Geschichte des Ortes
 
Im Juli 1937 wurde auf dem Ettersberg bei Weimar in Thüringen das Konzentrationslager Buchenwald errichtet. Zunächst war es für politische Gegner des Naziregimes, vorbestrafte Kriminelle und so genannte Asoziale, Juden, Zeugen Jehovas und Homosexuelle bestimmt, mit Beginn des 2. Weltkrieges wurden zunehmend Menschen aus anderen Ländern eingeliefert. Bei der Befreiung waren 95% der Häftlinge keine Deutschen. Vor allem nach 1943 wurden in Buchenwald und in seinen insgesamt 136 Außenkommandos KZ-Häftlinge - darunter seit Herbst 1944 auch Frauen - rücksichtslos in der Rüstungsindustrie ausgebeutet. Obwohl das Lager kein Ort des planmäßigen Völkermords war, fanden Massentötungen von Kriegsgefangenen statt, kamen viele Häftlinge bei medizinischen Versuchen und durch die Willkür der SS ums Leben. Durch Aussonderung von Häftlingen in die Vernichtungslager war Buchenwald in den Vernichtungsapparat des Nationalsozialismus integriert. Anfang 1945 wurde das Lager Endstation für Evakuierungstransporte aus Auschwitz und Groß-Rosen. Kurz vor der Befreiung versuchte die SS, das Lager zu räumen und schickte 28.000 Häftlinge auf Todesmärsche. Etwa 21.000 Häftlinge, darunter über 900 Kinder und Jugendliche, blieben im Lager.

Am 11. April 1945 erreichten Einheiten der 3. US-Armee den Ettersberg. Die SS floh, Häftlinge der geheimen Widerstandsorganisation öffneten das Lager von innen.
Insgesamt waren von 1937 bis 1945 über 250.000 Menschen inhaftiert, von denen mehr als 50.000 starben.

Von 1945 bis 1950 nutzte die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers als Internierungslager (Speziallager Nr. 2). Es wurden vorwiegend Personen, die als Mitglieder der NSDAP oder in einer Funktion dem nationalsozialistischen Regime nahe standen, aber auch willkürlich Verhaftete eingeliefert. Von etwa 28.000 Internierten starben über 7.000 vor allem an den Folgen von Vernachlässigung und Unterernährung. Die Toten wurden nördlich des Lagers und in der Nähe des Bahnhofs in Massengräbern beerdigt.

Im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Gedenkstätte des antifaschistischen Widerstands wurde das Lager ab 1951 weitgehend abgerissen und 1958 mit dem Mahnmal als "Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald" eingeweiht.
Die heutige Gedenkstätte Buchenwald ist Teil der von der Bundesregierung und vom Land Thüringen getragenen Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Sie ist der Erinnerung an das nationalsozialistische Konzentrationslager und das ehemalige sowjetische Internierungslager auf dem KZ-Gelände gewidmet.
Der Schwerpunkt liegt auf der Erinnerung an das Konzentrationslager.

Ihr Gedenkstättenbesuch beginnt in Weimar.
In Weimar kamen die Häftlingstransporte an, bevor sie nach Buchenwald weitergeleitet wurden; Züge in die Vernichtungslager passierten den Bahnhof Weimar.
In der Stadt sind zahlreiche Bauwerke erhalten, die dem nationalsozialistischen System dienten und auf Verbrechen hinweisen, die dort und auf dem nahe gelegenen Ettersberg geschahen:

der Marstall - Sitz der Geheimen Staatspolizei
das Landgericht
das ehemalige Gauforum - ab 1937 erbaut, nicht fertig gestellt
Pfähle des Lagerzauns von Buchenwald als Einzäunung eines Gartens in der Bauhausstraße u.a.
Damals wie heute führt der Weg von der Stadt nach Buchenwald über die Ettersburger Straße. Etwa 2 km hinter dem Ortsschild Weimar, am Frederic-Manhès-Platz (Obelisk; 1961), zweigt die 1939 von Häftlingen ausgebaute Zufahrtsstraße zum Lager (Blutstraße) ab. Sie ist teilweise noch original erhalten. Parallel dazu verlief die Bahnlinie (1943 von Häftlingen erbaut).
Nach etwa 3 km sehen Sie links das Mahnmal (1958) und kommen am zugewachsenen Gelände der SS-Truppengaragen (links) und der Gustloff-Werke II (rechts), einer ehemalige Rüstungsfabrik, vorüber. Sie erreichen dann den ehemaligen Bahnhof Buchenwald. Seit 1943 war er Umschlagplatz für Menschen aus ganz Europa, die in der Rüstungfabrikation eingesetzt wurden, Ausgangsort für Transporte von nicht mehr arbeitsfähigen Häftlingen in die Vernichtungslager und 1945 Endstation für Evakuierungstransporte aus den Lagern im Osten.
Der direkte Zugang von der Straße und vom Bahnhof zum Lager führte von hier über den "Carachoweg". Dort befanden sich die Gebäude der Lagerverwaltung, von denen die Tankstelle, Garagen und Reste der Lagerkommandantur (1938) erhalten sind.
Parkplatz und Bushaltestelle befinden sich an der Stelle des ehemaligen Exerzierplatzes der SS. Einige der Kasernengebäude (1937-1939) sind erhalten und werden von der Gedenkstätte genutzt.
SS-Kasernen
Die Kasernen der SS-Wachmannschaften entstanden 1937 bis 1939. Von den ursprünglich 18 Häusern und dem geräumigen Speisesaal, die im Halbrund den Exerzierplatz (heute Parkplatz PKW und Bus) umschlossen, sind noch vier so genannte Hundertschaftsgebäude und eine größere SS-Kaserne erhalten.

Die SS-Wachverbände der Konzentrationslager, auch SS-Totenkopfverbände genannt, entstanden aus besonders ausgewählten und ausgebildeten SS-Leuten. Sie galten als Säule des KZ-Systems, militärische Reserve und innenpolitische Eingreiftruppe für den Krisenfall. Ihr Selbstverständnis war nicht das von Gefangenenwärtern. Bis 1939 dienten sie in den Konzentrationslagern ausschließlich auf freiwilliger Basis. Der Dienst im Konzentrationslager, verbunden mit einer Ausbildung zum Hass und zur Unbarmherzigkeit gegen alle, die nicht in das Raster der nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft" passten, galt als politische Aufgabe und Kampffeld. Ende 1937 waren bereits 1617 SS-Leute auf dem Ettersberg stationiert. Ihr Zahl wuchs bis Kriegsbeginn auf etwa das doppelte an und schwankte während der Kriegsjahre zwischen 750 und 3000. Aus den Wachverbänden des KZ Buchenwald gingen fünf KZ-Kommandanten und viele von denen hervor, die ihre Karriere in den Vernichtungslagern und Mordkommandos fortsetzten.
Anfahrtstrasse
Bis 1943 kamen die Häftlinge per Lastwagen oder zu Fuß vom Bahnhof Weimar auf den Ettersberg. Anstelle des ursprünglich unbefestigten Waldweges errichteten Häftlinge in Zwangsarbeit und unter extremem Druck durch die SS eine Betonstraße. In Erinnerung an die Leiden der vor allem aus jüdischen Häftlingen bestehenden Steineträgerkolonnen, die das Packlager der Straße aus dem ca. 1000 Meter entfernten Steinbruch herantrugen, wurde sie Blutstraße genannt.
 
Gustloff-Werke II
Entlang der Straße - auf einem von der SS 1942 erworbenen Geländestück - entstand bis zum Frühjahr 1943 ein Komplex von Rüstungsbehelfsbauten. Die Werkhallen einschließlich der dort beschäftigten Häftlinge wurden von der SS an die in Weimar ansässigen Wilhelm-Gustloff-Werke vermietet und erhielten die Bezeichnung Gustloff-Werke II. Zur Fertigung gehörten u. a. Steuereinrichtungen der Rakete V 2. Bei einem Luftangriff am 24. August 1944 wurde der Rüstungskomplex fast vollständig zerstört. Unter den Häftlingen, die während des Angriffes im Werksbereich verbleiben mussten, gab es 315 Tote und 525 Schwerverletzte.
Bahnhof Buchenwald
Auch der Bahnanschluss von Weimar zum Konzentrationslager, den Häftlinge 1943 unter großen Opfern innerhalb weniger Monate erbauten, diente zunächst dem Rüstungswerk und der in diesem Areal befindlichen Zentralbauleitung der Waffen-SS. Bald war dieser Bahnhof aber vor allem Umschlagplatz für Menschen aus ganz Europa, die als KZ-Häftlinge in den Rüstungswerken West- und Mitteldeutschlands arbeiteten. Im Winter 1944/1945 wurde die Bahnhofsrampe Schauplatz tausendfachen Leides und Todes. Züge, überfüllt mit entkräfteten Menschen - viele dem Tod näher als dem Weiterleben - trafen aus den evakuierten Ostlagern ein.
"Carachoweg"
Die Anfahrtstrasse mündet im Zugangsbereich des Lagers, in dem sich die wichtigsten Institutionen der Lagerverwaltung befanden. Vom ursprünglichen Zugangsbereich sind die Tankstelle und die Garagen der SS-Kommandanturfahrbereitschaft noch erhalten. Neuankommende Transporte wurden von der SS mit Hunden bis zum Lagertor gehetzt. Der Übergang vom Bahnhof zum Lager erhielt deshalb den Namen "Carachoweg". (Das Wort Karacho stammt aus dem Spanischen und steht u. a. für lärmende Schnelligkeit.)
Lagerkommandantur
Zu beiden Seiten des "Carachoweges" standen die Gebäude der Lagerkommandantur, des SS-Truppenstabes, der Politischen Abteilung (Geheime Staatspolizei), des Führerkasinos und der Truppenkantine. Von diesen Gebäuden, die überwiegend während des Bombenangriffes im August 1944 zerstört wurden, sind nur ein Fragment des Kommandantenhauses und der mit einer Holzpalisade umgebene Hundezwinger des Kommandanturstabes original erhalten.

Der Kommandanturstab bestand aus fünf Abteilungen, die arbeitsteilig für die Belange der Verwaltung, Registrierung, Zwangsarbeit, Hygiene sowie für Misshandlungen und Tod der im Lager inhaftierten Menschen zuständig waren. An der Spitze der nach dem Führerprinzip gegliederten Hierarchie stand der Lagerkommandant. Lagerkommandanten in Buchenwald waren von 1937 bis 1941 Karl Koch (1945 durch die SS in Buchenwald erschossen) und von 1942 bis 1945 Hermann Pister (1947 von einem amerikanischen Militärgericht zum Tode verurteilt).

Die Holzbaracke der Adjutantur bildete den westlichen Flügel des Kommandantenhauses (heute Toilettenbereich). Gegenüber der Kommandantur befand sich, bis 1944 ebenfalls in einer Holzbaracke, die Politische Abteilung, d. h. die Zweigstelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Die Lager-Gestapo veranlasste Folterungen und Verhöre und versuchte, das Lager mit einem Netz von Spitzeln zu überwachen. Die Einlieferung in das Konzentrationslager, die in die Zuständigkeit der Gestapo fiel, erfolgte ohne gerichtliches Urteil und ohne Einspruchsrecht der Betroffenen.

Im Kommandanturbereich befand sich außerdem das Sonderstandesamt Weimar II, das Familienangelegenheiten der SS-Leute bearbeitete, dessen Aufgabe aber vor allem in der Registrierung der im Lager getöteten Menschen bestand.
SS-Zoo
Schon 1938 ließ der Lagerkommandant Karl Koch in unmittelbarer Nähe des Stacheldrahtes einen Tierpark errichten, von dem nur Fragmente (Bärenzwinger, Wasserbassin) erhalten sind. Der Zoo wurde aus erpressten "Spenden" der Häftlinge finanziert. Die SS-Leute und ihre Familien nutzten ihn als Freizeitbereich. Östlich vom "Zoo", etwa auf der Höhe des Wachtturms stand in den ersten Jahren des Lagers der Leichenschuppen.
 
Lagertor
Das Lagertor gehörte zu den ersten Bauten, die Häftlinge 1937 errichteten. In der Gesamtkonstruktion und Funktionalität ist es noch den ursprünglichen Planungen für ein Lager mit 6000 - 8000 Häftlingen angepasst.

Das Gebäude diente als Hauptwachtturm und Lagergefängnis. Im östlichen Flügel befanden sich die Diensträume der für den Tagesablauf der Häftlinge zuständigen SS-Offiziere (Schutzhaftlagerführer, Rapportführer).

Durch das Tor mit der von innen lesbaren Aufschrift "Jedem das Seine" erfolgte die Einlieferung in das Lager. Erinnerungen ehemaliger Häftlinge an die Tortur der ersten Tage und Wochen beginnen mit dem Schock der Einlieferung an diesem Ort. Täglich zogen die Arbeitskommandos in langen Kolonnen durch das Tor. Ihre Arbeitszeit und die Lebenszeit des Einzelnen bestimmte die SS. An der Spitze des Turms befindet sich die einzige öffentliche Uhr des Lagers.

Während Einheiten der 3. US-Armee, aus nordwestlicher Richtung kommend, am 11. April 1945 die Höhe des Ettersberges einnahmen, besetzten politische Häftlinge der internationalen Widerstandsorganisation das Lagertor, nahmen versprengte SS-Leute gefangen und hissten die weiße Fahne. Damit signalisierten sie den anrückenden amerikanischen Truppen das Entweichen der SS aus diesem Bereich. Etwa 21.000 Menschen befanden sich noch im Lager. Die Stunde ihrer Befreiung ist im Ziffernblatt der Turmuhr festgehalten.
 
Arrestzellen
Das Lagergefängnis, im Lager Zellenbau oder Bunker genannt, bildet den Westflügel des Torgebäudes. Ab Februar 1938 waren die Zellen mit Häftlingen belegt

Laut Strafordnung durfte die Arreststrafe nur vom Kommandanten verhängt werden und sollte auf 21 Tage begrenzt bleiben. Tatsächlich mussten Menschen oft Monate in den engen Zellen verbleiben. Für viele, so z. B. für den evangelischen Pfarrer Paul Schneider, endete die Tortur mit dem Tod. Der Bunker war die schlimmste Folterstätte des Lagers. Mit Hilfe eines Arsenals von Werkzeugen und Foltermethoden versuchten SS und Gestapo hier Geständnisse zu erzwingen und Menschen zu zerbrechen. Die im Arrest tätigen SS-Aufseher wiesen schon nach kurzer Dienstzeit Merkmale individueller Barbarisierung und vollständigen Kulturverlustes auf. Besonders der Arrestaufseher Martin Sommer war wegen seiner Folterpraxis berüchtigt. Nach offiziellen Unterlagen starben während seiner Dienstzeit im Bunker (1938-Frühjahr 1943) über 160 Menschen.

In Zelle 1 verbrachten Menschen ihre letzen Stunden vor der Hinrichtung im Krematorium. Ursprünglich konnte der Zellentrakt nur über einen Zugang außerhalb des Lagers betreten werden.
 
Appellplatz
Der Ende 1938 asphaltierte Platz zwischen Lagertor und Baracken war seit der Gründung des Lagers Tatort grausamer Strafmaßnahmen (öffentliche Auspeitschung auf dem sog. Prügelbock, Strafestehen von mehreren Stunden, Strafsingen) und Exekutionen und Schauplatz des täglich zweimaligen Aufmarsches der Lagerinsassen (Zählappell). Über den Köpfen der Häftlinge, auf der Balustrade des Lagertores, demonstrierte die SS ihre bewaffnete Macht.

Die im Lager inhaftierten Menschen täglich zu zählen, blockweise zu formieren und auf festgelegte Handlungen (z. B. Herunterreißen der Mütze) zu drillen, gehörte in den Kontext einer Lagerordnung , die auf die Zerstörung jeglicher Individualität und schließlich des Menschen selbst gerichtet war. Die Aufmarschmarkierungen, rechteckige Steine aus weißem Travertin, sind noch heute auf dem Platz zu finden.

Auf beiden Seiten des Appellplatzes errichtete die SS zeitweilig Sonderlager. Diese dienten zur Unterbringung und Isolierung von nach dem Novemberpogrom 1938 eingelieferten deutschen Juden (vgl. Gedenkstein Sonderlager Novemberpogrom 1938) bzw. 1939 von österreichischen Juden und Polen (vgl. Gedenkstein Sonderlager 1939/40). Auf der Ostseite des ursprünglich etwa zwei Hektar großen Platzes entstanden 1942 Baracken für eine Pilotproduktion von Gewehren. Ab 1943 befanden sich dort die Schlosserei und die Elektrikerwerkstatt der zum Lager gehörenden SS-eigenen Deutschen Ausrüstungswerke GmbH.
 
Sonderlager 1939/40
Mit Kriegsbeginn nahm die Zahl der in Buchenwald inhaftierten Menschen sprunghaft zu. Die Aufnahmemöglichkeiten waren schon Ende September 1939, nach Ankunft von 2200 Häftlingen aus dem KZ Dachau, erschöpft. Da nach diesem Datum Transporte mit mehr als 5000 Menschen eintrafen, errichtete die SS neben dem Appellplatz ein Sonderlager, - auch kleines Lager, kleines Polenlager, Lager II genannt -, in dem ein Viertel, zeitweise sogar ein Drittel der neu eingelieferten Menschen hausten. Über 1000 Wiener Juden und Hunderte von Polen brachte man dort für längere Zeit unter. Eine Holzbaracke und vier Großzelte dienten auch in den kalten Wintermonaten als Unterkunft. Im so genannten "Rosengarten", einem käfigähnlichen Verhau aus Brettern und Stacheldraht, ließ die SS 110 Polen unter freiem Himmel verhungern und erfrieren.

Die SS kürzte die Verpflegungsrationen (sonst 300-500 Gramm Brot und 1 Liter Suppe) der überwiegend an Ruhr erkrankten Insassen des Sonderlagers auf 200 und sogar auf 100 Gramm Brot und 3/4 Liter Suppe ohne Gemüse und Kartoffeln. Der vom restlichen Lager abgeriegelte Platz wurde zum Ort der ersten vorsätzlichen Massentötung von Juden und Polen im KZ Buchenwald. Bis zum Jahresende 1939 tötete die SS hier durch Terror und Aushungern über 400 Wiener Juden, über 100 polnische Juden und etwa 300 Polen. Das älteste Opfer war der 86jährige Moses Adler aus Wien. Das am 7. Februar 1940 aufgelöste Sonderlager forderte mindestens 1000 Tote.
 
Krematorium
In Anfangsjahren ließ die SS die Leichname der im Lager getöteten Menschen im städtischen Krematorium Weimar oder in den Krematorien umliegender Städte einäschern. Die Leichenbaracke lag außerhalb des Zaunes. Sie ähnelte einem Bauschuppen.

Während des Sonderlagers 1939/40 stieg die Totenzahl so schnell an, dass die SS fahrbare Krematoriumsöfen im Lager aufstellen ließ. An der Jahreswende 1939/40 erfolgte der Aufbau des ersten Krematoriums, das mit einem Einäscherungsofen der Firma Topf & Söhne Erfurt Mitte 1940 den Betrieb aufnahm. Schon nach reichlich einem Jahr genügte es nicht mehr den Anforderungen. Es entstand ein Bau, dessen Leichenkeller (Rutsche vom Krematoriumshof / Aufzug in den Ofenraum) für die Aufnahme und Beseitigung großer Zahlen von Leichnamen, wie sie während der Massenerschießungen ab Ende 1941 (vgl. Pferdestall) zum Krematorium gebracht wurden, geeignet war. Die neu erbauten Öfen waren der Prototyp einer für Zwecke der Massenvernichtung entwickelten und später auch in Auschwitz-Birkenau zur Anwendung gebrachten Technologie der Leichenverbrennung. Bis Juni 1943 wurden zehn Öfen dieses Typs im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau errichtet.

Mit Ausnahme der Toten von Massenexekutionen wurden sämtliche Leichname zunächst in die Abteilung Pathologie des Krematoriums eingeliefert. Dort brach man die Goldzähne heraus, fertigte verschiedene Präparate an oder auch Artikel aus gegerbter Menschenhaut für den Privatbedarf der SS. Nach den von der Pathologie ausgestellten Nummern erfolgte die Verbrennung. Die Asche der Toten kam nur zum geringeren Teil in Urnen. Seit etwa Ende 1944 wurde sie in einer natürlichen Erdsenke ( vgl. Aschegrab) unterhalb der Villenstraße verkippt. Das Krematorium und der Krematoriumshof dienten auch als Exekutionsstätte. Etwa 1100 Menschen wurden im Leichenkeller des Krematoriums an Wandhaken erdrosselt. Darunter befanden sich auch Frauen und Kinder. Der 8jährige Iwan Belewzew aus Charkow war das jüngste bekannte Mordopfer. Am Zugang zum Ofenraum erschoß die SS in der Nacht vom 17. zum 18. August 1944 den Reichstagsabgeordneten und Vorsitzenden der KPD, Ernst Thälmann.
 
Die "Goethe Eiche"
In der östlichen Barackenreihe, zwischen Häftlingsküche und Wäscherei, stand eine alte Eiche. Dieser Baum, als Naturdenkmal "Dicke Eiche" in den Flurplänen des Ettersburger Forstes verzeichnet, wurde beim Kahlschlag für den Bau des Lagers verschont. Vermutlich spielte der Hang der SS zur Eichen-Symbolik eine größere Rolle als ihre sentimentale Reminiszenz an Goethe, der mit Frau von Stein unter diesem Baum gesessen haben soll.

Die Häftlinge sahen in der "Goethe-Eiche" ein Stück unverletzte Natur, und der Baum repräsentierte für sie eine positive Welt außerhalb des Lagers. Eine Brandbombe traf während des Luftangriffes im August 1944 die Eiche und wenig später wurde sie gefällt.

Bereits in den ersten Nachrichten, die aus Buchenwald an die Öffentlichkeit gelangten, fand auch die "Goethe-Eiche" Erwähnung, Anlass für Joseph Roth ihr im Mai 1939 sein letztes Gedicht "Die Eiche Goethes in Buchenwald" zu widmen.
 
Desinfektionsgebäude
Zur Einlieferungsprozedur in das Lager gehörten die Abgabe der Zivilkleidung, das Scheren der Körperhaare und das Untertauchen in Desinfektionslösung. 1942 entstand dafür ein spezieller Funktionsbau als Schleuse für Massentransporte. 35 bis 50 Menschen pro Durchgang betrug die vom Projektanten vorgesehene Kapazität. Wer die Schleuse passiert hatte, wurde nackt durch einen unterirdischen Gang in das Kammergebäude getrieben. Das Desinfektionsgebäude gehört zu 1942/43 neu geschaffene Einrichtungen (vgl. Kleines Lager), die als Zeugnisse des Funktionswandels des Konzentrationslagers zum Umschlagplatz von Arbeitskräften erhalten geblieben sind.

Das Gebäude beherbergt seit der Restaurierung eine ständige Ausstellung Kunst und wechselnde Sonderausstellungen unterschiedlicher Thematik.
 
Kammergebäude - Museum
Das größte Gebäude des Lagers entstand in der Aufbauzeit. In ihm befanden sich die Säle der Häftlingsbekleidungskammer, der Effektenkammer (Aufbewahrung der beweglichen Habe), der Gerätekammer und die Räume der Häftlingsgeldstelle. Neuzugänge ließen in diesem Haus alles zurück, was sie bei sich trugen, und erhielten Einheitskleidung, Nummer und Winkelkennzeichen aus Stoff. Damit waren sie für die SS erkennbar und verfügbar. Dem Gebäude gegenüber stand das Haus der Häftlingswäscherei. Dahinter, heute noch vorhanden, befand sich der Kartoffelkeller der Häftlingsküche. Hinter dem Gebäude schlossen sich in nordöstlicher Richtung die Gewächshäuser der Gärtnerei an.

Seit der Restaurierung Mitte der 80er Jahre wird das Gebäude als Museum der Gedenkstätte genutzt.
Deutsche Ausrüstungswerke GmbH, Werk Buchenwald
Im Frühherbst 1940 erwarb die SS-eigene Deutsche Ausrüstungswerke GmbH (DAW) durch Kauf die Lagerwerkstätten des Konzentrationslagers Buchenwald.
Die Leitung des neuen Zweigwerkes übernahm der Lagerkommandant. Als Betrieb der Holz- und Leichtmetallbranche produzierten die DAW zunächst vorrangig für den Bedarf der SS. Später wurde ihr zunehmend kriegswichtige Produktion übertragen. In diesem Zusammenhang erfuhr der Betrieb im Laufe der Jahre eine ständige Erweiterung.
Block 17
In jeder der über 30 Holzbaracken, in der Lagersprache Block genannt (etwa 53 Meter lang und über 8 Meter breit), waren zwischen 180 und 250 Menschen untergebracht. Ab 1938 bis Ende 1941 lebten in den zwei Wohnflügeln des Blockes 17 jüdische Häftlinge. Ab 1942 diente diese Baracke zur zeitweiligen Quarantäne kleinerer eintreffender Gruppen. Mit einem Transport aus Paris trafen im August 1944 43 Armeeangehörige ein, die als Verbindungsleute der britischen und kanadischen Armee zur Résistance in Frankreich verhaftet worden waren und zur Sonderbehandlung,. d. h. zur Hinrichtung, nach Buchenwald kamen. Drei der Männer konnten durch den Lagerwiderstand gerettet werden, die übrigen vierzig erhängte die SS im Keller des Krematoriums.
Block 50 (Fleckfiebersäruminstitut)
Der Block 50, eines von ehemals 15 zweietagigen Steinhäusern, wurde im Spätherbst 1939 fertig gestellt. Die ersten Insassen waren Polen. 1943 erfolgte der Umbau und eine für die Verhältnisse Buchenwalds außergewöhnliche sanitäre Ausstattung. Im August des gleichen Jahres nahm das Hygiene-Institut der Waffen-SS (vgl. Block 46) hier die Produktion von Fleckfieberserum auf. Der Block wurde eingezäunt. Im Haus befand sich ein Gästelabor für Ärzte der Wehrmacht, der Waffen-SS und des Robert-Koch-Instituts Berlin, die an den Menschenversuchen im Block 46 teilnahmen.
 
Block 22 (Jüdischer Block)
Bis 1942 befanden sich die Unterkünfte jüdischer Häftlinge in den oberen vier Reihen der Holzbaracken, die sich an den Appellplatz anschlossen. Die Baracke 22 war über alle Jahre hinweg ständig jüdischer Block. Erster Blockältester war der jüdische Kommunist Rudolf Arndt, der 1940 von der SS erschossen wurde (vgl. Steinbruch).

Seit Einlieferung der ersten Transporte im Sommer 1938 konzentrierte die SS Juden in gesonderten Lebens- und Arbeitsbereichen, setzte sie besonderen Schikanen aus und härtester Zwangsarbeit. Die Fuhrkolonnen vom Steinbruch, auch Singende Pferde genannt, die Kommandos zum Reinigen der Latrinen und die Leichenträgerkommandos bestanden anfangs fast ausschließlich aus Juden. Unter den Opfern, die der antijüdische Terror forderte, finden sich bekannte Künstler, Politiker, Ärzte, Lehrer, Wissenschaftler und Rechtsanwälte.

Die Mehrzahl der jüdischen Häftlinge wurde 1942 in 'Euthanasie' Tötungsanstalten und in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und fiel dem Völkermord zum Opfer. Erst 1944/45 kamen nochmals mehr als 30.000 Juden in das Konzentrationslager Buchenwald. Kranke, Nichtarbeitsfähige und Kinder wurden sofort getötet oder - wie Anfang Oktober 1944 mit einem Transport von 1.188 Menschen - in Vernichtungslager gebracht. Insgesamt über 11.000 Juden wurden in Buchenwald getötet, mindestens 7.000 allein in den ersten Monaten des Jahres 1945. Ein Denkmal erinnert an diese Opfer.
 
Block 38 (Politische Häftlinge)
Die erste Reihe der Steinblocks wurde im Spätsommer 1938 fertig gestellt und belegt. Bei der in diesem Zusammenhang vorgenommenen Umstrukturierung der Wohnbereiche nach Häftlingsgruppen zogen deutsche politische Häftlinge u. a. in den Block 38 ein. Nach den schweren Anfangsjahren, in denen sie viele Opfer zu beklagen hatten, nahmen sie später gegenüber den in Massenunterkünften zusammengepressten Häftlingen eine bevorzugte Stellung ein. Politisches und individuelles Überleben stand für viele von ihnen im Kontext mit straffer Organisation und Disziplin in der Gruppe. Auf dieser Grundlage und durch Beispiele persönlichen Muts gewannen sie im Laufe der Jahre die Mehrzahl der Häftlingsfunktionen und nahmen Einfluss auf fast alle Verwaltungsvorgänge des Lagers. Ausgehend von den informellen Gruppen deutscher politischer Häftlinge, vor allem deutscher Kommunisten, entstand während der Kriegsjahre eine internationale Widerstandsorganisation, die sich heimlich bewaffnete. Eines der Zentren dieser Organisation, die zuletzt Häftlinge von über zehn europäischen Nationen vereinte, befand sich im ersten Stock des Blockes 38 (C-Flügel).
 
Block 47 (Sinti und Roma)
Die ständige Umbelegung von Baracken gehörte zum Alltag des Lagers. Im Steinblock 47 lebten während der Jahre 1939 und 1945 Tschechen, Holländer, Jugoslawen, Polen, Franzosen, Letten und Russen, seit Herbst 1941 auch wiederholt Menschen, die im Zuge rassistischer Säuberungsaktionen verhaftet wurden.

Unter dem Mantel der Aktion Arbeitscheu Reich begann schon 1938 die rassistische Verfolgung von Sinti in Deutschland. Ein Jahr später - im September 1939 - lieferte man etwa 700 so genannte burgenländische Zigeuner über das Lager Dachau nach Buchenwald ein (Block 14 und 15). In Schacht- und Steineträgerkommandos und im Steinbruch wurden viele von ihnen zu Tode geschunden. Als die SS 1944 die Überlebenden der Massenvernichtung des Volkes der Rom aus dem aufgelösten Zigeunerlager Auschwitz in die Lager Deutschlands deportierte, kamen Hunderte vorübergehend auch im Block 47 unter. Noch im September 1944 wurden 200 nicht arbeitsfähige und jugendliche Sinti und Roma von Buchenwald zurück nach Auschwitz ins Gas geschickt. Von den anderen, die in Außenkommandos untertage Steine brachen und Stollen gruben, überlebten nur wenige.
 
Kleines Lager
Ende 1942 erfolgte auf zentrale Weisung die Errichtung von Quaratäneblocks und Quarantänelagern. In Buchenwald entstand unterhalb der Barackenstadt in nördlicher Richtung das Kleine Lager, in der Statistik Lager II genannt. Es bestand zunächst aus 12 Wehrmachtspferdeställen vom Typ 260/9 (40 Meter lang, 9,50 Meter breit).

1.200 bis 1.700 Menschen wurden in eine Pferdestallbaracke gedrängt. Das Gelände des Kleinen Lager war mit Stacheldraht vom Hauptlager abgesondert. Seit Anfang 1945 entwickelte es sich immer mehr zu einem Sieche- und Sterbelager.

Reste von Wegen, Fundamente der Krankenbaracken 53 und 54 und der Latrine sowie die das Kleine Lager von Osten nach Westen durchlaufende Lagerstraße erinnern heute noch an den Ort, wo in den Jahren 1944/45 Zehntausende von Menschen, zeitweise nur in Zelten zusammengepfercht, hungerten, froren, verzweifelten und starben.
 
Häftlingskrankenbau
Dem ersten Lagerkommandanten von Buchenwald Karl Koch werden die Sätze zugeschrieben:

In meinem Lager gibt es keine Kranken. Hier gibt es nur Lebende oder Tote!

Im Konzentrationslager gab es nur die Alternativen schneller Genesung oder des Todes. Leben von Häftlingen war für die SS vor allem aus Rentabilitätsgründen, für Zwecke der Zwangsarbeit, erhaltenswert. Ab 1941 gehörte der Krankenmord zum Alltag.

Fürsorge für kranke Menschen lag damit im Lager zum großen Teil in den Händen der Häftlinge selbst. Die Einrichtung und Ausstattung eines Häftlingskrankenbaus (auch Revier genannt), der aus sechs z. T. massiven und unterkellerten Baracken bestand, war das Ergebnis mehrjähriger hartnäckiger Bemühungen von politischen Häftlingen. Die Fundamente der Aufnahmebaracke (Aufnahme, Operationssaal 1, Apotheke, Labor) und der TBC-Isolierbaracke (genannt Alm) sind heute noch sichtbar.
 
Block 46 (Fleckfieberversuchsstation)
Auf der Grundlage einer Übereinkunft von Regierungsstellen mit Vertretern der IG Farben AG, der Wehrmacht und der SS begannen Ende 1941 im Konzentrationslager Buchenwald Menschenversuche mit Fleckfieberimpfstoffen. Seit Mitte April 1942 befand sich im Block 46 eine Versuchsstation des Hygiene-Institutes der Waffen-SS, wo ohne Unterbrechung bis Frühjahr 1945 Versuche an Menschen stattfanden. Häftlinge des Lagers, zum Teil aus der Straf- und K-Kompanie dienten als Versuchspersonen. Durch Einspritzen von Krankheitserregern wurden sie künstlich infiziert. SS-Ärzte hielten sich Menschen als so genannte Passagen - sie wurden künstlich infiziert, nicht behandelt und starben alle nach kurzer Zeit - um die Erreger der Krankheit zu erhalten und Blut für die Injektionen anderer Versuchspersonen zu gewinnen. Laut Tagebuch der Versuchsabteilung liefen von August 1942 bis Oktober 1944 35 Versuchsreihen mit epidemischen Krankheiten. Gesundheit und Leben von über 1100 Menschen wurden dabei zerstört.
 
Block 36 (Strafkompanie)
Die zeitweise oder dauernde Einweisung in die Strafkompanie war eine gefürchtete Lagerstrafe. Maßnahmen, die den Einzelnen auch sonst immer treffen konnten - Prügelstrafe, Essensentzug, Strafestehen, Strafarbeit, Baumhängen, Strafexerzieren - , gliederten hier einen von fortgesetzter Folter geprägten Alltag. Besonders stark waren Homosexuelle, Polen, Russen und Juden davon betroffen. Auch jeder Verdacht auf Widerstand hatte die Einlieferung in die Strafkompanie zur Folge. Ab Mai 1940 gab es neben der Strafkompanie noch die K-Kompanie, in der Vergehen gegen den Kriegszustand, vor allem gegen die Kriegswirtschaft, geahndet wurden.
 
Sonderlager für sowjetische Kriegsgefangene
Am 18. Oktober 1941 trieb die SS etwa 2000 sowjetische Kriegsgefangene aus dem Kriegsgefangenenlager IV D 310 (Hamburg) in das Lager. Angesichts des elenden Zustandes dieser geschundenen Menschen boykottierten viele Häftlinge erstmals offen einen SS-Befehl und halfen spontan mit allem, was sie geben konnten. Sechs Baracken am westlichen Rand des Barackenlagers wurden mit Stacheldraht umzäunt und als Kriegsgefangenenlager beschildert. Durch harte Zwangsarbeit im Steinbruch, Krankheit und Hunger verringerte sich die Zahl der dort Lebenden auf 1200 Ende 1942 und durchschnittlich 800 in den darauf folgenden Jahren. Das am 5. Januar 1942 auf die Blocks 1, 7 und 13 reduzierte Kriegsgefangenenlager blieb bis April 1945 bestehen. Seine Insassen gingen am 10. April auf Todesmarsch.
 
Block 8 (Kinder und Jugendliche)
Bereits 1938/39 lieferte die Gestapo auch Jugendliche (vor allem Juden, Sinti und Polen) in Konzentrationslager ein. Mit den Massentransporten aus besetzten Gebieten, der Räumung des so genannten Zigeunerlagers Auschwitz und der Massendeportation ungarischer Juden erhöhte sich ihre Anzahl während der letzten Kriegsjahre deutlich. Als Arbeitskräfte für die SS nicht interessant, fielen Kinder und Jugendliche in hohem Maße Selektionen und Vernichtungsaktionen zum Opfer. Häftlingen der Widerstandsorganisation gelang es schon 1939/40, die SS von der Zweckmäßigkeit einer Ausbildung der Jugendlichen zu überzeugen, Jungen in leichtere Kommandos zu schleusen oder zu verstecken. Im Juli 1943 konnte der Lagerälteste auch eine gesonderte Unterbringung für zunächst 160 vorwiegend russische und ukrainische Jugendliche im ehemaligen Seuchenisolierblock 8 erreichen. Jüdische und polnische Kinder kamen 1944 hinzu. Die im Block beschäftigten Häftlinge um die Blockältesten Franz Leitner und Wilhelm Hammann retteten durch persönlichen Einsatz und mit Hilfe der Widerstandsorganisation die meisten der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Ein zweiter Kinderblock entstand im Block 66 des Kleinen Lagers. 904 Kinder und Jugendliche, der Jüngste gerade 4 Jahre alt, überlebten das Lager.
 
Gedenkstein Sonderlager Novemberpogrom 1938
Nach den in ganz Deutschland organisierten antijüdischen Pogromen vom 9./10. November 1938 lieferten die Gestapostellen Mitteldeutschlands fast 10.000 jüdische Männer nach Buchenwald ein. In einem Sonderlager, bestehend aus fünf scheunenähnlichen Großbaracken, brachte man sie notdürftig unter. Terror bis dahin nicht gekannten Ausmaßes, Ausplünderung, das Fehlen von Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten und einfachsten hygienischen Einrichtungen kosteten, vornehmlich in den ersten Wochen, über 200 Menschenleben. Tausenden von inhaftierten Juden gelang es nur dem Lager zu entkommen, indem sie alles aufgaben und Deutschland verließen. Traumatische Erinnerungen begleiteten viele ihr ganzes Leben. Am 31. Dezember 1938 befanden sich noch 1637 Juden in dem umzäunten Lager neben dem Appellplatz. Nach Ausbruch einer Typhusepidemie wurde das Sonderlager am 15. Februar 1939 aufgelöst und abgerissen. Später errichtete man hier Werkstattbaracken und die Häftlingskantine.
 
Häftlingskantine
Ein minimaler Zukauf einfacher Dinge des Alltags war seit den Anfangsjahren des Lagers für viele Häftlinge möglich. In einer Welt vollständigen Mangels bot die SS billig erworbene oder im Lager produzierte Waren an, um Unterstützungsgelder von Angehörigen der Häftlinge abzuschöpfen. Den Kauf vollzog ein Beauftragter je Baracke (Blockeinkäufer oder Kantiner genannt). 1942 öffnete ein entsprechendes Kantinengebäude im Lager. Außer Bargeld berechtigten ab Herbst 1943 ausgegebenen Bezugsscheine mit formalem Geldwert (so genanntes Lagergeld oder Prämiengeld) zum Einkauf.
Im Keller des Kantinengebäudes wurden Seife und andere Mittel zur Körperpflege von Häftlingen hergestellt. Heimlich experimentierte dieses Kommando auch mit selbstgebauten Handgranaten und Brandflaschen der Widerstandsorganisation.
 
Wachttürme
Zufällig und fragmentarisch wie das überlieferte Wissen über Alltag, Leben und Motivation der KZ-Wächter sind auch die Fragmente ihrer Welt erhalten geblieben. An der Grenzlinie dieser Welt, entlang des elektrischen Zaunes, der das Lager in einer Länge von etwa drei Kilometern umschloss, standen 22 massive Wachttürme. Nur die Türme am Ost- und am Westtor sind original erhalten, die übrigen wurden, mit Ausnahme einiger Ruinen in östlicher Richtung, Anfang der 50er Jahre abgerissen.
Die aus jeweils drei Wachleuten bestehenden Turmbesatzungen gehörten zum SS-Wachsturmbann. Eine Mischung aus militärischer Routine banalster Art und Gräueltaten strukturierte und prägte ihren Alltag. Ohne Warnung durften sie auf jeden Häftling schießen, der die neutrale Zone, einen Streifen innerhalb des Zaunes, betrat.
Auf dem Weg um das Lager patrouillierten Doppelposten. An Arbeitstagen stand außerdem eine große Postenkette (1944 - 55 Doppelposten) im weiten Umkreis. Im Laufe der Jahre gab es Hunderte Erschießungen von Menschen auf der Flucht.
 
Reithalle
Pferde und eine private Reitbahn gehörten zu den Statussymbolen, mit denen sich Lagerkommandant, SS-Standartenführer Karl Koch, umgab. Seine herrschaftlich-feudale Lebenshaltung, für die er in SS-Kreisen bekannt war, bestritt er aus erpressten Geldern von Häftlingen und durch Unterschlagung im großen Stil. Im Frühjahr 1940 ließ er von Häftlingen eine Reithalle (schiefergedeckte Holzkonstruktion, Grundfläche ca. 1600 m²) errichten, deren Nutzung zunächst ausschließlich ihm und seiner Ehefrau vorbehalten blieb.
 
Pferdestall
In dem ehemals massiv gebauten, 55 Meter langen Pferdestall neben der Reithalle erfolgte ab Herbst 1941 bis 1943/44 die planmäßige Massenerschießung sowjetischer Kriegsgefangener durch Genickschuss. Das Verbrechen ging auf den Kommissarbefehl des Oberkommandos der Wehrmacht zurück. Kommandos des Sicherheitsdienstes der SS sonderten in den Kriegsgefangenenlagern Offiziere, politische Kommissare, Intellektuelle und Juden aus, spezielle Kommandos der SS, in Buchenwald das Kommando 99, vollzogen die Exekution im Konzentrationslager. Der Massenmord geschah bei weithin hörbarer Marschmusik innerhalb des Gebäudes. Die Innenkonstruktion des Stallhauses war so verändert, dass der Todesschütze und das Opfer einander nicht begegneten. Die Schüsse wurden aus einem separaten Raum durch einen Schlitz in der Wand abgegeben. Aus der Sicht des Opfers befand sich an dieser Stelle eine in jedem Arztzimmer übliche Meßlatte. Der Abtransport der Leichname zum Krematorium erfolgte in verzinkten Behältern von der Ostseite des Gebäudes. Über 8000 sowjetische Kriegsgefangene wurden auf diese Weise ermordet.
 
Waffenmeisterei
Die Waffenmeisterei besorgte die Wartung und Reparatur der Handfeuerwaffen. Im Keller des Gebäudes befand sich die Waffenkammer des Kommandanturstabes. Hier gab man u. a. die Waffen an die Exekutionskommandos, z.B. an das Erschießungskommando 99, aus.
Den in der Waffenmeisterei beschäftigten österreichischen und deutschen Häftlingen gelang es 1943/44, mehrere Pistolen zu entwenden, durch das Lagertor zu schmuggeln und sie der Widerstandsorganisation zur Verfügung zu stellen.
Neben der Waffenmeisterei sind noch die Ruinen der Unterkunft des SS-Musikzuges erhalten, der Aufmärsche und Fahnenappelle des SS-Standorts begleitete.
 
Steinbruch
Der Kalksteinbruch am Ettersberg lieferte das Material zum Lageraufbau und zur Befestigung der Wege und Straßen. Die Arbeit in diesem Häftlingskommando zählte zu den schwersten körperlichen Torturen, die Menschen in Buchenwald ertragen mussten. Mit primitiven Mitteln wurde der Stein gebrochen, bearbeitet und transportiert. Der Steinbruch war berüchtigt als Ort pausenloser Misshandlungen durch Kommandoführer und Kapos. Zeitweise arbeiteten mehrere Hundert Häftlinge, darunter die Neuankommenden und die Strafkompanie, in diesem Kommando.
Im Steinbruch fanden zahlreiche Morde und Exekutionen statt. Mit dem Vermerk: auf der Flucht erschossen fingierte die SS den tatsächlichen Hergang. Prominente Politiker, wie der österreichische Justizminister Dr. Robert Winterstein, und geachtete Häftlingsfunktionäre, wie der jüdische Blockälteste Rudolf Arndt, wurden an der Postenkette erschossen. Todesschüsse zogen nur formale Untersuchungen nach sich.
Am 9. November 1939 ermordete ein SS-Erschießungskommando hier aus Rache für das Münchener Attentat gegen Hitler eine Gruppe von 21 Juden.
 
Truppenkasernen
Zur Unterbringung der im SS-Bereich stationierten Ausbildungs- und Ersatzformationen der Waffen-SS entstanden 1942 oberhalb des Steinbruchs vier dreistöckige Truppenkasernen. Zeitweise waren mehrere tausend SS-Rekruten und sog. Hilfsfreiwillige auf dem Ettersberg stationiert. Im Frühjahr 1945 zog die Zentralbehörde der Waffen-SS, das SS-Führungshauptamt in die Kasernen ein.
In den Kellerräumen eines der Häuser befanden sich Arrestzellen, in denen von Februar bis April 1945 Sonderhäftlinge des Reichssicherheitshauptamtes inhaftiert waren. Der Theologe Dr. Dietrich Bonhoeffer, Hauptmann Ludwig Gehre und General Friedrich von Rabenau verbrachten hier die letzten Wochen vor ihrer Hinrichtung im KZ Flossenbürg.
 
Aschegrab
Seit Ende 1944 ließ die SS die Asche der Toten aus dem Krematorium in natürliche Erdsenken am Südhang des Ettersberges, die so genannten Teufelslöcher, verbringen.
Nimmt man an, dass mindestens in der Zeit von Ende 1944 bis Ende März 1945 Asche auf diese Weise verbracht wurde, so liegen in dem lange Zeit fast vergessenen Trichter die sterblichen Überreste von mehreren Tausend Menschen (das größte Grab in Buchenwald).
 
SS-Falkenhof
Während einer Besichtigung des KZ Buchenwald am 14. Mai 1938 gab der Reichsführer-SS Heinrich Himmler den Befehl, einen SS-Falkenhof zu errichten. Jagdbräuche des Mittelalters dienten als Vorbild. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Aufbau begonnen. Bis Jahresende entstanden zwei Adlerhäuser und sieben geräumige Käfige. Ein Kaminhaus, im altdeutschen Stil errichtet, diente als Jägerunterkunft. 1940 war der SS-Falkenhof fertig gestellt. Mindestens ab Mai 1940 war er der Öffentlichkeit zugänglich. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern betrugen von Mai 1940 bis Dezember 1941 600 Reichsmark.
Das Haus des Falkners diente von 1943 bis 1945 zur Internierung von Mitgliedern der letzten französischen Regierung. Vorübergehend, z. T. auch für längere Zeit befanden sich hier die ehemaligen Ministerpräsidenten Léon Blum, Édouard Daladier und Paul Reynaud, der Minister Georges Mandel und der letzte Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte, General Maurice Gamelin in Haft.
 
SS-Führersiedlung
Die so genannte Siedlung I (eine zweite befand sich im Bereich der heutigen Ettersbergsiedlung) bestand aus zehn, im Heimatschutzstil erbauten einstöckigen Häusern. Sie wurde von Häftlingen errichtet. Die Siedlung zog sich etwa 350 Meter entlang des so genannten 'Eicke-Wegs' (nach dem Führer der Totenkopfverbände und Inspekteur der Konzentrationslager Theodor Eicke). Baubeginn war der 1. August 1937, im Januar 1938 hatten die Familien des Lagerkommandanten Karl Koch, der Schutzhaftlagerführer Arthur Rödl und Jakob Weiseborn die ersten drei Häuser bereits bezogen. Auch die Lagerärzte, die Führer der Wachmannschaften und der KZ-Verwaltung wohnten hier.
Die Familien der SS-Führer, zu denen meist mehrere Kinder gehörten, führten ein Leben in bürgerlichem Wohlstand. Häftlinge des Konzentrationslagers arbeiteten als Hausbedienstete. Der Lagerkommandant Koch bewohnte mit seiner Familie das größte Haus der Siedlung (die so genannte Villa Koch), das auf einer von mannshohen Bruchsteinmauern umgebenen Terrasse stand. Reste einer Gartengestaltung (z. B. ein Springbrunnen) sind noch heute erkennbar. Unterhalb des Hauses befindet sich der Luftschutzbunker der Siedlung.
 
Truppengaragen/Zentralbauleitung der Waffen-SS
Der Kommandantenweg, von den SS-Führern als kürzester Fußweg zum Lager benutzt, führt in den Bereich der Kasernen zurück, von dem der Rundgang ausging. Südöstlich der Straße befinden sich die Ruinen der Truppengaragen und der Zentralbauleitung der Waffen-SS. Der Komplex von 12 Garagen, einer Tankstelle und einem Befehlsturm wurde von Häftlingen in den Aufbaujahren errichtet. Er diente zur Unterbringung des Fahrzeugparks der SS. Tausende von Rekruten der Waffen-SS erhielten auf dem Ettersberg, in unmittelbarer Nähe des Konzentrationslagers, ihre Ausbildung, bevor sie in den Krieg gegen andere Völker geschickt wurden.
Die Zentralbauleitung der Waffen-SS gehörte zu einem Netz von Bauleitungen und Baustofflagern für die Bauvorhaben der Waffen-SS und Polizei. Ab 1942 waren Buchenwaldhäftlinge in mobilen SS-Baubrigaden, mitunter Hunderte Kilometer vom Stammlager entfernt, zur Zwangsarbeit eingesetzt. Im Juni 1944 arbeiteten 14880 Häftlinge von Buchenwald für die Baustäbe und Sonderbaustäbe der Waffen-SS, zu Jahresende über 20.000. Unter großen Opfern mussten sie u. a. die Stollen für unterirdische Rüstungswerke graben.
 
Sonderlager Fichtenhain
Ende 1942 entstand in dem Waldstück zwischen SS-Kasernen und Truppengaragen ein Barackenkomplex zur Internierung von Sonderhäftlingen. Dazu zählten u. a. Mitglieder der faschistischen Bewegung Rumäniens Garda de fier (Eiserne Garde), die nach einem Putschversuch gegen Diktator Antonescu 1941 verboten worden war.
Ab Herbst 1943 waren in einer separaten, ummauerten Isolierbaracke der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Dr. Rudolf Breitscheid und die Tochter des italienischen Königs, Mafalda, Prinzessin von Hessen, inhaftiert. Beide starben an den Folgen des Bombenangriffes vom 24. August 1944, bei dem das Sonderlager teilweise zerstört wurde.
In der wiedererrichteten Baracke hielt man im Frühjahr 1945 Familienangehörige der Verschwörer des 20. Juli 1944 (Attentat auf Hitler) - so z. B. die Familien Goerdeler, von Stauffenberg, von Hofacker und von Hammerstein - in so genannter Sippenhaft.
 
Grabfelder des sowjetischen Speziallager Nr. 2 (1945-1950)
Im Speziallager Nr. 2 starben über 7000 Menschen, d.h. jeder vierte der Inhaftierten. Vor allem im Winter 1946/47 wurde das Sterben zur alltäglichen Realität des Lagers.
Die Lebensmittelzuteilungen waren Ende 1946 drastisch gesenkt worden. In dem darauf folgenden Winter starben im Lager jede Woche bis zu 200 Inhaftierte. Mehr als die Hälfte aller Toten des Speziallager Nr. 2 war im Jahr 1947 zu registrieren, obwohl die Rationen wieder erhöht worden waren.
Die Lagerinsassen gingen zumeist an den Folgekrankheiten der Unterernährung und der unhygienischen Zustände zugrunde. Dazu zählen Dystrophie, Typhus, Tuberkulose und Ruhr. Todesfälle durch direkte Gewaltanwendung des sowjetischen Wachpersonals, z.B. bei Fluchtversuchen, blieben die Ausnahme.
 
Augenzeugen:
Sie trieben uns schlimmer als räudiges Vieh,
sie johlten und schlugen mit Stecken.
Die Alten sanken wimmernd ins Knie.
Es war der Tag aller Schrecken.
Sie trieben uns durch den glühheißen Wald,
da gab es kein Halten, kein Stocken.
Erst stöhnend und fluchend verstummten wir bald.
Und rannten auf heißen Socken.

Sie schnitten sich dornige Zweige ab
und schlugen. Perverse Genüsse.
Sie brachten die Alten mit Tritten in Trab.
Dazwischen knallten die Schüsse.

Urplötzlich hieß es: "Die Juden nach vorn!"
Sie begannen, genussfroh zu schnaufen,
und schlugen wieder mit Gütel und Dorn...
Ein prächtiges Spießrutenlaufen.
Wir kennen den Weg, jedwedes Stück
Und wäre es auch nach Jahren:
Denselben Weg, den Weg zurück,
den treiben wir sie zu Paaren!

(Karl Schnog, ehemals jüdischer Häftling, über seine Einlieferung)
Die Baracke war in zwei Räume unterteilt. In dem einen lagen die Leichen der Häftlinge, in dem anderen stand ein kantiger, primitiver Tisch, der als Sektionstisch diente.
(Walter Poller)
 
Jude in Buchenwald zu sein, war gleichberechtigt mit Auswurf der letzten Sorte, mit Parias. Der Judenstern war nach Laune eines SS-Mannes Todesurteil an und für sich.
(Dr. Gustav Herzog, ehemals jüdischer Häftling)
In der Mitte dieser Ställe wurde ein schmaler durchgehender Gang freigelassen, rechts und links daran, anstelle der Stände für das Vieh in drei bis vier Stockwerken übereinander große Boxen eingebaut, große rechteckige Kästen aus rohem Holz.[...] Es gab darin keine Wasserleitung und nur ganz einfache Öfen verbreiteten im Winter in ihrer unmittelbaren Umgebung etwas Wärme.
(Gerhard Harig)
Eugen Kogon schreibt über die Aufnahme:
Da es einfach nicht möglich war, alle Kranken zu behandeln, und da sich außerdem immer wieder Häftlinge unter sie mischten, die nur das an sich begreifliche Bedürfnis hatten, sich vor der Arbeit zu drücken, nahm ein robuster Häftlingspförtner die erste radikale Krankenauslese vor. Erschien dann im Laufe des Vormittags gnädigerweise der SS-Lagerarzt zu dem von ihm verachteten "dreckigen" Geschäft der Häftlingsbehandlung, so vollzog er die zweite Auslese, indem er nach rechts und links Ohrfeigen und Fußtritte austeilte. Wer inzwischen noch nicht freiwillig geflüchtet oder davongejagt war, musste als ohne Zweifel tatsächlich krank vorgelassen werden.
Die K- und Strafkompanie war eine geschlossene Strafanstalt des Lagers. Die betreffenden Blocks waren nochmals mit Stacheldraht umzäunt und verschlossen. Wir durften , wenn wirklich mal die Arbeitszeit zu Ende ging, keinerlei Berührung mit den übrigen Häftlingen haben. [...] Wir hatten keinen Kantineneinkauf, durften kein Geld haben und durften nicht rauchen. Wir mussten Sonntags arbeiten.[...] Wir mussten strafexerzieren.[...] Wir wurden vom Aufstehen bis Insbettgehen geschlagen und geschlagen.
(Bericht des ehemals politischen Häftlings Max Pabst)
Für dieses Geld gab es in der Häftlingskantine kaum reelle Dinge zu kaufen. Brot oder Obst bekamen wir nicht. Es gab eine so genannte Gemüsewurst, Zahnpasta, Schnürsenkel, Muschelpaste, mitunter auch Kartoffelsalat und Bouillonwürfel, zeitweise Zigaretten und Tabak. Dann gab es auch Hosenträger und Patentknöpfe.
(Robert Siewert, ehemaliger Häftling)
Der Bau musste derartig beschleunigt werden, dass an die dreißig Häftlinge bei der Arbeit tödlich verunglückten oder zu Tode getrieben wurden. Die Baukosten beliefen sich auf eine runde Viertelmillion Mark. Nach Fertigstellung hielt Frau Koch dort einige Male in der Woche ihre viertel- bis halbstündigen Morgenritte ab, wobei die Musikkapelle der SS auf eigenem Podium die Begleitmusik zu liefern hatte.
(Dr. Eugen Kogon, ehemaliger Häftling)
 
Zbigniew Fuchs, Leichenträger im Krematorium, der bei diesen Transporten als Häftling eingesetzt war, erinnert sich:
Diese Asche war in Säcke gepackt und wurde mit dem Lastwagen dorthin gebracht. Das geschah in der Nacht. Wir als Leichenträger, wir mussten die Säcke hinunterschleppen, da ausleeren und wieder rauf. Das ging so ungefähr vier oder fünf Stunden durch.