942 wurde geplant, Produktionsanlagen des Rüstungsbetriebs Messerschmitt in Flossenbürg zu errichten. Ab Februar 1943 wurde dann ein Teil der Häftlinge in neu errichteten Fertigungshallen für die Produktion des Jagdflugzeuges Me 109 eingesetzt.

Mit der erweiterten, kriegswirtschaftlichen Häftlingsarbeit expandierte das Konzentrationslager Flossenbürg auch geographisch. Ab 1942 wurden in Bayern, Böhmen und Sachsen über 100 Außenkommandos des Hauptlagers errichtet. Zehntausende Häftlinge wurden dort zu Sklavenarbeiten gezwungen - viele überlebten sie nicht.

Die unvorstellbaren Haftbedingungen, der Terror der Bewacher und der Kapos bestimmten den Lageralltag. Dennoch hatte das KZ Flossenbürg nicht den Charakter eines reinen Vernichtungslagers. Vielmehr sollten die Häftlinge durch die Arbeit, die unzureichende Ernährung und Versorgung im Lager, sowie durch die allgegenwärtigen Schikanen zugrunde gerichtet werden. "Versklavung und Vernichtung" oder auch "Vernichtung durch Arbeit" lautete die von Himmler an die SS ausgegebene Devise. Menschliches Leben wurde als ausbeutbarer Rohstoff bei der Produktion kriegswichtiger Güter betrachtet. Da durch willkürliche Verhaftungen jederzeit "Nachschub" herbeigeschafft werden konnte, hatte das "Material Mensch" nur einen geringen Wert.

In Flossenbürg fanden aber auch gezielte und systematische Vernichtungsaktionen statt. So entstand beispielsweise neben dem eigentlichen "Schutzhaftlager" ein abgetrennter und gesondert gesicherter Bereich für sowjetische Kriegsgefangene mit einem Fassungsvermögen von 2.000 Mann. Sie wurden nach Hitlers "Kommissarsbefehl" massenweise ermordet. Da diese Gefangenen nicht in der offiziellen Lagerkartei registriert wurden, lassen sich über die Zahl nur Vermutungen anstellen.

Ende 1944 befanden sich über 8.000 Häftlinge in den Baracken des Konzentrationslagers, überwiegend aus Polen, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei. Mehr als 5.000 von ihnen waren in der Produktion der Me 109 Jagdflugzeuge eingesetzt.

Zum gleichen Zeitpunkt erreichten bereits fast täglich Häftlingstransporte aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Buchenwald oder anderen Lagern Flossenbürg. Aufgrund seiner geographischen Lage wurde das KZ Flossenbürg vorübergehend zur Auffangstation für tausende von Häftlingen, die vor den heranrückenden Alliierten nach Richtung Süden getrieben wurden. Kein Häftling sollte lebend in die Hände der Befreier fallen. Die SS-Bewacher versuchten in den verlassenen Lagern die Spuren ihrer Mordtätigkeit zu verwischen. So wurde z.B. die SS-Gesamtpersonalkartei Anfang 1945 von Oranienburg nach Flossenbürg verlagert, wo sie Mitte April von der SS verbrannt wurde.

Ab März verließen aber auch Flossenbürg die ersten Transporte in Richtung Süden; das Lager wurde aufgelöst. Auf so genannten "Evakuierungsmärschen" starben nochmals Tausende an Erschöpfung oder wurden von den begleitenden Wachmannschaften erschossen und erschlagen. Am 23. April 1945 befreite die 90. US Infanterie Division das Konzentrationslager Flossenbürg.

Die Opfer

Wie in fast allen Konzentrationslagern der "neuen Generation" waren auch in Flossenbürg die ersten Häftlinge so genannte "Grünwinkel" oder "Kriminelle" (verschiedenfarbige, auf die Kleidung aufgenähte Dreiecke unterteilten die Häftlinge in Kategorien). Dabei handelte es sich einerseits tatsächlich um Schwer- und Berufskriminelle, andererseits aber auch um Personen, die wegen Bagatelldelikten mit dem nationalsozialistischen Staat in Konflikt gekommen waren. Bereits seit Herbst 1939, vermehrt aber nach Abschluss der Aufbauphase des Lagers, Anfang 1940, kamen auch deutsche, politische Häftlinge aus Dachau und Sachsenhausen nach Flossenbürg. Bald machte die Gruppe der "Politischen" ein Drittel der Belegung aus. Die privilegierten "kriminellen Grünwinkel" besetzten jedoch die wichtigen Funktionsstellen innerhalb der Häftlingshierarchie und ließen sich in hohem Maße zu willfährigen Handlangern (Kapos) der SS-Schergen machen. Eine solche, bereits in Dachau erprobte Lagerstruktur hatte Methode: Die "grünen" Kapos wurden zum Instrument des Terrors gegenüber anderen Inhaftierten. Das sollte die Solidarisierung der Häftlinge untereinander verhindern, jegliche Privatsphäre und Individualität zerstören und einen ständigen Verfolgungs- und Vernichtungsdruck schaffen.

1943 fasste das Lager bereits über 4.000 Häftlinge, hauptsächlich politische Gefangene aus dem Ausland: Größtenteils Polen, sowjetische Kriegsgefangene und Zivilarbeiter, Tschechen, Belgier, Franzosen und Holländer. Ab Mitte 1944 trafen zahlreiche polnische und ungarische Juden in Flossenbürg ein, die vor ihrer geplanten Vernichtung zur Sklavenarbeit gezwungen wurden. Ende 1944 befanden sich über 8.000 Menschen im Lager, das für maximal 5.000 Häftlinge ausgerichtet war. Bis zur beginnenden Auflösung im Februar 1945 waren an die 15.000 Menschen gleichzeitig interniert.

Anfang 1945 wurde eine Gruppe so genannter "Sonderhäftlinge" - Angehörige des militärischen Widerstandes und hochrangige Repräsentanten verschiedener Staaten - aus Gestapo- oder Wehrmachtsgefängnissen und anderen Lagern in den Arrestbau nach Flossenbürg verlegt. Der "Bunker" war vom restlichen Lagerbereich abgetrennt, die dort Inhaftierten mussten nicht arbeiten und hatten keinen Kontakt zu den anderen Häftlingen. Im direkt angrenzenden Gefängnishof wurden viele dieser Menschen exekutiert. Darunter am 9. April 1945 auch Männer aus der Widerstandsgruppe des "20.Juli 1944", die kurz zuvor nach Flossenbürg gebracht worden waren: Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Ludwig Gehre, Hans Oster, Karl Sack, Theodor Strünck und Friedrich von Rabenau.

Insgesamt waren von 1938 bis 1945 über 100.000 Häftlinge im Konzentrationslager Flossenbürg und den Außenlagern interniert. Nachweislich kamen durch gezielte Tötungen oder durch die katastrophalen Lebensbedingungen rund 30.000 Menschen um. Da aber die in Flossenbürg ankommenden Häftlingstransporte in der Endphase des Lagers nicht mehr registriert wurden und die Nummern toter Lagerinsassen teilweise wieder an neue Gefangene vergeben wurden, wird sich die Zahl der Opfer nie exakt feststellen lassen.

Die Ermordung Dietrich Bonhoeffers und anderer Mitglieder des militärischen Widerstandes in Flossenbürg

Noch kurz vor Kriegsende wurde eine Gruppe Oppositioneller, Angehörige der "Bekennenden Kirche" und des militärischen Widerstandes, die bereits in anderen Haftstätten interniert waren, nach Flossenbürg gebracht. Einziger Zweck der Verlegung vom Reichssicherheitshauptamt in Berlin nach Flossenbürg war die bereits langfristig geplante Ermordung.

Nach der Einlieferung der Männer - um den 7. April - wurden sie bereits am nächsten Tag in einem Standgerichtsverfahren zum Tode wegen "Hochverrats" verurteilt und am Morgen des 9. April im Hof des Lagergefängnisses exekutiert.

Eine der herausragenden Persönlichkeiten dieser Gruppe war der protestantische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Er hatte bereits unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 dazu aufgerufen, dem Regime "in die Speichen zu fallen" (wesentliche Impulse dazu kamen unter anderem von seinem Schwager Hans von Dohnanyi). Als Vertreter der "Bekennenden Kirche" wandte sich Bonhoeffer immer wieder gegen die Nationalsozialisten. Aufgrund seiner europaweiten, ökumenischen Beziehungen fungierte der Pfarrer als Informant zwischen dem oppositionellen Kreis in der militärischen Abwehr und einzelnen Widerstandsgruppen im Ausland. Im April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer verhaftet und in das Militärgefängnis Berlin-Tegel eingeliefert.

Bonhoeffer saß also bereits in Haft, als der militärische Widerstandskreis um Admiral Wilhelm Canaris nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 aufflog.

Canaris hatte sich von einem anfangs überzeugten Nationalsozialisten immer mehr zum entschiedenen Gegner des Terrorregimes gewandelt. Aufgrund seiner exponierten Stellung nahm er zwar nicht an aktiven Widerstandshandlungen teil, deckte aber die konspirativen Unternehmungen seiner Mitarbeiter.

Ebenfalls zur einer zentralen und treibenden Kraft für Aktionen gegen das Hitlerregime wurde General Oster, Angehöriger der Abwehrabteilung im Reichsluftfahrtministerium.

Auf ausdrücklichen Befehl Hitlers wurden Bonhoeffer, Canaris und Oster, zusammen mit den Reserveoffizieren Gehre und Strünck und dem Generalstabsrichter Sack, Anfang April 1945 zur Ermordung in das Konzentrationslager Flossenbürg transportiert. Am 8.April 1945 wurden sie in einem Scheinverfahren von dem SS-Richter Thorbeck und unter Anklage des SS-Standartenführers Huppenkothen als "Hochverräter" verurteilt und in den frühen Morgenstunden des 9. April 1945 durch den Strang ermordet. Obwohl nicht eindeutig belegt, ist davon auszugehen dass auch der Offizier Friedrich von Rabenau mit dieser Gruppe exekutiert wurde.

In einem Revisionsurteil vom 19. Juni 1956 sprach der Bundesgerichtshof die SS-Richter Thorbeck und Huppenkothen vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord frei.

Die Täter

Ebenso wie alle anderen Konzentrationslager wurde auch Flossenbürg von einer eigenen SS-Einheit bewacht und beherrscht. Der Terror dieses "SS-Totenkopf-Sturmbanns Flossenbürg" erstreckte sich jedoch nicht nur auf das Hauptlager, auch die meisten Außenkommandos waren der Flossenbürger SS-Einheit unterstellt.

Während 1938 nur wenige SS-Leute die ersten Häftlinge bei der Errichtung des Lagers bewachten, hatte sich bis zum Jahr 1945 ein über 4.000 Männer und mehr als 500 Frauen umfassender Wachverband entwickelt. Die weiblichen SS-Angehörigen wurden hauptsächlich in verschiedenen Außenlagern eingesetzt, allerdings mussten alle Neu-Bewerberinnen eine Art "Praktikum" im Hauptlager Flossenbürg absolvieren.

Entgegen anders lautenden Behauptungen waren die Wachmannschaften der Konzentrationslager eine der Keimzellen der Waffen-SS. Der Wachdienst in den Lagern galt als wichtiger Bestandteil bei der Ausbildung. Ebenso waren Versetzungen von Wachleuten zu den Feldtruppen und umgekehrt gängige Praxis.

In den Außenlagern beteiligten sich aber auch immer wieder Einheiten der Wehrmacht an der Aufsicht über die KZ-Häftlinge. So stellte z.B. die Luftwaffe die Bewachung des Außenlagers Kronach-Gundelsdorf.

Ein entscheidendes Merkmal der SS-Organisation in den Konzentrationslagern war die Arbeitsteilung. Fünf miteinander über Befehlsstrukturen vernetzte Abteilungen herrschten über das KZ Flossenbürg: Oberste Instanz in Lager- und Dienstangelegenheiten war die Kommandantur. Gleichzeitig bekleidete der Lagerkommandant den Posten des Befehlshabers über die Flossenbürger SS-Einheiten. Dennoch zeichnete die Abteilung II - die Lager-Gestapo - relative Selbständigkeit aus. Diese Dienststelle entschied über Einweisung und Entlassung, Bestrafung und Exekution von Häftlingen.

In der Abteilung III, "Schutzhaftlager", lag das eigentliche Machtzentrum. Dem "Schutzhaftlagerführer" - als ständigem Vertreter des Kommandanten - unterstanden die Arbeitseinsatz-, Rapport- und Blockführer. Sie waren die unmittelbaren Vorgesetzten der Häftlinge und bestimmten die Formen des alltäglichen Terrors im Lager und in den Arbeitskommandos. Sie begünstigten und dirigierten aber auch die gefürchteten "Kapos", privilegierte Häftlinge, die sich für eigene Begünstigungen zu willfährigen Helfern der SS formen ließen. Von der Willkür und den Launen dieser SS-Führer und Kapos hingen vielfach die Überlebenschancen der einzelnen Häftlinge ab.

Abteilung IV, "Verwaltung", war für die völlig unzureichenden "Lebens"-Bedingungen der Häftlinge verantwortlich. Sie bestimmte die Versorgung des Lagers mit Bekleidung und Lebensmitteln. Von ihr wurde aber auch das beschlagnahmte Eigentum der Häftlinge verwaltet.

Einen weiteren SS-Machtbereich stellte die Abteilung V, "Sanitätswesen", dar. Dieser Dienststelle gehörten Ärzte und Pfleger des Krankenreviers an. Ihre Aufgabe bestand nicht nur in der Wiederherstellung arbeitsunfähiger Häftlinge und der Bekämpfung von Seuchen, sie töteten gleichzeitig unzählige Häftlinge durch gezielte Fehlbehandlungen, Todesinjektionen oder Menschenversuche.

Immer wieder stellt sich die Frage nach Herkunft und Lebenslauf der SS-Schergen. Die meisten von ihnen waren keineswegs sozial Unterprivilegierte mit einem schon immer vorhandenen, besonderen Hang zur Brutalität. Einzelne Studien belegen, dass die SS-Bewacher aus der Mitte der damaligen Bevölkerung stammten, mittlere bis höhere Schulbildung hatten und von Opportunismus, Karrierechancen oder soldatischem Elitewahn geleitet wurden.

Die Biographien der Flossenbürger Lagerkommandanten sind relativ gut erforscht. Gemeinsam mit vielen anderen Tätern war ihnen die Teilnahme am Ersten Weltkrieg, eine verhinderte bürgerliche Laufbahn nach 1918 und damit eine ablehnende Einstellung zur Weimarer Republik. Entscheidend für das Verständnis der Motive von SS-Führern und Bewachungsmannschaften sind aber weniger biographische Ähnlichkeiten und Besonderheiten, sondern vielmehr die Merkmale eines gemeinsamen Elite-Ideals und einer gemeinsamen Gruppenidentität: Die überhöht eingeschätzte Sicht des eigenen Daseins, sowie der Überlegenheitsglaube der eigenen "Volkszugehörigkeit" und "Rasse" förderte den Gruppenzusammenhalt und die "Kameradschaft". Ständige Gewaltbereitschaft gehörte zu einem der wichtigsten Merkmale dieser Gruppe. Wer nicht die Zugehörigkeit zur SS, aufs Spiel setzen wollte, musste die Erwartungen erfüllen und erfüllte sie oft genug auch gerne.

Der Soziologe Wolfgang Sofsky schreibt zu den Motiven der Täter: "Für Grausamkeit reicht ein Mangel an moralischem Sinn und die Verrohung durch den täglichen Dienstbetrieb. Die Aufseher prügelten, quälten und töteten, nicht weil sie mussten, sondern weil sie durften."

Außenlager

Das Scheitern des "Blitzkriegkonzepts" der Wehrmacht nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1942 führte zu einer Zunahme des Einsatzes von Häftlingen in der Kriegswirtschaft.

So entstanden ab 1942 an verschiedenen Orten Bayerns, Böhmens und Sachsens über 100 Außenkommandos des Konzentrationslagers Flossenbürg, in denen Häftlinge bei kriegswichtigen Bauvorhaben, aber auch direkt in der Rüstungsproduktion, eingesetzt wurden.

Organisatorisch waren sie dem Hauptlager in Flossenbürg unterstellt, zeichneten sich aber durch eigene Lagerstrukturen, eigene Unterkünfte und eigene Wachmannschaften aus. Die Schikanen und der Terror der Bewacher und Kapos unterschieden sich in den Außenkommandos kaum von denen im Flossenbürger Hauptlager.

Zwei der berüchtigtsten Außenlager waren Hersbruck in Franken und Leitmeritz in Böhmen, wo jeweils einige tausend Häftlinge an Stollenbauprojekten und in unterirdischen Fabriken arbeiten mussten. Über die Hälfte der nach dort verschleppten Häftlinge hat die Torturen nicht überlebt.

Während das Hauptlager Flossenbürg bis auf die letzten Monate ein reines Männerlager war gab es unter den Außenkommandos auch über 30 Lager mit weiblichen Gefangenen.

Einige Orte in denen größere (manchmal auch mehrere) Außenlager des KZ Flossenbürg bestanden.
Altenhammer
Ansbach
Aue
Bayreuth
Brüx/Most
Chemnitz
Dresden
Eichstätt
Eisenberg/Jezeri
Falkenau a.d Eger/Falknov nad Ohri
Flöha
Freiberg
Ganacker
Giebelstadt
Grafenreuth
Graslitz/Kraslice
Gröditz
Gundelsdorf
Hainichen
Heidenau
Helmsbrechts
Hersbruck
Hertine/Rtyne
Hohenstein-Ernstthal
Holleischen/Holysov
Hradischko/Hradistko
Janowitz/Vrchotovy Janovice
Johanngeorgenstadt
Jungfern Breschan/Panenske Brezany
Kirchham
Knellendorf
Königstein
Krondorf/Korunni
Leitmeritz/Litomerice
Lengenfeld
Lobositz/Lovosice
Mehlteuer
Meissen
Mittweida
Mockethal-Zatschke
Moschendorf
Mülsen-St. Micheln
Neu Rohlau/Nova Role
Nossen
Nürnberg
Obertraubling
Oederan
Plattling
Plauen
Porschdorf
Poschetzau/Bozicany
Pottenstein
Rabstein/Rabstejn
Regensburg
Rochlitz
Saal a.d.Donau
St. Georgenthal/Jiretin
Schlackenwerth/Ostrov
Schönheide
Seifhennersdorf
Siegmar-Schönau
Stein-Schönau/Kamenicky Senov
Stulln
Venusberg
Willischthal
Wolkenburg
Würzburg
Zschachwitz
Zschopau
Zwickau
Zwodau/Svatava
 
Todesmärsche / Befreiung
Bereits im Sommer 1944 wurden die ersten großen Konzentrationslager im Osten angesichts der heranrückenden alliierten Befreier aufgelöst. Die noch lebenden Häftlinge kamen mit Eisenbahntransporten ins Landesinnere. Ein großer Teil dieser Routen hatte das Konzentrationslager Flossenbürg zum Ziel. Aufgrund seiner geographischen Lage war Flossenbürg zu einer der letzten Stationen des nationalsozialistischen KZ-Systems geworden.
Mitte April 1945 begannen aber auch hier die Wachmannschaften mit der Auflösung. Zur selben Zeit wurden die Außenkommandos "evakuiert." Ein erster Transport mit ca. 1.700 jüdischen Häftlingen ging am 17. April in einem Eisenbahntransport von Flossenbürg in Richtung Dachau - das Lager von dem die amerikanischen Streitkräfte noch am weitesten entfernt waren.
Ohne Nahrung und nur notdürftig bekleidet, wurden in den folgenden Tagen weit über 10.000 völlig abgemagerte und erschöpfte Häftlinge nach Süden getrieben. In mehreren Kolonnen mit bis zu 4.000 Menschen durchkreuzten diese Elendsmärsche bayerische Ortschaften. Unzählige Häftlinge starben an Entkräftung. Andere wurden bei Fluchtversuchen oder weil sie vor Erschöpfung nicht mehr weiter konnten, erschossen. Ein Sonderkommando, bestehend aus Häftlingen, musste die Leichen notdürftig verscharren. Nach Kriegsende wurden über 5.000 Tote entlang der Routen entdeckt.
Als die 90. Infanterie Division der US Armee am 23. April 1945 das Lager erreichte, fanden die Soldaten dort noch ca. 1.600 schwerkranke Häftlinge vor, die von den flüchtenden Wachmannschaften zurückgelassen worden waren. Viele dieser Todkranken überlebten ihre Befreiung nur um wenige Stunden oder Tage. In den folgenden Wochen starben noch weit über hundert ehemalige KZ-Gefangene an den Folgen der Lagerhaft. Rund ein Drittel der Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg erlebte die Befreiung nicht
 
Nach 1945 / Gedenkstätte
Das Lagergelände nach 1945
Unmittelbar nach der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner dienten die Baracken zunächst noch als Unterkunft und Krankenstation für die überlebenden Häftlinge. Im Mai 1945 wurde das Lager aufgelöst und die ehemaligen Häftlinge in ihre Heimatländer zurückgeführt. Ab Juli 1945 richtete die amerikanische Militärregierung auf dem Gelände ein Internierungslager für ca. 4.000 deutsche Kriegsgefangene ein - zum großen Teil ehemalige Angehörige der SS - das bis April 1946 bestand.
Auch danach wurden das Gelände und die Baracken weiterhin als Lager genutzt. Die UN-Flüchtlingsorganisation UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) brachte dort so genannte "Displaced Persons" - Menschen fremder Staatszugehörigkeit, die sich nach der Befreiung in Deutschland aufhielten - unter. Dabei handelte es sich vorwiegend um Polen, die auch maßgeblich an der Gründung und Gestaltung der Gedenkstätte beteiligt waren.

Nach Auflösung des UN-Flüchtlingslagers Ende 1947 wurden die Steingebäude des Lagers und die bereits stark umgebauten Baracken abermals mit Flüchtlingen belegt. Zahlreiche Familien aus Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland bewohnten nun Unterkünfte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers (das Bild zeigt das einstige "Gefängnis"). Erst Ende der 50er Jahre kam es zur endgültigen Auflösung des damals in den Besitz des Freistaates Bayern übergegangenen Flüchtlingslagers.

Ein Programm des Landkreissiedlungswerkes schuf unter Mithilfe der Gemeinde Wohnraum für die Menschen, die ihre Heimat verloren hatten und die jahrelang in den Baracken hausen mussten. Auf einem Teil des ehemaligen Lagergeländes wurden Wohnungen gebaut.

Entstehung und Entwicklung der Gedenkstätte Flossenbürg

Bereits 1946 wurde auf Initiative einiger im UNRRA-Lager untergebrachter, ehemaliger, polnischer Häftlinge eine Denkmalsanlage gestaltet, die das Erscheinungsbild der Gedenkstätte bis heute prägt. Allerdings umfasste diese erste Gedenkstätte nur einen kleinen Teil des heutigen Gedenkstätten-, bzw. einen noch kleineren Teil des früheren Lagergeländes. Die vorrangigen Aktivitäten des Denkmalskomitees konzentrierten sich auf den Bau einer Sühnekapelle aus den Steinen der Lagerwachtürme und die dazugehörige Denkmalsanlage im "Tal des Todes". Zentrales Element in der Gedenkstättengestaltung wurde das frühere Krematorium, das bereits seit 1946 für Besucher zugänglich war. Mit der symbolischen Gestaltung der zwischen 1945 und 1947 gefundenen Knochen- und Aschenreste im Tal des Todes zu einer Aschenpyramide im Jahre 1947, erhielt die Gedenkstätte den Charakter eines Denkmals und eines Ehrenfriedhofs.

Im Zuge der Recherchen verschiedener, nationaler Suchdienste, der Exhumierung von Toten entlang der Todesmarschrouten und deren Wiederbestattung, wurde ein großer KZ-Ehrenfriedhofes in Flossenbürg geschaffen. Er befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenenlagers und der "Desinfektion".

Im Herbst 1966 wurde die Gedenkstätte mit dem Ausbau des früheren Lagergefängnisses erweitert. Seitdem ist in diesem Gebäude eine Dauerausstellung untergebracht (letztmals 1985 überarbeitet). 1995 kam es zum Bau einer jüdischen Gebetsstätte.

Im Ort befindet sich zusätzlich ein Ehrenfriedhof für die noch nach der Befreiung verstorbenen Häftlinge. Zur Finanzierung dieser Anlage - insbesondere des dort errichteten Denkmals - trugen nicht nur Sammlungen bei, es wurden beispielsweise auch gemalte Postkarten verkauft.